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LehrlingeFrust in der Lehre - was tun?

Aller Anfang ist schwer: Was, wenn es in der Lehre nicht rund läuft? Tipps, damit es nicht zum Lehrabbruch kommt.

Ein Lehrling sollte nicht nur billige Arbeitskraft sein. Der Betrieb ist für die Ausbildung verantwortlich.
von aktualisiert am 23. März 2018

Wie man sich ins Team integriert

«Ich komme in ein bestehendes Team mit Erwach­senen. Sie kennen einander, mich aber nicht. Ich bin neu – und nicht die Nummer eins.»

«Der Umgangston ist manchmal rau, offensichtlich mögen sich nicht alle leiden.»

Gib dir Zeit, dich an die neue Situation zu gewöhnen und deinen Platz im Team zu finden.

  • Sei nicht überempfindlich und beziehe nicht alles auf dich, wenn es mal laut wird. Denk daran: Du bist hier, um etwas zu lernen. Die anderen sind nicht in erster Linie deine Kumpels, sondern deine Arbeitskollegen.
  • Gib dein Bestes: Beobachte, sei aufmerksam und fleissig und leiste so deinen Teil für ein gutes Betriebsklima.
  • Such dir Ansprechpartner, die auf der gleichen Wellenlänge sind – das erleichtert es heraus­zufinden, wie der Betrieb «funktioniert».
  • Frag nach, wenn dir etwas nicht klar ist – und das lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.
  • Achte auf deine Umgangsformen, sei freundlich und korrekt zu allen.

Was tun, wenn es schon kriselt?

«Ich habe ein dumpfes Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt.»

«Mir ist langweilig. Ich mache nur Routinearbeiten, immer dasselbe. Ich erhalte keine Ausbildung und Förderung, fühle mich als billige Arbeitskraft missbraucht. Der Chef kritisiert meine fehlende Motivation.»

«Ich bin überfordert. Mir wird nichts erklärt. Ich fühle mich fehl am Platz und denke mir, dass mich die anderen als hoffnungslosen Fall ansehen.»

Rede mit Freunden und den Eltern. Warte nicht zu lange damit.

  • Überleg dir, was gut ist in deiner Lehre und was sich ändern muss.
  • Wo liegt das Problem: Im Zwischenmenschlichen? Oder geht es um die Arbeit als solche?
  • Schreibe Vorschläge auf, wie die Situation verbessert werden könnte. Was muss der Betrieb dazu beitragen? Und vor allem: Was kannst du dazu beitragen?


Sprich mit deiner direkten Bezugsperson im Lehrbetrieb.

  • Es ist wichtig, dass du die Hierarchie im Betrieb einhältst. Wende dich deshalb nicht gleich an den obersten Chef, sondern zuerst an deinen Lehrlingsbetreuer.
  • Überfalle ihn nicht – vielleicht ist er mit dem Kopf gerade an einem ganz anderen Ort. Besser ist, einen Termin für das Gespräch zu vereinbaren und kurz zu umreissen, worum es geht. Das gibt auch dir selber Zeit, dich auf das Gespräch vorzubereiten.
  • Falls du wütend bist: Warte lieber noch einen Tag, bevor du das Gespräch suchst – allzu viele Emotionen sind schädlich für das gegenseitige Verständnis.
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Bist du unzufrieden mit deiner Lehre und denkst darüber nach, den Lehrvertrag zu kündigen? Oder hat dein Lehrmeister kurzerhand entschlossen, deine Probezeit zu verlängern? Auf Guider findest du als Mitglied Antworten zu deinen Rechten und Pflichten als Lehrling.

Wenn sich die Fronten verhärten

«Meine Situation hat sich nicht verändert. Im Gegenteil: Der Lehrmeister meckert ständig an mir herum. Was auch immer schiefläuft im Betrieb – ich soll an allem schuld sein.»

Wende dich ans kantonale Berufs­bildungsamt

  • Schildere möglichst sachlich und anhand von konkreten Vorkommnissen deine Situation.
  • Lass dich informieren, welche rechtlichen Grundlagen es gibt, sich zu wehren.


Rede mit dem Chef

  • Wenn der Austausch mit deinem direkten Betreuer nichts gebracht hat, musst du in der internen Hierarchie eine Stufe höher: Jetzt ist der Chef dein Ansprechpartner.
  • Du kannst zum Gespräch jemanden vom Berufsbildungsamt und, falls du noch nicht volljährig bist, deine Eltern beiziehen.
  • Nimm Bezug auf die Abmachungen, die du zuvor mit dem Lehrlingsbetreuer getroffen hast.

Wenn es nicht mehr geht

«Es hilft alles nichts. So kann es nicht mehr weiter­gehen: Nachts kann ich nicht mehr schlafen, und im Job bin ich total unmotiviert. Der Lehrmeister schikaniert mich und wird auch laut dabei.»

Du überlegst dir, zu kündigen Kündigung Auch Stifte haben Rechte

  • Schmeiss die Lehre nicht vorschnell hin, denn ein sauberer Abgang ist wichtig, damit du nicht belastet in die Zukunft gehst.
  • Informiere dich auf dem Stellenmarkt: Findest du einen anderen Job? Oder einen anderen Betrieb, um die Lehre abzuschliessen?
  • Sei ehrlich mit dir: War deine Berufswahl richtig? Oder solltest du dir eine andere Richtung überlegen?


Dir wird gekündigt

  • Der Lehrvertrag ist ein befristeter Vertrag, der nicht normal gekündigt werden kann. Möglich ist eine fristlose Auflösung – entweder im gegenseitigen Einvernehmen oder wenn wichtige Gründe vorliegen, wenn zum Beispiel klar ist, dass die Lehre nicht erfolgreich zu Ende geführt werden kann, weil dem Lehrling die nötigen Voraussetzungen dafür fehlen oder wenn die lernende Person einen schweren Vertrauensbruch begangen hat. Die Auflösung des Lehrvertrags muss ausserdem vom kantonalen Amt für Berufsbildung genehmigt werden. Gegen eine ungerechtfertigte Vertragsauslösung kann man sich zur Wehr setzen. Lass dich auf jeden Fall rechtlich beraten.

So sprichst du mit deinem Lehrlingsbetreuer

  • Fall nicht gleich mit der Tür ins Haus: Beginne mit dem, was dir gefällt in der Ausbildung. Erst dann solltest du zum Problem kommen.
  • Rede immer nur von dir – Ich-Botschaften kommen besser an als Vorwürfe.
  • Bleib ruhig und anständig. Droh nicht gleich mit deinen Rechten, sondern versuche sachlich zu erklären, was dich stört.
  • Mach Verbesserungs­vorschläge – je konkreter, desto besser.
  • Versuche mit deinem Lehrlingsbetreuer konkret abzumachen, was sich verändern soll und bis wann. Vereinbare auf diesen Zeitpunkt hin ein weiteres Gespräch, um Bilanz zu ziehen.

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