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Unzufrieden im JobSoll ich bleiben oder gehn?

Wer bei der Arbeit unzufrieden ist, sollte nicht zu lange passiv bleiben, sagt Experte Daniel Reumiller. Sonst könne es plötzlich zu spät sein.

62 Prozent haben laut Studie schon einmal wegen des Chefs gekündigt.
von aktualisiert am 12. April 2018

Beobachter: Warum möchten sich Leute beruflich verändern?
Daniel Reumiller: Wenn jemand das Bedürfnis hat, sich weiterzuentwickeln, vielleicht eine Führungskarriere anvisiert oder sich eine inhaltliche Veränderung wünscht.

Beobachter: Wie häufig steckt Unzufriedenheit dahinter?
Reumiller: Aus Erhebungen weiss man, dass etwa ein Viertel der Erwerbstätigen unzufrieden mit ihrem Job sind. Dazu kommen jene, die faktisch ebenfalls unzufrieden sind, aber ihre Ansprüche gesenkt haben, um die Situation zu bewältigen.

«Der Chef spielt eine Schlüsselrolle bei Problemen im Job.»

Daniel Reumiller, Leiter Berufsberatungs- und Informationszentren des Kantons Bern.

Beobachter: Was macht die Leute so unzufrieden?
Reumiller: Manchmal ist es der Inhalt der Arbeit oder die Tätigkeit, die nicht erfüllt. Doch auch das Umfeld verursacht regelmässig Probleme.

Beobachter: Eine Studie zeigt: 62 Prozent haben schon einmal wegen des Chefs gekündigt Arbeit Kündigen, wenn Chef nicht will? .
Reumiller: Der Vorgesetzte spielt tatsächlich eine Schlüsselrolle. Durch sein Führungsverhalten, aber auch, weil er sehr viele andere Faktoren beeinflussen kann.

Beobachter: Was beeinflusst die Zufriedenheit im Job darüber hinaus noch?
Reumiller: Manchmal sind es die Rahmenbedingungen, also Lohn, Arbeitszeiten, übermässiger Druck, Stress Stress am Arbeitsplatz Die Firma haftbar machen oder fehlende Weiterentwicklungsmöglichkeiten.

«25 % der Erwerbstätigen fühlen sich im Job gestresst.»

Beobachter: Vielleicht sind wir auch verwöhnt und sehen nur noch das Schlechte.
Reumiller: Es kann durchaus vorkommen, dass sich jemand nur noch aufs Negative konzentriert. Allerdings ist diese Art der Unzufriedenheit häufig situativ bedingt. Wenn man sich dann nach Jobs umzusehen Stellensuche So findet man versteckte Jobs beginnt, relativiert sich das oft wieder.

Beobachter: Inwiefern?
Reumiller: Der Wunsch nach Veränderung kann dazu führen, dass man die eigene Situation wieder mehr schätzt. Etwa weil man bei der Jobsuche merkt, dass der aktuelle Lohn gar nicht so schlecht ist.

Beobachter: Wenn Sie Kunden beraten: Weisen Sie sie auch auf positive Aspekte hin?
Reumiller: Mit jeder Laufbahnberatung ist eine Standortbestimmung verbunden. Was gefällt mir an der jetzigen Situation? Was weniger? Was bedeutet das für meine beruflichen Pläne oder allfällige Weiterbildungen Weiterbildung Wie Sie im Beruf weiterkommen ? Das sind wichtige Fragen.

«31 % sind mit ihrer Berufswahl unglücklich und würden heute anders handeln.»

Beobachter: Und was kommt dabei heraus?
Reumiller: Manche kommen zum Schluss, dass sie den Aufwand oder das Risiko einer Veränderung nicht auf sich nehmen wollen, weil die aktuelle Situation gar nicht so schlecht ist. So kann sich die Arbeitszufriedenheit nach einer Laufbahnberatung durchaus auch ohne Veränderung steigern.

Beobachter: Wie lange sollte man die Unzufriedenheit «aussitzen»?
Reumiller: Passives Ausharren ist in der Regel eine schlechte Lösung. Wenn man zu lange passiv zuwartet, kann irgendwann keine Veränderung mehr möglich sein. Etwa weil man altersmässig auf dem Arbeitsmarkt schlechtere Karten Stellensuche Stärken haben kein Verfallsdatum hat, weil ein künftiger Arbeitgeber nicht überzeugt ist, dass man noch in der Lage ist, sich in einem neuen Umfeld zurechtzufinden, oder weil die Unzufriedenheit sich nachhaltig negativ auf die Gesundheit ausgewirkt hat.

Beobachter: Die Situation ist zu gut, um zu gehen, aber zu schlecht, um zu bleiben. Was macht man da?
Reumiller: Oft lohnt es sich, darüber nachzudenken, was man selbst dazu beitragen kann, dass die Situation sich bessert. Passiv auf eine Verbesserung zu hoffen, ist immer schlecht. Wenn die Unzufriedenheit also mehr als ein paar Wochen andauert, sollte man immer eine Situationsanalyse machen.

Beobachter: Wie geht man vor, wenn es einfach nicht besser wird?
Reumiller: Man kann sich natürlich nach einem neuen Job umsehen oder eine Weiterbildung ins Auge fassen. Auch das Gespräch mit einer nicht involvierten Fachperson kann helfen, die eigene Situation wieder besser einzuordnen und Optionen für das weitere Vorgehen auszuloten.

