«Wir investieren jeden Monat 6000 Franken»
Elin Meier weiss aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, jeden Rappen umdrehen zu müssen. Heute navigiert die 31-Jährige mit ihrem Mann sicher durch die Finanzen ihres Haushalts. Für die Beobachter-Serie legt das Ehepaar sein Budget offen.

Veröffentlicht am 5. August 2026 - 09:34 Uhr

Das Paar hat Jahreskarten für den Europapark und fährt sicher einmal im Monat dorthin. (Symbolbild)
Elin Meier, 31, und ihr Ehemann, 34, haben sich vor vier Jahren kennengelernt und sich vor einem Jahr eher spontan das Ja-Wort gegeben. Das Paar wohnt in der Nähe von Brugg AG in einem Einfamilienhaus.
Der berufliche Weg der beiden ist geprägt vom Ehrgeiz, sich stetig weiterzuentwickeln und aufzusteigen. Elin Meier, die in Wirklichkeit anders heisst, kam in der Kindheit aus Kroatien in die Schweiz. Nach dem frühen Tod ihres Vaters erlebte sie in ihrer Familie Armut. Sie startete mit einer Lehre als Fachfrau Gesundheit, arbeitete in Nachtschichten in der Pflege, holte die Matura nach und absolvierte ein Betriebswirtschaftsstudium. Heute arbeitet sie als Consultant und führt bei Unternehmen IT-Programme für das Zahlungsmanagement ein. Ihr Ehemann absolvierte eine Lehre als Automatiker, schloss einen Master in Robotik an der ETH Zürich ab und programmiert heute Roboter.
Die Abrechnung
In der Beobachter-Serie «Die Abrechnung» zeigen Menschen ihren Kontoauszug und erzählen, wie sie mit ihrem Budget leben. Wie viel Geld steht ihnen zur Verfügung? Wofür geben sie es aus?
«Die Abrechnung» wird präsentiert von smzh, dem unabhängigen Finanzdienstleister in den Themenfeldern Finanzen & Anlagen, Vorsorge & Versicherungen, Hypotheken & Immobilien sowie Steuern & Recht.

Weil Elin schon früh lernen musste, Verantwortung zu übernehmen, regelt sie noch heute die Finanzen und Behördengänge ihrer Mutter. Auch im eigenen Haushalt behält sie mit einer Excel-Tabelle stets den Überblick. Ihr technikbegeisterter Mann wiederum automatisiert in seiner Freizeit das Zuhause mit smarten Gadgets.
In der Beobachter-Serie «Die Abrechnung» zeigt Elin Meier ihren Kontoauszug und erzählt, wie ihr Mann und sie mit ihrem Budget leben. Wie viel Geld steht ihnen zur Verfügung? Wofür geben sie es aus?
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Einnahmen
Wir arbeiten beide Vollzeit. Ich verdiene netto 6800 Franken im Monat, wozu noch 600 Franken an Spesen für den ÖV und die Verpflegung kommen, da mein Arbeitsort Zürich ist, meine Kunden aber in der ganzen Schweiz verteilt sind. Mein Bonus von zuletzt 8500 Franken ist in meinem Lohn bereits eingerechnet.
Mein Mann verdient 10’300 Franken im Monat, ausbezahlt in zwölf Monatslöhnen.
Zusammen haben wir einen monatlichen Nettolohn von 17’700 Franken.
Ausgaben
Wohnen: Letztes Jahr sind wir zusammen in ein 5½-Zimmer-Haus gezogen mit 163 Quadratmeter Wohnfläche. Es gehörte zuvor dem Vater meines Mannes, weshalb er es dank eines Erbvorbezugs von 300’000 Franken übernehmen konnte. Geschätzt wird das Haus auf 1,2 Millionen Franken. Den Rest finanzieren wir über eine Hypothek. Die Hypothekarzinsen betragen monatlich 440 Franken.
Wir zahlen der Bank jährlich 8400 Franken zurück. Für die Amortisation unserer Resthypothek von 900’000 Franken nutzen wir verpfändete 3a-Konten. Jeder von uns zahlt dafür jährlich 4200 Franken ein. Dieses Vorgehen bringt uns nicht nur der Schuldenfreiheit näher, sondern bietet uns auch dieselben steuerlichen Vorteile wie eine gewöhnliche Säule 3a.
Für Nebenkosten wie Strom, Wasser und Heizung rechnen wir mit 5000 Franken pro Jahr. Noch einmal 5000 Franken legen wir jährlich für den Unterhalt und Reparaturen zurück. Wir haben bereits ein Badezimmer renoviert und für 50’000 Franken eine Solaranlage installiert, mit der wir im Sommer unseren Strombedarf komplett decken und unser Elektroauto laden. Die Wände haben wir selbst gestrichen und kaputte Küchengeräte ersetzt, was weitere 10’000 Franken kostete.
