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InfografikDer lange Weg des Trinkwassers

Das Schweizer Leitungswasser hat punkto Sauberkeit weltweit kaum Konkurrenz. Doch woher kommt es? Und auf welchem Weg gelangt es in unsere Häuser?

 

Wasserhahn auf, einige Schluck Wasser trinken, Wasserhahn zu. Was anderswo als Luxus gilt, ist für die meisten Menschen in der Schweiz selbstverständlich: Aus dem Hahn in Küche und Bad und aus öffentlichen Brunnen fliesst sauberes Trinkwasser. Unser Wasser ist so gut, weil wir buchstäblich an der Quelle sitzen: Die Schweiz ist mit ihren Tausenden Quellen auch als Wasserschloss Europas bekannt. Zudem ist Wasser dem Lebensmittelgesetz unterstellt und eines der am strengsten kontrollierten Lebensmittel überhaupt. Das Bereitstellen von Wasser ist die Aufgabe der Gemeinden und damit ein typischer Service public.

 

Die Schweizer Wasserversorger gewinnen das Trinkwasser aus der Natur: Es besteht aus 40 Prozent Quellwasser, 42 Prozent Grundwasser und 18 Prozent Seewasser. Diese Zusammensetzung variiert nach Region und von Jahr zu Jahr ein bisschen. Auch ist nicht jeder Wassertropfen gleich lang unterwegs, bis er im Haushalt ankommt, seine Reise ist kürzer oder länger, je nachdem, ob es sich um Quell-, Grund- oder Seewasser handelt. «Bei 90 Prozent der Wassertropfen verstreichen ein bis fünf Tage bis zum Wasserhahn», sagt Paul Sicher vom Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfachs (SVGW).

Naturbelassen ist der Anteil des Wassers, der aus dem Grundwasser oder aus Quellen stammt. Der grösste Teil des Quellwassers wird durch viele Gesteinsschichten natürlich gefiltert: Das Regenwasser versickert und läuft durch verschiedene geologische Schichtungen wie Humus, Kies und Sand. In der Brunnenstube lagert sich der mitgeführte Sand ab. Feinstoffe werden herausgesiebt, bevor das Wasser ins Reservoir gepumpt wird. Eine weitere Aufbereitung ist nicht nötig. Nur wenn das Wasser von karstigem Untergrund stammt, versickert es zu schnell und wird zu wenig gründlich gefiltert – dann wird das Wasser sicherheitshalber entkeimt.

Wenn Flöhe die Wasserqualität testen

 

Auch der grösste Teil des Grundwassers fliesst in guter Qualität in den Brunnenschacht. Es wird aus Niederschlags- und Seewasser stetig neu gebildet und ebenfalls von der Kiespassage gefiltert. Ob das unbehandelte Grundwasser ausreichend sauber ist, kontrollieren moderne Analyseautomaten, aber auch Biotestanlagen: Im Grundwasserwerk Zürich werden in einem Aquarium Wasserflöhe gezüchtet, die sehr sensibel auf Veränderungen im Wasser reagieren.

Seewasser spielt in der Schweiz in Bezug auf die Versorgungssicherheit eine besondere Rolle. Paul Sicher: «Das Seewasser ist ein schier unerschöpfliches Reservoir, gerade in langen Trocken- und Hitzezeiten ist es enorm wichtig, dass wir darauf zurückgreifen können.» In der Nähe von Seen besteht das Leitungswasser oft aus einem grösseren Anteil an weicherem Seewasser. Nachdem das Wasser aus 30 Meter Seetiefe ins Wasserwerk hochgepumpt worden ist, durchläuft es eine mehrstufige Aufbereitung. Mit UV-Licht oder Ozon werden vorhandene Viren inaktiviert und Keime abgetötet. Verschiedene Filter absorbieren feste und gelöste Fremdstoffe. Anschliessend wird die Mikrobenbildung durch Zugabe von Chlor gehemmt. Diese klassische mehrstufige Seewasseraufbereitung wird heute immer häufiger durch die Membranfiltration abgelöst, die das Wasser durch mikroskopisch kleine Poren presst und damit fast ohne Chemie reinigt.

