Während die Politik hitzig darüber debattiert, ob man Teenagern Tiktok und Co. verbieten soll, geht die eigentlich verletzlichste Zielgruppe, die Kleinkinder, oft vergessen. Bei den Jüngsten steht die gesamte Hirnentwicklung auf dem Spiel. Zu viel Bildschirmzeit in den ersten Lebensjahren stört das neuronale Wachstum. Das Marie-Meierhofer-Institut für das Kind (MMI) zeigt mit neuen Empfehlungen zur Bildschirmnutzung in der frühen Kindheit, worauf Eltern bei der Nutzung von digitalen Medien durch Kleinkinder achten müssen.

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Die Empfehlungen auf einen Blick

Bei Jugendlichen geht es vor allem darum, wie sie digitale Räume selbständig nutzen. Bei kleinen Kindern hingegen, ob Bildschirmmedien wichtige reale und beziehungsbasierte Erfahrungen verdrängen – also Sprache, Bewegung, Spiel, Nähe, Regulation, gemeinsames Entdecken oder die Frage, wie man mit grossen Gefühlen umgeht. «In der frühen Kindheit werden Kompetenzen fürs Leben aufgebaut. Eine gute Medienbegleitung in dieser Phase kann im besten Fall auch erste Grundlagen für einen später kompetenten Umgang mit Bildschirmmedien schaffen», sagt Entwicklungspsychologin Patricia Lannen, die das MMI leitet.

Denn die Verlockung ist riesig: Das Kind quengelt, die Eltern sind am Anschlag, und das Smartphone beruhigt so wunderbar schnell. Doch die Realität ist ernüchternd. Kinder unter anderthalb Jahren sollten im Idealfall überhaupt keine Zeit vor Bildschirmen verbringen. Ihre Aufmerksamkeitsspanne ist noch winzig und das Gehirn schlicht nicht reif genug, um zweidimensionale Bilder zu begreifen. Bis zum Schuleintritt gilt die Regel: maximal eine Stunde Medienzeit pro Tag. Noch wichtiger ist es jedoch, den Alltag so zu organisieren, dass es bildschirmfreie Zeiten gibt.

Rituale tun gut

Feste Strukturen sind für Kinder sehr wichtig. Dazu gehört auch, Bildschirme spätestens eine Stunde vor dem Schlafen auszuschalten. Medien sollten niemals als digitaler Babysitter beim Essen oder als Beruhigungspille bei Trotzanfällen eingesetzt werden. Wer auf Wutausbrüche mit Youtube reagiert, riskiert, dass das Kind nicht lernt, mit starken Gefühlen oder dem eigenen Sättigungsgefühl umzugehen. Digitale Medien sollten das freie Spiel, die Bewegung und das Toben draussen gezielt ergänzen und niemals verdrängen.

Beratung mit Chatbot

Zudem wichtig: «Kleine Kinder verstehen Medieninhalte noch nicht wie ältere Kinder oder Erwachsene. Sie brauchen Bezugspersonen, die erklären, benennen, einordnen und merken, wenn etwas überfordert», sagt Psychologin Patricia Lannen vom MMI.

Entscheidend sei, sich dabei als Bezugsperson mit dem Kind auszutauschen: Was sehen wir? Was passiert da? Kennen wir das aus unserem Alltag? Können wir es nachspielen oder weitererzählen? So können digitale Inhalte mit realen Erfahrungen verbunden werden. Genau in dieser Verbindung liege der entwicklungspsychologische Wert.

Diskutieren Sie mit!

Wie läuft das bei Ihnen zu Hause? In welchen Situationen rettet Ihnen der Bildschirm den Alltag? Welche Regeln funktionieren bei Ihren Kindern – und wo stossen Sie an Grenzen? Diskutieren Sie mit uns in der Kommentarspalte.

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