Paul, 11, kommt von der Schule heim. Er muss lernen: Bald steht die Prüfung über den Blutkreislauf und die Gelenke im Fach «Mensch und Umwelt» an. Seine Übungsblätter aus der Schule hat er schon ausgefüllt. Der Viertklässler fragt seinen Vater, ob er sie ihm abdecken könne, damit er die Aufgaben nochmals lösen kann.

Sein Vater Boris Moers ist Softwareingenieur. Schnell ist der Ehrgeiz des 50-Jährigen geweckt. Es kann doch nicht sein, dass das nur so geht – es muss doch eine bessere Lösung geben, als die Zettel von Hand abzudecken, sagt er zum Beobachter.

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Per Smartphone-Foto zum KI-Quiz

Er fotografiert die Übungen, lädt sie in ein KI-Tool hoch und lässt dazu passend für Viertklässler ein Quiz mit 25 Fragen erstellen. Dann prüft er die Antworten mehrmals mit anderen KI-Systemen gegen. Der Pilotversuch funktioniert. Die Lern-App Wizuh ist geboren. Der Name steht für «Wissen zusammen». Das h habe er angefügt, weil es fancy aussehe, sagt Boris Moers lachend.

Sohnemann Paul ist happy, dass er am Computer lernen kann. Er löst die Aufgaben rund um die Blutzufuhr zum Herzen und beherrscht bald die Dreh- und Scharniergelenke. Am Schluss gibt es noch einen kurzen Test. 

Paul ist ein durchschnittlich guter Schüler, sagt sein Vater. Die Prüfung besteht er mit Bravour: null Fehler.

«Das Kind übt den aktuellen Schulstoff und testet sich selbst. Es gestaltet selber den Lernprozess.»

Boris Moers, Softwareingenieur

Höhere Motivation durch eigene Themenwelten

Das war vor gut vier Wochen. Seither fotografiert Paul seinen Schulstoff selbst, zum Beispiel ein Arbeitsblatt oder eine Buchseite, und die Lern-App macht daraus passende Übungen und Quizfragen. «So übt das Kind genau den aktuellen Schulstoff und testet sich selbst. Es klickt nicht fremde Inhalte durch, sondern gestaltet den Lernprozess», sagt Softwareentwickler Moers.

Beratung mit Chatbot

Genau dieses selbständige und aktive Lernen bleibt gemäss Studien besser im Gedächtnis. Und weil es der eigene Stoff ist, sind die Schülerinnen und Schüler motivierter dabei. Das Kind kann die Aufgaben sogar in eine Themenwelt verpacken – etwa in die Welt von Meerjungfrauen, Seeungeheuern oder Haustieren. Das hilft besonders Kindern im Autismus-Spektrum-Bereich, so Moers. Auch Kinder mit Lernschwächen profitieren.

Einfacherer Alltag

Mittlerweile nutzen bereits 50 Familien die App zum Preis von ca. 2 Franken pro Monat. Viele Eltern berichten, dass Wizuh den Alltag erleichtere und die Kinder gern damit lernten. Wizuh ist nicht gewinnorientiert, ohne Werbung sowie ohne Tracking. Die Familien teilen sich die anfallenden Kosten, Überschüsse gehen an Bildungsorganisationen.

Wieso entwickeln Schulen nicht selber solche Apps? Experte Boris Moers sagt, die Erstellung sei theoretisch leicht. Doch um Datensicherheit und stabilen Betrieb für Hunderte Nutzer gleichzeitig zu garantieren, brauche es schon profunde IT-Kenntnisse. Er stelle seine App gern zur Verfügung, um anderen Familien damit zu helfen.

Diskussion

Wie lernen Ihre Kinder für die Schule? Würden Sie eine solche App ausprobieren – oder setzen Sie lieber ganz klassisch auf Stift und Papier? Diskutieren Sie mit uns in der Kommentarspalte!