Prompt mich doch! So unterstützt Sie KI im Alltag
Künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Suche im Internet. Sie kann auch bei ganz alltäglichen Problemen helfen. Der Beobachter zeigt, wie Sie die besten Ergebnisse erzielen.

Wer den Chatbot mit guten Prompts füttert, kann nützliche Informationen erhalten.
Selbst wer noch klassisch googelt, erhält immer öfter Antworten einer künstlichen Intelligenz. Die Erkenntnisse aus unzählig vielen Fundstellen präsentiert die KI an erster Stelle in einem einfachen Text. KI-Tools wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity werden so zu persönlichen Assistenten. Sie schreiben Briefe, planen Ferien oder beraten bei Finanzen. Doch wer sie nutzt, sollte auch ihre Grenzen kennen.
KI liefert zwar immer plausible Antworten. Es sind aber nicht immer die richtigen. Ein aktuelles Beispiel: Kürzlich verbreitete sich im Netz die falsche Behauptung, eine Schweizer Journalistin sei Mutter der Kinder eines deutschen Rappers, nur weil sie ihn einst interviewt hatte. Solche Halluzinationen entstehen, weil Sprachmodelle – sogenannte Large Language Models (LLM) – Texte nicht durch Denken, sondern durch Wahrscheinlichkeiten erzeugen. Sie berechnen, welches Wort statistisch am ehesten folgt – nicht, was inhaltlich stimmt.
Künstliche Intelligenz denkt nicht
Wenn Sie einen Satzanfang eingeben, wie: «Heute scheint die …», dann «denkt» die KI also nicht ans Wetter. Stattdessen berechnet sie: Welches Wort kam in den Milliarden von Texten, die sie gelesen hat, am häufigsten nach «Heute scheint die …»? Mit höchster Wahrscheinlichkeit: «Sonne».
Im Umgang mit der KI sollte man sich merken: Sie kombiniert, sie denkt nicht. Eine KI weiss, was man typischerweise sagt, aber nicht, warum. Wenn die KI die Antwort nicht in ihren Mustern findet, erfindet sie eine Antwort, die plausibel klingt. Sie lügt nicht absichtlich, sie füllt einfach die statistische Lücke. Um falsche oder unbrauchbare Antworten einer KI zu verhindern, helfen zwei Fähigkeiten:
- Stellen Sie Ihre Fragen oder Aufgaben möglichst präzise als sogenannte Prompts. Als Prompt bezeichnet man die Aufforderung an die KI, einen Auftrag zu erfüllen. Worauf zu achten ist, erfahren Sie in der Checkliste weiter unten.
- Überprüfen Sie KI-Antworten auch in den angegebenen Quellen. Alle etablierten KI-Suchmaschinen deklarieren ihre Fundstellen. Schauen Sie nach, ob die Links tatsächlich existieren und sich die Aussagen dort auch finden lassen.
Weil KI Fragen und Antworten für weitere Trainings verwendet, sollten die Modelle nicht mit vertraulichen Informationen gefüttert werden. Kurz: Alles, was man nicht auf einem öffentlichen Aushang lesen will, gehört auch nicht in ein LLM: also keine personenbezogenen Daten wie Adressen, Zugangscodes, Patienteninformationen, Unternehmensgeheimnisse oder Kundendaten.
Checkliste: Erfolgreich prompten
Richtig eingesetzt, kann KI Zeit sparen und Inspiration liefern. Der Beobachter zeigt an vier Beispielen, wie Sie mit guten Prompts gute Resultate erzielen:
1. Die Ferien planen
Prompt: Du bist ein Ferienplaner für eine mittelständische Kundschaft, spezialisiert auf Städtereisen in Frankreich. Plane und buche für ein Paar, beide Anfang 60, eine 3-tägige Reise nach Paris vom 6. bis 8. Februar; inklusive Hin- und Rückreise, Hotelübernachtung, Sight-Seeing-Programm und Restaurantbesuche (am Abend). Das Gesamtbudget beträgt 1500 Franken. Das Paar bevorzugt Mittelklassehotels, zentral gelegen. Es kennt Paris schon von zwei, drei Besuchen, die allerdings schon etwas länger her sind.
Die KI (Gemini) erstellt einen kompletten Reiseplan mit dem Datum (Winter) und einem entsprechend Ihrer Erfahrungen (Eiffelturm und Notre-Dame sind nicht mehr gefragt) angepassten Programm: passende Zugverbindungen, Vorschläge für Hotels, Spaziergänge, Museumsbesuche und Restaurants, dazu für jeden Posten den ungefähren Preis. Auch Links für Tischreservierungen in bestimmten Restaurants findet sie. Für eine noch präzisere Planung gibt es auch spezialisierte Reisetools auf KI-Basis, wie Wonderplan, Iplan.ai, Trip Planner AI und Ask Layla. Sie funktionieren nach dem gleichen (Prompt-)Prinzip.
Noch können ChatGPT und Co. keine Zahlungen tätigen. Hotels, Bahn und Eintritte muss man also weiterhin selbst buchen. Das soll sich aber ändern. Google hat im November verkündet, dass in den USA mit KI bereits Plätze in Restaurants reserviert und Museumseintritte gebucht werden können. Bald soll das auch für Flüge und Hotels möglich sein.
