Klick und hochladen: 
In Windeseile landen Aufnahmen von Freunden und Fremden heute in 
sozialen Netzwerken. Bild: Getty Images

Recht am eigenen BildKeine Einwilligung, kein Foto!

Niemand darf das Bild einer Person ohne deren Einverständnis veröffentlichen. Doch in Zeiten von Facebook & Co. bröckelt dieser Grundsatz. Was ist erlaubt, was nicht?

von Daniel Leiseraktualisiert am March 02, 2017

Wir leben im Smartphone-Zeitalter. Sprich: Jeder kann jeden im Nu ablichten und das Bild verbreiten. Weltweit laden User täglich rund zwei Milliarden Fotos auf soziale Medien wie Facebook, Instagram, Twitter oder Snapchat hoch. Damit kommt ein Grundsatz des Persönlichkeitsrechts unter Druck. Denn man darf niemanden ohne seine Einwilligung fotografieren, und niemand muss akzeptieren, dass ein Bild von ihm veröffentlicht wird.

Früher gerieten hier vor allem die Medien in den Clinch mit dem Gesetz. Heute geht es hauptsächlich um die Verwendung von Fotos durch Private. Nachfolgend die Antworten auf die häufigsten Fragen an das Beobachter-Beratungszentrum.

Anzeige

Persönlichkeitsrecht von Kindern

Wie lange dürfen Eltern über das Recht am Bild für ihre Kinder entscheiden?
Eltern erhalten regelmässig Formulare von Sport- oder Musikvereinen, von der Schule oder der Pfadi. Per Unterschrift sollen sie sich damit einverstanden erklären, dass ihre Kinder bei Aktivitäten fotografiert oder gefilmt werden und dass solche Aufnahmen veröffentlicht werden dürfen.

Doch bis zu welchem Alter der Kinder dürfen die Eltern überhaupt darüber entscheiden? Das Recht am eigenen Bild ist höchstpersönlicher Natur. Das heisst: Es kann von urteilsfähigen Personen selbst ausgeübt werden, selbst wenn sie noch nicht volljährig sind. Kinder sind etwa ab 14 Jahren urteilsfähig – ab dann entscheiden sie selbständig über ihr eigenes Bild und über die Verwendung ihrer Fotos.

Fotos von Vereinsmitgliedern

Ich bin Mitglied in einem Verein, möchte aber nicht mehr, dass er meine Fotos verwendet. Kann ich meine Einwilligung zurückziehen?
Ja, Sie können eine frühere Einwilligung jederzeit zurückziehen. Eine weitere Veröffentlichung Ihrer Fotos – zum Beispiel auf der Website des Vereins – ist dann nicht mehr möglich.

Aber aufgepasst: Falls der Verein durch Ihren Rückzug einen finanziellen Schaden erleidet, müssen Sie eventuell dafür aufkommen. Etwa, wenn die Fotos mit Ihrem Einverständnis für Prospekte verwendet wurden, die der Verein nun wegwerfen muss.

Bilder bei Facebook entfernen lassen

Mein Exfreund hat ohne mein Einver­ständnis ein uraltes Foto von mir auf seiner Facebook-Seite gepostet. Er will es nicht entfernen. Was kann ich tun?
Verlangen Sie das Entfernen des Fotos mit dem Facebook-Formular «Meldung eines Verstosses gegen Datenschutzrechte». Falls das nicht klappt, räumen Sie dem Exfreund per Einschreiben ausdrücklich eine letzte Frist ein, bevor Sie rechtliche Schritte einleiten. Läuft die Frist erfolglos ab, können Sie gegen ihn auf Löschung des Fotos klagen. Erste Instanz ist – je nach Kanton – der örtliche Friedensrichter oder die regionale Schlichtungsbehörde.

Mehr zum Thema

Persönlichkeitsrecht: Darf er Fotos von mir auf seine Homepage laden?

Einmal im Internet veröffentlichte Bilder sind nur schwer zu löschen. Welche Rechte Sie haben und wie Sie vorgehen, zeigt Ihnen dieser Beobachter-Artikel.

zum Artikel

Persönlichkeitsrecht: Darf er Fotos von mir auf seine Homepage laden?

Mitarbeiterfotos auf Firmenhomepage

Darf mein Arbeitgeber mein Foto samt Vor- und Nachnamen auf der Firmen­website aufschalten?

Er braucht dafür Ihre ausdrückliche Zustimmung. Mit Foto auf der Firmenwebsite zu erscheinen ist nicht jedermanns Sache. Das müssen Arbeitgeber respektieren. Erklären Sie dem Chef, warum Sie Wert auf Privatsphäre legen. Wenn er nicht einlenkt, können Sie den Rechtsweg einschlagen und die Beseitigung des Fotos verlangen.

