So schützt Sport die Psyche
Eine neue Studie zeigt: Sport hilft Depressiven und senkt das Depressionsrisiko von Gesunden drastisch. Eine Sportart sticht dabei heraus.

Veröffentlicht am 13. März 2026 - 15:46 Uhr

Bewegung wirkt sich positiv auf die psychische Gesundheit aus. Eine Sportart halbiert das Depressionsrisiko bei Gesunden.
Eine neue Studie des renommierten Cochrane-Forschungsnetzwerks in Grossbritannien zeigt, dass körperliches Training «möglicherweise ähnlich gut wie Psychotherapien oder Medikamente» wirkt. Zu diesem Schluss kommen die Forscherinnen und Forscher nach der Auswertung von 57 Studien mit 2189 Teilnehmenden. Die Erkenntnisse hat Cochrane im Januar publiziert.
Diese Aussage beruhe jedoch nur auf wenigen kleinen Untersuchungen. Die Langzeitwirkungen von Sport seien noch unklar, da nur wenige Studien Nachbeobachtungen über Jahrzehnte eingeschlossen hätten.
Eine dieser seltenen Erhebungen, die 21 Jahre lang Nachbeobachtungen gemacht hat, kommt aus Schweden. Und sie dreht sich vor allem darum, dass Sport insbesondere auch eine präventive Wirkung haben kann.
Langläufer mit halbem Depressionsrisiko
Die Forscherin Martina Svensson hat in der Studie fast 200’000 Teilnehmer des 90 Kilometer langen Vasaloppet-Langlaufmarathons mit einer Kontrollgruppe aus der Allgemeinbevölkerung verglichen. Svensson und ihr Team konnten zeigen, dass die Langläuferinnen und Langläufer ein um etwa 50 Prozent tieferes Risiko hatten, innerhalb der nächsten fünf Jahre an einer Depression zu erkranken, als der Rest der Bevölkerung.
Diese und andere Studien legen nahe, dass die körperliche Aktivität selbst ein entscheidender Schutzfaktor gegen künftige Depressionen ist. Die Autorinnen und Autoren betonen allerdings auch, dass Langläufer viel Zeit im Freien verbringen und natürlichem Licht ausgesetzt sind. Ein Faktor, der mit einem geringeren Depressionsrisiko in Verbindung gebracht wird.
Natur und Bewegung wirken
Das Zusammenspiel von körperlicher Betätigung und natürlicher Umgebung kann Gesunden wie Depressiven helfen. Die Nationalen Versorgungsleitlinien der Deutschen Bundesärztekammer zu Sport bei Depressionen besagen denn auch, dass es vielen Menschen bereits helfe, wenn sie sich zum Ziel setzten, mit dem Velo statt dem Auto zur Arbeit zu fahren. Oder einen längeren Spaziergang zu machen.
Depressionen können massive Auswirkungen auf die Gesundheit und die Lebenserwartung haben. Und obwohl Bewegung hilft, werden Depressionen in der Regel mit Antidepressiva oder einer Psychotherapie behandelt.
Sport bei schwerer Depression nicht empfohlen
Das Problem: Eine Dosis Sport kann man nicht runterschlucken wie eine Tablette. Und das kann mitunter entscheidend sein. Denn Depressiven kann es schwerfallen, sich zum Sport aufzuraffen.
Zweitens sind Medikamente durch die Krankenkasse bezahlt – ein Sportcoach, der zu einem Training animiert, aber nicht. Und drittens wirkt Sport vor allem bei leichten und begleitend bei mittelgradigen Depressionen, jedoch weniger in schweren Fällen, wie Christian Imboden, Direktor der Psychiatrischen Dienste Solothurn, jüngst an einer Tagung sagte.
Richtlinien mit konkreten Tipps
Imboden nannte in diesem Zusammenhang die Richtlinien des Kanadischen Netzwerks für die Behandlung affektiver Störungen und Angststörungen von 2023. Diese Richtlinien schreiben neuerdings Sport eine grössere Wirkung bei der Behandlung von Depressionen zu als früher.
Die Leitlinien empfehlen Ausdauerübungen wie Gehen, Joggen, Velofahren und Schwimmen von jeweils 30 bis 45 Minuten an drei bis vier Tagen pro Woche.
Die beste Sportart bei Depression gibt es nicht. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Psychotherapeuten über Bewegung und Sport. Prüfen Sie gemeinsam, was für Sie in Frage kommt.
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Nationale Versorgungsleitlinien Depression: Was bringen mir Sport und Bewegung? (2022)
- Kanadisches Netzwerk für die Behandlung affektiver Störungen und Angststörungen: Richtlinien 2023
- Cochrane-Forschungsnetzwerk: Körperliches Training bei Depressionen, Datenbank systematischer Reviews, Überblicksstudie (8. Januar 2026)
- Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Angst und Depression: Privatdozent Christian Imboden, Direktor Psychiatrische Dienste Solothurn: «Sport als Antidepressivum? Sport und Bewegung in Prävention und Behandlung der Depression»




