Gewisse Dinge im Leben kann man bekanntlich nicht auswählen. Die Familie etwa, oder den Betrag auf der Steuerrechnung oder ob die Katze Flöhe hat. Bei Chefs, Automarken und Freunden ist man schon etwas selbstbestimmter. Und in einer ganz bestimmten Situation kann man dem Glück mit Erfahrung und Menschenkenntnis sehr einfach nachhelfen: beim Zugfahren.

Dort will ich vor allem eins: meinen Frieden. Natürlich freue ich mich, wenn ich zufällig Bekannte treffe, mit denen die Reise etwas kürzer wird (meistens jedenfalls). Aber ansonsten ist mir am wohlsten, wenn ich in Ruhe gelassen werde – und «Ruhe» meine ich hier durchaus akustisch. Mit einem Vierteljahrhundert Pendlererfahrung auf dem Buckel tigere ich deshalb jeweils mindestens zehn Minuten vor der Abfahrt auf dem Perron hin und her und halte nach Leuten Ausschau, mit denen ich ganz sicher nicht im selben Abteil sitzen will.

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Zu den No-Gos als Sitznachbarinnen und -nachbarn im ÖV gehören:

  • Frauenrunden, die auf der Rückreise von einer Weiterbildung über den Kursleiter lästern.
  • Männerrunden, die auf der Rückreise von einer Weiterbildung über die Kursleiterin lästern. Bei beiden Gruppen nimmt die Lautstärke im Verlauf der Reise zu und das Niveau ab.
  • Ältere Velofahrer, die sich lautstark über die Vor- und Nachteile von elektronischen Schaltungen bei Rennvelos im oberen Preissegment unterhalten. Lautstärke: siehe oben.
  • Schulklassen, deren Lehrperson beschlossen hat, doch nicht den Zug zu nehmen, in dem man einen ganzen Wagen reserviert gehabt hätte.
  • Jungspunde mit einem Rucksack, den sie bei einem Symposium an der HSG erhalten haben. Sie neigen überdurchschnittlich oft dazu, den Bahnwagen mit dem Büro zu verwechseln und ihre «Meetings» und «Calls» im Zug abzuhalten.

Es gibt praktisch nur ein todsicheres Mittel, um all diesen akustischen Störenfrieden auszuweichen: den Einzelsitzplatz, den es in – leider immer weniger – einstöckigen SBB-Wagen gleich beim Eingang gibt. Sie finden mich meistens dort. Und sollten Sie zu den oben genannten Personen gehören, bitte ich höflich darum, in Ruhe gelassen zu werden.

Was sind Ihre No-Gos im ÖV?

Döner essen, Fingernägel schneiden, lautstark telefonieren: Was nervt Sie beim Pendeln besonders? Teilen Sie ihre Meinung in der Kommentarspalte

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