Aufnahmen im öffentlichen Raum

Ein Fotograf hat mich bei einer Demo in vorderster Reihe fotografiert. Darf er das ohne meine Einwilligung?

Ja, er durfte davon ausgehen, dass Sie damit einverstanden sind. Wer an einer Kundgebung im öffentlichen Raum teilnimmt, sucht für ein Anliegen ja gerade die Aufmerksamkeit der Bevölkerung. Erst recht, wenn er in der ersten Reihe mit Transparenten und dergleichen mitläuft.

In solchen Fällen dürfen Medienleute von einer konkludenten, also stillschweigenden Zustimmung ausgehen. Dementsprechend müssen Sie nun auch davon ausgehen, dass Foto- und Filmaufnahmen, auf denen Sie erkennbar sind, für die Berichterstattung in den Medien verwendet werden.

Guider Logo

Mehr zu Daten- und Persönlichkeitsschutz bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Der Datenschutz hat in den letzten Jahren durch die Digitalisierung an Bedeutung zugenommen. Doch wer darf was über mich wissen und wie erhält man Auskunft über gespeicherten Daten? Und wie sieht es aus mit Fotografieren im öffentlichen Raum? Mitglieder bekommen auf Guider Antworten auf diese und weitere Fragen zum Daten- und Persönlichkeitsschutz.

Abdruck in Medien

Ohne mein Einverständnis hat eine Zeitung ein Foto von mir aus dem Internet bei einem Bericht abgedruckt, obwohl der Zusammenhang nicht offensichtlich ist. Wie kann ich mich wehren?

Das war ein gravierender Fehler. Die Redaktion hätte Ihre ausdrückliche Zustimmung für die Verwendung des Bildes einholen müssen. Gedruckt ist nun aber gedruckt, logischerweise können Sie nichts mehr gegen die Veröffentlichung tun. Wenn der Bericht auch online verfügbar ist, können Sie fordern, dass das Foto wenigstens dort entfernt wird. Stellen Sie der Redaktion eine Beschwerde beim Presserat in Aussicht, falls Sie das Gefühl haben, man nehme Ihr Anliegen zu wenig ernst.

Theoretisch könnten Sie wegen der Persönlichkeitsverletzung auch Schadenersatz verlangen. Sie müssten dafür aber – quasi auf den Franken genau – nachweisen, dass Ihnen ein finanzieller Schaden entstanden ist. Dafür wäre der Beizug eines versierten Anwalts oder einer Anwältin zu empfehlen.

Heikle Fotos auf privaten Websites

Ein Foto im Internet zeigt mich in einer unvorteilhaften Lage. Was kann ich tun?

Viele Betreiber von Websites sind sich nicht bewusst, dass sie gewisse Bilder nicht benützen dürfen. Wenn jemand ein Foto von Ihnen ohne Ihre Einwilligung oder ohne Ihr Wissen ins Netz gestellt hat, verlangen Sie am besten vom Betreiber der Plattform per Mail die Löschung. Nützt das nichts, haken Sie mittels Einschreiben nach. Bei einer privaten Website finden Sie die Adressangaben vielleicht unter «Kontakt» oder im «Impressum». Oder Sie suchen nach dem Inhaber der Adresse mittels «Whois»-Abfrage für Domains mit Endung «.ch».

Je weiter weg der Seitenbetreiber angesiedelt ist, desto geringer sind die Erfolgsaussichten eines Löschungsbegehrens. Immerhin können Sie dann bei Google und anderen Suchmaschinen verlangen, die Suchfunktion für das Bild zu löschen. So wird das Auffinden und die Weiterverbreitung erschwert.

Wiederveröffentlichung von Bildern nach dem Tod

Ein Familienmitglied ist vor etlichen Jahren wegen einer Straftat in den Fokus der Medien geraten. Darf sein Bild nach seinem Tod ohne unsere Einwilligung nochmals veröffentlicht werden?

Das Persönlichkeitsrecht und damit auch das Recht am eigenen Bild ist nicht vererblich. Es erlischt grundsätzlich mit dem Tod der Person. Allerdings können sich Angehörige gegen eine Veröffentlichung wehren, indem sie geltend machen, dass dadurch ihre eigene Persönlichkeit verletzt und ihr Pietätsgefühl nicht geachtet würden. Juristen sprechen hier vom sogenannten Andenkensschutz.

Wenn es aus Ihrer Sicht zudem überhaupt keinen Anlass gibt, die alte Geschichte wieder aufzuwärmen, sollten Sie beim betreffenden Medienunternehmen intervenieren – notfalls mit anwaltlicher Hilfe.

Weitere Infos

 

Buchtipp

ZGB für die höhere Ausbildung

Vollständige Gesetzestexte mit Erläuterungen, Fallbeispiele aus der Rechtspraxis und wegweisende Urteile

Mehr Infos

ZGB für die höhere Ausbildung
ZGB für die höhere Ausbildung