«Armsein ist schon Strafe genug»
Wer eine ÖV-Busse nicht zahlen kann, riskiert in der Schweiz im schlimmsten Fall eine Gefängnisstrafe. Ein Verein will das mit einem Crowdfunding verhindern und löst damit in der Kommentarspalte eine Debatte aus. Diskutieren Sie mit!

Veröffentlicht am 15. Mai 2026 - 13:45 Uhr

Leserinnen und Leser diskutieren über Haftstrafen wegen nicht gezahlter ÖV-Bussen.
Jährlich landen in der Schweiz rund 5000 Menschen im Gefängnis, weil sie ÖV-Bussen nicht begleichen können. Der Verein Freiheitsentzugskritik Schweiz sammelt deshalb Geld, um Betroffene vor einer sogenannten Ersatzfreiheitsstrafe zu bewahren. Gleichzeitig fordert er, dass Reisen ohne gültiges Ticket entkriminalisiert wird.
In der Kommentarspalte unterscheiden viele Leserinnen und Leser klar zwischen Menschen, die absichtlich schwarzfahren, und solchen, die sich ein Ticket schlicht nicht leisten können.
Gemeinnützige Arbeit statt Haft
Leserin Caroline Alden hält Gefängnisstrafen in solchen Fällen für übertrieben. «Gemeinnützige Arbeit scheint mir hier eine gute Lösung.»
Janine Münger sieht das ähnlich. Es ergebe keinen Sinn, «mittellose Menschen noch ärmer zu machen und mit Gefängnis zu bestrafen». Sie plädiert ebenfalls für gemeinnützige Arbeit statt Haft und fordert günstigere ÖV-Angebote für Menschen mit wenig Geld.
Tirza Notter kritisiert, dass Menschen am Existenzminimum oft vor unmögliche Entscheidungen gestellt würden. Manche müssten sich zwischen einem ÖV-Ticket für einen wichtigen Termin und Essen für den Tag entscheiden.
«Das ist weder gerecht noch fair»
Leser Pius Graf hingegen verweist auf die finanziellen Schäden durch Schwarzfahren. Den ÖV-Unternehmen würden dadurch jährlich Millionen entgehen. «Das ist weder gerecht noch fair», schreibt er. Ehrliche Fahrgäste hätten ein Recht darauf, dass Regeln kontrolliert und durchgesetzt würden.
Auch Daniel Kronauer schreibt, dass «böswilliges Schwarzfahren» konsequent gebüsst werden sollte. Wer bewusst nicht zahle, obwohl er könnte, müsse mit Konsequenzen rechnen. Wer aber aus finanzieller Not kein Ticket bezahlen könne, solle nicht zusätzlich bestraft werden. «Armsein ist schon ‹Strafe› genug», kommentiert er. Gleichzeitig bringt er einen anderen Vorschlag ins Spiel: Der Staat könnte bei armutsbetroffenen Menschen die Kosten für den öffentlichen Verkehr teilweise übernehmen.
Sollten Menschen wegen nicht gezahlter ÖV-Bussen ins Gefängnis müssen? Oder braucht es andere Lösungen? Diskutieren Sie mit in der Kommentarspalte.
- Motion 25.3638 von Jessica Jaccoud: Ersatzfreiheitsstrafen. Für eine zielgerichtete Reform
- Freiheitsfonds Schweiz: Website mit Absichtserklärung