Es bleiben Mikroverunreinigungen aus Medikamenten und Pflanzenschutzmitteln, Hormonen und Nanopartikeln. Welchen Einfluss diese auf die Umwelt haben, kann niemand richtig sagen, wie die Schweizerische Hydrologische Kommission im Bericht «Das Wasser in der Schweiz – ein Überblick» festhält. Die im Trinkwasser gemessenen Konzentrationen seien jedoch zu gering, als dass davon eine gesundheitliche Gefahr zu erwarten wäre, sagt Paul Sicher vom Branchenverband SVGW.

Bald Filter gegen Mikroverunreinigungen?

 

Dennoch nimmt man das Thema ernst. In den nächsten Jahren wird die Schweiz ihre Kläranlagen mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe ausrüsten, die Mikroverunreinigungen entfernen soll. Der Branchenverband fordert zudem seit langem, dass in den Trinkwasserschutzzonen keine Pestizide ausgetragen werden dürfen.

Die Reise des Wassertropfens endet bei den Konsumenten: Von den Reservoiren führt schliesslich ein weitverzweigtes 55'000 Kilometer langes Trinkwasserleitungsnetz zu den einzelnen Haushalten. In den Leitungen muss stets der notwendige Wasserdruck aufrechterhalten und der im Lauf des Tages schwankende Wasserverbrauch berücksichtigt werden. Von Jahr zu Jahr ist der Verbrauch rückläufig: Wasserintensive Industriezweige wurden ins Ausland verlegt; die Bevölkerung benutzt wassersparende Geräte. Im Jahr 2014 verbrauchten die Haushalte, das Kleingewerbe und die öffentliche Hand (zum Beispiel Brunnen) nur noch 300 Liter pro Tag und Person.

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Veröffentlicht am 31. August 2016

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4 Kommentare

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Roman Zehnder
Lieber Herr oder Frau Schön. Ich mag humorvolle Menschen. Dennoch wünsche ich mir von Ihnen konstruktives Mitdiskutieren. Lieber Herr Paul Sicher. Sie dürfen sich von der Wahrheit distanzieren. Der Chemiker hatte es mir aber genauso erklärt. Ich bin irritiert, wenn der SVGW öffentlich die Problematik verniedlicht & hintendurch erfährt man wie es wirklich um unser Wasser steht. Ich weiss, dass der SVGW eine wichtige Arbeit tätigt und interessiert ist, das wertvolle Wasser zu schützen. Ich bitte Sie, sich nicht hinter veralteten Theorien & Wissenschaften zu verbarrikadieren. Wissen & Technologien entwickeln sich ständig weiter. Ihre knappe Antwort deute ich als Dialogverweigerung. Fakt ist, dass die Kläranlagen verunreinigtes Wasser in die Flüsse speist & Fische massenhaft sterben.

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Sicher
Guten Tag Der SVGW distanziert sich von solchen Aussagen, wie von Hr. Zehnder zitiert. Der SVGW orientiert sich und arbeitet nach anerkannten Regeln der Technik und dem Stand der Wissenschaft. Siehe auch www.svgw.ch Paul Sicher, SVGW

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Schoen
Danke Herr Zehnter für Ihren Kommentar, hab selten so gelacht! Ihr Informant ist wohl weniger Naturwissenschafter, sondern eher Homöopath.

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Roman Zehnder
Ein Chemiker, welcher beim SVGW arbeitet (Der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches) hatte mir mal ganz genau erklärt wie die Wassermoleküle funktionieren. Einfach erklärt, ist Wasser ein Datenträger welcher diverse Informationen speichert. Pestizide, Medikamentenrückstände, Anti-Baby-Pille, Kosmetika, Mikroplastik und viele andere Stoffe, welche im Wasser landen, werden auf dem Wassermolekül "gespeichert". Wenn nun in der Kläranlage, das Wasser "gereinigt" wird, werden diese Stoffe nicht entfernt sondern, deaktiviert und "unsichtbar" gemacht. Das Gift ist immer noch vorhanden und je nach eigener körperchemischer Konstitution, können die Stoffe im Körper wieder aktiviert werden. Wasser ist eine hochkomplexes Element. Der Mensch weiss noch viel zu wenig darüber.

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