Ein stiller Morgen in Winterthur. Noch sind keine Termine auf dem Bildschirm der SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer, 38, aufgepoppt. Ihre Familie ist bereits aus dem Haus. Die Nationalrätin steht mit einer Tasse frischem Pfefferminztee im Garten. «Ist halt eher wild bei uns», sagt sie fast entschuldigend. Neben den Beeten liegen Fahrräder und Schubkarren. Ein buntes Klettergerüst ragt aus dem Rasen. Lavendel wächst in die Höhe, Trauben hängen an den Reben.

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Nichts wirkt geschniegelt. «Für mich muss der Garten nicht perfekt sein», sagt sie. «Wenn ich viel Zeit habe, mache ich mehr. Wenn ich wenig Zeit habe, halt weniger. Bei mir im Garten darf es auch mal wachsen.» Er sei für sie kein Projekt, sondern ein zusätzlicher Raum. «Von Frühling bis Herbst ist das hier wie ein weiteres Zimmer – nur eben draussen.» Die ganze Familie spielt und isst hier.

«Ich finde das mega toll, wenn ich das Abendessen koche und einfach noch schnell Schnittlauch für den Salat holen kann. Oder Zucchetti oder Bohnen.» Sie lacht. «Es schmeckt einfach besser. Man hat das Gefühl: Ich esse jetzt die Arbeit, die ich investiert habe, mit.»

Ein Garten, der mitwächst

Mattea Meyer und ihre Familie leben seit siebeneinhalb Jahren in diesem Reihenhäuschen am Stadtrand von Winterthur. Hinter dem Lavendelstrauch beginnt bereits das Reich der Nachbarn. «Winti ist eine Gartenstadt, ganz viele Quartiere sehen so aus. Man kennt sich, man hilft einander.» Wenn ein Gewitter aufzieht und jemand nicht zu Hause ist, nehmen die Nachbarn die Wäsche von der Leine. In den Ferien giessen sie gegenseitig die Pflanzen.

Mattea Meyer, Co-Präsidentin der SP und Nationalrätin, zu Hause in ihrem Garten, Winterthur, 8. Juli 2026

Die Brombeeren friert die Mutter von zwei Kindern ein. «Und im Winter essen wir sie im Birchermüesli.»

Quelle: Fabienne Bühler

Als sie das Miethaus vor einigen Jahren besichtigten, wohnten sie noch in einer Dreizimmerwohnung mit Balkon. «Wir hatten wahnsinniges Glück, dieses Häuschen zu bekommen.» Vor allem wegen dieses Gartens. «Ich habe immer einen Aussenraum gewünscht», sagt sie. «Schon damals auf dem kleinen Balkon habe ich alles angepflanzt, was irgendwie möglich war.»

Die Politikerin ist in Rothenfluh BL und in Winterthur aufgewachsen. Auch ihre Eltern hatten einen Garten. «Ich habe immer noch diese Bilder meiner Kindheit im Kopf: meine Eltern draussen beim Werkeln. Ich, meine Schwester und mein Bruder total dreckig vom Spielen.» Das dunkelgrüne Bänkchen neben dem Hibiskusstrauch stammt aus dieser Zeit.

Als der Frühling zurückkam

Neben dem grossen Esstisch steht ein neues Hochbeet mit Rosmarin, Thymian, Maggikraut und italienischen Strohblumen. «Das haben wir erst seit diesem Frühling.» Nach einem schwierigen Winter.

Mattea Meyer, Co-Präsidentin der SP und Nationalrätin, zu Hause in ihrem Garten, Winterthur, 8. Juli 2026

Das Hochbeet ist nur wenige Schritte von der Küche entfernt: Mattea Meyer pflückt oft Rosmarin und Thymian fürs Abendessen.

Quelle: Fabienne Bühler

Ende vergangenen Jahres zog sich Mattea Meyer vor der Wintersession wegen eines Burnouts für fünf Monate aus der Öffentlichkeit zurück. Für alles fehlte ihr die Kraft: die Kinder am Morgen parat zu machen, E-Mails zu beantworten oder einer Parlamentsdebatte zu folgen. «Ich musste die Notbremse ziehen! Habe mich abgeschottet und sehr viel Zeit zu Hause verbracht. Vor allem drinnen.»

Sie redet offen über ihre schwerste Zeit. «Aber ich glaube, es wäre noch heftiger gewesen, wenn das im Sommer passiert wäre», sagt sie. «Im Winter ist das ganze Leben ruhiger. Alle leben etwas zurückgezogener.» Ruhe, Zeit, professionelle Hilfe und die Unterstützung von der Familie, Freundinnen und Freunden brachten die Wende. «Ich hatte Glück, schnell eine gute Therapeutin zu finden. Und mich von meinem Umfeld zu Hause und in der SP getragen zu fühlen.»

Mattea Meyer, Co-Präsidentin der SP und Nationalrätin, zu Hause in ihrem Garten, Winterthur, 8. Juli 2026

Zurzeit liest die Nationalrätin das Buch «Eine Frage der Chemie» von Bonnie Garmus. «Es ist sehr spannend.»

Quelle: Fabienne Bühler

Mit dem Frühling kam die Lust zurück, wieder hinauszugehen.«Es wurde wärmer, heller – das hat geholfen.» Sie sah, wie die Pflanzen und Blumen im Garten wieder anfingen zu wachsen. «Ab März ist es mir besser gegangen, ich blühte langsam auf – hatte wieder Kraft und Energie.» Sie zeigt auf das Hochbeet. «Das habe ich dann zusammen mit meinem Partner und den Kindern gebaut.»

Ein Ort für die ganze Familie

Die zwei Kinder von Mattea Meyer haben ihre eigenen kleinen Giesskannen und helfen oft beim Bewässern. An heissen Sommerabenden machen sie Wasserschlachten. «Sie sind oft dreckig vom ganzen Tag und müssen sowieso duschen», sagt Meyer und lacht. «Dann machen wir einfach eine Wasserschlacht – das ist effizienter und geht schneller.» Ein paar Hummeln summen über den Lavendel. «Hier können wir uns wunderbar austoben.»

Die Parlamentarierin mag die Arbeit mit den Händen. Jäten, graben, pflücken, giessen, ernten. «Wenn ich viel am Computer gearbeitet habe, tut es gut, den Kopf abzuschalten.» Sie schaut über die Beete zu den etwas schiefen Holzstangen des Bohnenzelts. Chemische Mittel verwendet sie hier keine. «Wir versuchen, möglichst viel einfach wachsen zu lassen. Das ist besser für die Biodiversität.»

Dieser Garten hat kahle Stellen und wilde Ecken. Spielzeug liegt herum, Pflanzen wachsen manchmal dorthin, wo sie gar nicht vorgesehen waren. «Aber für mich ist es so eben genau perfekt.»

Hinweis: Dies ist ein Artikel der «Schweizer Illustrierten».

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