Telefon, Internet und Abos: Dafür geben wir 300 Franken im Monat aus. Das deckt das Abo für Internet und TV bei Sunrise, unsere beiden Handyabos, die Serafe-Gebühr sowie ein Abo bei Youtube Premium, worüber wir auch Musik hören.
Filme und Serien laden wir selbst herunter und verwalten sie über die kostenfreie Plattform Jellyfin. Wir möchten alternative Lösungen unterstützen und unsere Inhalte besitzen, anstatt sie bei Streamingdiensten wie Netflix lediglich zu mieten.
Versicherungen: An jährlichen Prämien zahlen wir 530 Franken für Hausrat und Haftpflicht, 230 Franken für den Rechtsschutz und 840 Franken für die Gebäudehaftpflichtversicherung, die unter anderem alle Arten von Wasserschäden abdeckt.
Gesundheit: Für unsere Grund- und Zusatzversicherungen bezahlen wir 866 Franken pro Monat. Wir haben beide die höchstmögliche Franchise gewählt.
Um für Selbstbehalte und Zahnarztkosten gewappnet zu sein, legen wir jährlich 6400 Franken auf die Seite. Anfang dieses Jahres hatte ich eine grössere Zahnbehandlung, die mich 4000 Franken kostete. Zudem gehen wir beide jedes Jahr in die Dentalhygiene.
Dazu kommen jährlich 150 Franken für die Gynäkologin und 250 Franken für die Optikerin für Linsen.
Mobilität: Ich bin meistens mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs und besitze ein 1.-Klasse-GA für jährlich 6520 Franken. Mein Mann nutzt für den Arbeitsweg primär das Auto. Für Zugfahrten hat er das Halbtax Plus. Er zahlt 2000 Franken ein und bekommt dafür nochmals 500 Franken Guthaben. Dazu kommen noch 170 Franken für das Halbtax-Abo.
Unser Auto, einen elektrischen Hyundai, haben wir vor zweieinhalb Jahren als Occasion für 40’000 Franken gekauft. Die Autoversicherung kostet uns 1100 Franken jährlich, die Motorfahrzeugsteuer 300 Franken. Für kleine Unterhaltsarbeiten und die jährliche Kontrolle in der Garage rechnen wir mit ungefähr 500 Franken im Jahr.
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Haushalt: Jeden Monat budgetieren wir etwa 1100 Franken für Lebensmittel, Putz- und Waschmittel. Da mein Mann wegen der Zusammenarbeit mit anderen Ländern oft erst spätabends nach Hause kommt, übernehme meistens ich das Einkaufen und das Kochen. An meinen drei Homeoffice-Tagen koche ich selbst. Wenn ich im Büro arbeite, bestellen wir oft etwas oder gehen auswärts essen.
Wir probieren, uns ausgewogen zu ernähren, und kochen gerne Rezepte aus der Fooby-App. Das klappt aber nicht immer: Manchmal siegt die Faulheit, dann greifen wir auf unseren Vorrat im Tiefkühler zurück und wärmen eine Tomatensugo oder eine Lasagne auf.
Für unsere vierjährige Katze, die wir von einer Kollegin bekommen haben, geben wir monatlich rund 250 Franken aus. Unter anderem für Katzenfutter und Katzenstreu.
Für Körperpflege, Kosmetik und Coiffeur fallen jährlich 400 Franken an. Ich schminke mich nicht und lasse mir lediglich zweimal im Jahr für 90 Franken pro Besuch die Spitzen schneiden. Den Haarschnitt meines Mannes übernehme ich.
Da ich ein anderes Sauberkeitsempfinden habe als mein Mann und grossen Wert auf ein gepflegtes Zuhause lege, haben wir Unterstützung im Haushalt. Ursprünglich wollten wir jeden Samstagmorgen gemeinsam putzen: er das Badezimmer, ich das restliche Haus. Da ich aber immer mehr geputzt habe und er immer weniger, kommt nun wöchentlich eine Reinigungskraft zu uns, was zirka 200 Franken pro Woche kostet.
Verpflegung ausser Haus: Ungefähr 1000 Franken pro Monat geben wir für auswärts essen aus. Wir gehen sicher zweimal pro Woche in ein Restaurant, zu zweit oder mit Freunden. Das sind meistens Restaurants mit Gerichten, die wir zu Hause nicht hinkriegen würden. Etwa asiatisch oder Cordon bleu.
Einmal im Jahr gönnen wir uns ein Erlebnis im Fine-Dining-Restaurant Eatrenalin im Europapark für 250 Franken pro Person.
Kleidung und Schuhe: Ich hasse Shoppen und zögere es so lange wie möglich hinaus. Kaputte Kleidung nähe ich meistens einfach wieder zusammen.
Wenn wir etwas brauchen, bestellen wir online, meist Basics wie T-Shirts in allen Farben. Wir tragen das ganze Jahr über Skechers-Schuhe. Wir tragen sie, bis sie auseinanderfallen.
Über den Daumen gerechnet geben wir monatlich rund 50 Franken für Kleidung aus.