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Beobachter: Sollte man den Chef konsultieren?
Reumiller: Das offene Gespräch mit direkten Vorgesetzten ist eigentlich nie falsch. Und: Gute Chefs fragen nach, wenn sie Anzeichen von Unzufriedenheit feststellen. Wenn sie das Gespräch abblocken oder ungehalten reagieren, ist das auch eine Aussage: Gerade dann sollte man sich fragen, ob man wirklich noch am richtigen Ort ist.

Beobachter: Was tun, wenn der Chef das Problem ist?
Reumiller: Die Frage ist, was am Chef problematisch ist. Auch hier hilft in der Regel das offene Gespräch. Unter Umständen ist sich der Chef nicht bewusst, dass er das Problem ist Schwierige Chefs So bekommen Sie Ihren Boss in den Griff . Im Idealfall wird er sogar dankbar sein für die Inputs.

Beobachter: Und wenn es die Arbeitskollegen sind, die den Unmut verursachen?
Reumiller: Auch hier gilt: Das direkte Gespräch mit dem Kollegen ist immer die erste Option. Wenn das nicht hilft, ist der Vorgesetzte die nächste Ansprechperson. Er wird im Idealfall vermitteln können. Je nach Schwere des Problems kann es sich auch lohnen, externe Unterstützung beizuziehen, etwa mit einer Mediation Mediation Gütlich zum Handschlag .

Beobachter: Und was, wenn es tatsächlich die Arbeit selbst ist, die einen stört?
Reumiller: Die Frage ist: Ist man überfordert? Unterfordert? Gestresst? Auch hier lohnt es sich, die Situation mit dem Vorgesetzten zu analysieren und vielleicht gemeinsam zu überlegen, welche Optionen es gibt. Falls die Unzufriedenheit anhält, muss man über einen Jobwechsel oder eine berufliche Veränderung nachdenken.

«Wenn die Unzufriedenheit zu Stresssymptomen führt, ist es höchste Zeit, den Job zu wechseln.»

Daniel Reumiller, Leiter Berufsberatungs- und Informationszentren des Kantons Bern.

Beobachter: Manchmal ist ein Jobwechsel aus familiären, finanziellen oder anderen Gründen höchst unwahrscheinlich. Was dann?
Reumiller: Tatsächlich ist ein Wechsel fast immer möglich. Die Frage ist eher, welche Opfer man dafür erbringen muss. Sich das bewusst zu machen, kann helfen, die Situation wieder besser einzuschätzen und unter Umständen wieder zufriedener zu sein.

Beobachter: Und was, wenn nicht?
Reumiller: Dann sollte man sich fragen, was man im jetzigen Job verändern kann. Vielleicht müsste man über die eigene Arbeitsorganisation nachdenken, die den Stress verstärkt, vielleicht über das eigene Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten. Arbeitszufriedenheit ist jedoch nur ein Teil der Lebenszufriedenheit. Da spielen ganz andere Faktoren mit, etwa Familie oder Freizeitaktivitäten. Vielleicht gibt es ausserhalb der Arbeit Möglichkeiten, sich wieder erfüllter und zufriedener zu fühlen.

Beobachter: Wann ist ein Jobwechsel tatsächlich die beste Lösung?
Reumiller: Spätestens wenn man merkt, dass die Unzufriedenheit zu Stresssymptomen wie Angstgefühlen, Schlaflosigkeit oder Depressionen führt. Und wenn man innerhalb des Jobs keine Möglichkeiten mehr sieht, die Lage zu verbessern.

Beobachter: Wie stellt man bei einem Jobwechsel sicher, dass man nicht vom Regen in die Traufe gerät?
Reumiller: Man sollte den Job nicht wechseln, ohne analysiert zu haben, was zur Unzufriedenheit geführt hat. Bei der Stellensuche kann man gezielt darauf achten, dass diese Faktoren nicht wieder eintreten. Man sollte sich also genau über den neuen Arbeitgeber informieren, bei Vorstellungsgesprächen Vorstellungsgespräch Was die alles wissen wollen! gut beobachten und nachfragen.

«32 % sind zufrieden im Job und möchten, dass alles so bleibt, wie es ist.»

Beobachter: Darf man in einem Bewerbungsgespräch über die ehrlichen Gründe Recht Du darfst lügen für den Jobwechsel sprechen?
Reumiller: Es ist in Vorstellungsgesprächen immer heikel, negative Punkte zur bisherigen Arbeit, zur Firma, zu Vorgesetzten oder Kollegen zu erwähnen. Damit wird oft der Eindruck erweckt, der Bewerber sei schwierig oder suche die neue Stelle nur aus einer Unzufriedenheit heraus, aber ohne wirkliche Motivation für die neue Stelle.

Beobachter: Wie argumentiert man besser?
Reumiller: Man sollte im Gespräch hervorheben, was einen wirklich für den neuen Job motiviert, was einem besonders wichtig ist. Wenn man etwa mit dem Vorgesetzten unzufrieden war, weil er schlecht kommuniziert hat, kann man erwähnen, dass einem eine offene, vertrauensvolle Kommunikation mit Vorgesetzten besonders wichtig ist.

Beobachter: Wie bringt man die Kündigungszeit Kündigung Was gilt bei Freistellung? versöhnlich zu Ende?
Reumiller: Es lohnt sich, nach vorn zu blicken, alte Geschichten abzuhaken und die letzten Wochen konstruktiv zu Ende zu bringen. Man kann sich so die Türen offen halten: Vielleicht ergibt sich in Zukunft plötzlich wieder eine interessante Option beim bisherigen Arbeitgeber.

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