2. Einen Brief verfassen
Prompt: Du bist ein Experte für Konsumentenschutz. Bitte schreibe eine formelle Beschwerde-E-Mail an den Amazon-Kundenservice. Die Situation: Mir wurde Geld für eine Bestellung abgebucht, die ich nicht getätigt habe. Ich vermute einen unbefugten Zugriff oder einen Fehler. Meine Daten: Datum der Abbuchung: 4. Januar 2026. Betrag: Fr. 48.50. Bestellnummer: 123456. Mein Ziel: Ich fordere eine sofortige Rückerstattung des Betrages und eine Überprüfung, ob mein Konto sicher ist. Tonfall: Schreibe bestimmt und sachlich, aber bleib höflich. Bitte nenne keine Paragrafen, sondern halte es verständlich.
KI-Sprachmodelle sind Formulier-Profis. Mit dem obigen Prompt erstellt das Tool einen klar strukturierten Brief, der fordernd, aber höflich daherkommt. Wichtig ist: Die KI nimmt 90 Prozent der Arbeit ab, für die letzten 10 Prozent aber muss der Mensch ran. Anwender müssen prüfen, ob das Geschriebene wirklich stimmt und dem entspricht, was man will. Ist dies nicht der Fall, kann man mit der KI chatten wie mit einem Menschen (im Wissen, dass sie keiner ist): Kürze! Schreib etwas höflicher! Füge noch an, dass ich die Kreditkarte bereits gesperrt habe!
3. Geld anlegen
Prompt: Du bist eine erfahrene Anlageberaterin. Erstelle ein Portfolio für eine 50-jährige, alleinstehende Schweizerin, die 50’000 Franken geerbt hat. Der Betrag macht ihr gesamtes Vermögen aus, das sie im Alter zur Aufbesserung der AHV- und PK-Rente verwenden möchte. Die Frau will das Geld darum sicher anlegen, aber auch eine angemessene Rendite erwirtschaften.
ChatGPT, Perplexity und Gemini liefern Antworten, die auch den Einschätzungen vieler Anlageberater entsprechen. Die «100 minus Alter»-Regel für den maximalen Anteil diversifizierter Aktien (in Form von ETF oder Indexfonds) wird eingehalten, aus Sicherheitsgründen sogar unterschritten. Hinzu kommen 45 Prozent Anleihen, bis zu 15 Prozent Gold – was eher hoch ist – und etwas Cash. Auf stark schwankende Kryptowährungen wird verzichtet. Die konkret vorgeschlagenen ETF sind breit gestreut. Zudem wird darauf geachtet, Tech- und US-Titel nicht zu stark zu gewichten. Es lohnt sich, mehrere KI-Modelle auszuprobieren – und vor einem Entscheid eine Fachperson beizuziehen.
Eine neue Studie der Universität St. Gallen zeigt nämlich: KI liefert mitunter risikoreiche Empfehlungen. Die Forschenden verglichen sie mit einem globalen Indexfonds. Fazit: Die KI-Modelle bevorzugten US-Unternehmen, tendierten zu einer Technologie- und Konsumlastigkeit, vernachlässigten jedoch Sektoren wie Transport oder Dienstleistungen, die das Risiko ausgleichen könnten. Zudem standen oft «heisse Aktien» im Fokus, die zuletzt stark gehandelt wurden – ein «Buy what’s hot»-Ansatz, der oft nicht nachhaltig ist. Auch die Gesamtkostenquoten der empfohlenen Portfolios waren höher als beim Benchmark.
4. Eine Therapie vorschlagen
Prompt: Du bist eine erfahrene Sportmedizinerin. Stelle mir ein Therapieprogramm gegen eine entzündete Achillessehne zusammen. Der 40-jährige Patient will bald wieder joggen können. Auf rezeptpflichtige Medikamente möchte er verzichten. Stelle das Programm in einer Liste mit täglichen Massnahmen und Übungen dar.
Die KI Perplexity und ChatGPT erstellen strukturierte 6‑ bis 12‑Wochen‑Pläne: Schonung, Kühlung, Dehnung, Aufbautraining. Die Sehne soll entlastet und gestärkt werden – ohne rezeptpflichtige Medikamente. Die Pläne orientieren sich an sportmedizinischen Leitlinien und nennen verlässliche Quellen. Trotzdem kann es sinnvoll sein, Übungen unter Anleitung eines Physiotherapeuten durchzuführen, um Fehlbelastungen zu vermeiden.
Für eigene medizinische Diagnosen sind KI-Sprachmodelle dagegen ungeeignet. Eine Studie aus der Notfallmedizin zeigte, dass KI‑unterstützte Diagnosen ähnlich häufig fehlerhaft sind wie menschliche. Ein Grund: Die Algorithmen erfassen keine individuellen Symptome. KI kann zwar unterstützen, aber keine ärztliche Untersuchung ersetzen. Um Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen zu verhindern, sollte man sich bei schweren, unklaren und komplexen Beschwerden immer von einer erfahrenen Ärztin untersuchen lassen.
Was sind Ihre Erfahrungen mit KI im Alltag? Haben Sie hilfreiche Antworten erhalten – oder vor allem Stuss? Teilen Sie es uns mit in den Kommentaren!
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