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Freizeit: An den Wochenenden sind wir viel unterwegs oder laden Freunde zu uns ein, um gemeinsam zu kochen.
Im Keller haben wir ein Rudergerät, das 1000 Franken gekostet hat. Dort trainiere ich dreimal pro Woche und rudere jeweils während 30 Minuten fünf Kilometer. Für unsere Freizeitaktivitäten budgetieren wir ungefähr 200 Franken im Monat. Wir unternehmen gerne etwas mit Kollegen, spielen Minigolf, besuchen Kochkurse oder gehen ins Kino. Auch Festivals wie das Open Air Greenfield in Interlaken oder das Southside in Deutschland besuchen wir manchmal. Schliesslich haben wir uns auch an einem Konzert über gemeinsame Kollegen kennengelernt.
Ein weiterer Fixpunkt sind unsere Jahreskarten für den Europapark, die 250 Franken pro Person und Jahr kosten. Wir fahren sicher einmal im Monat hin und übernachten manchmal auch dort. Während mein Mann wegen der Bahnen geht – ihn fasziniert die Technik dahinter –, zieht es mich vor allem wegen des Essens dorthin.
Für Bücher gebe ich im Schnitt 10 Franken pro Monat aus. Ich kaufe mir etwa alle zwei Monate neuen Lesestoff, wie zuletzt den dystopischen Roman «The Handmaid’s Tale», oder ich tausche Bücher mit Freunden.
Ferien und Ausflüge: Unser Ferienbudget beläuft sich auf 5000 Franken im Jahr. In diesem Jahr waren wir für 3000 Franken in Kanada. Eine so grosse Reise planen wir jedes zweite Jahr. Als Nächstes möchten wir nach Island. Das andere Jahr reisen wir nach Kroatien, um meine Familie zu besuchen.
Winterferien gehören ebenfalls zum Programm. Für eine Woche Winterferien in Österreich geben wir für Unterkunft und Skibillett 2500 Franken aus.
Geschenke: Für Geschenke an Familie und Freunde rechnen wir mit 100 Franken im Monat.
Davon bezahle ich meinem Mann auch mal ein grösseres Geschenk, wie kürzlich einen 3D-Drucker oder ein Wellnesswochenende in Österreich. Da wir momentan auf viele Hochzeiten eingeladen sind, geben wir dort oft rund 300 Franken als Geschenk.
Verbandsbeiträge, Mitgliedschaften: Ich zahle 50 Franken pro Jahr für meine Alumni-Mitgliedschaft.
Zudem sind mein Mann und ich beide Gönner der Rega, was uns zusammen 80 Franken im Jahr kostet.
Altersvorsorge: Für die Altersvorsorge zahlen wir jährlich 6116 Franken in die Säule 3a ein. Das Geld ist zu 100 Prozent angelegt, was ich bereits seit drei Jahren so handhabe. Weitere 8400 Franken unserer Säule 3a gehen für die Amortisation der Hypothek drauf.
Mein Mann legt seine Säule 3a ebenfalls an. Weil die Bank wegen des Hauses jedoch eine zusätzliche Absicherung wollte, zahlen wir nun jährlich 1200 Franken als Prämie für eine Lebensversicherung in der Säule 3b.
Steuern: Laut Steuerrechner belaufen sich unsere Steuern dieses Jahr auf etwa 22’200 Franken, wobei die «Heiratsstrafe» rund 2000 Franken ausmacht.
Aber da wir erst seit letztem Jahr verheiratet sind und noch Renovationen abziehen können, haben wir als Ehepaar allerdings noch keine definitive Steuerrechnung erhalten.
Sparen und Vermögen: Auf meinem Sparkonto liegen als Puffer für Steuern oder grössere Ausgaben etwa 20’000 Franken. Ich investiere zudem jede Woche 500 Franken über Findependent.
Mein Mann wählt sein Depot selbst aus und investiert 4000 Franken im Monat. Er hat zusätzlich 40’000 Franken auf einem separaten Sparkonto.
Unser grösster Luxus
Ganz klar unser Haus und unser Hochzeitsfest für 13’000 Franken. Obwohl das viel Geld ist, war es eine verhältnismässig günstige Feier für 60 Personen. Kollegen fungierten als DJ und Traurednerin, die Dekoration haben wir selbst gemacht, und mein Secondhand-Brautkleid kostete lediglich 50 Franken.
So fühlen wir uns
Zum ersten Mal im Leben stehe ich finanziell gut da. Wir kommen sehr gut über die Runden, und über die täglichen Ausgaben muss ich mir keine grossen Gedanken mehr machen. Dennoch schwingt eine gewisse Angst mit: Wir wünschen uns Kinder, was bedeutet, dass wir unser Pensum reduzieren müssten und Kita-Kosten anfallen würden. Die Furcht, dadurch wieder in die finanzielle Unsicherheit meiner Jugend zurückzufallen, holt mich beim Kinderthema immer wieder ein.
Aufgezeichnet von Katrin Reichmuth.
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