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MediationKonflikte konstruktiv beenden

Mediation? Auch schon gehört. Doch wie funktioniert diese Methode zur Konfliktlösung genau? Und in welchen Situationen bietet sie sich an?

Mediation ist ein aussergerichtliches Verfahren zur Behebung eines Konflikts. Sie ist vertraulich und freiwillig.
Von aktualisiert am 19. März 2018

Was ist Mediation?

Mediation ist ein aussergerichtliches Verfahren zur Behebung eines Konflikts. Sie ist vertraulich und freiwillig. Eine neutrale Drittperson – die Mediatorin oder der Mediator – leitet die Gespräche und schafft einen Rahmen, der es den Kontrahenten ermöglicht, eine für beide Seiten faire Lösung zu finden. Die Verantwortung für diese Lösung liegt bei den Parteien selber. Es geht nicht um Schuld und Unschuld, sondern um die Interessen und Beweggründe der beteiligten Personen. Ziel ist eine Vereinbarung, die schriftlich festgehalten wird.

Jeder kennt ihn, den «Konflikt». Er entsteht zu Hause, in der Familie, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft. Unterschiedliche Ansichten prallen aufeinander, sind unvereinbar – oder scheinen es zumindest zu sein. Viele dieser Zerwürfnisse lösen die Beteiligten selbst. Doch es gibt Konflikte, bei denen man ohne Unterstützung nicht weiterkommt. Was dann? Die einen resignieren und ziehen sich zurück, die anderen bekämpfen sich weiter, oft bis vor Gericht. Doch der Konflikt bleibt bestehen. Das kostet Zeit, Geld und Nerven.

Dabei gibt es eine vielversprechende Alternative zur Konfliktlösung – die Mediation. Die wachsende Bedeutung dieser Methode hat dazu geführt, dass sie in der seit 2011 gültigen neuen Zivilprozessordnung (ZPO) gesetzlich verankert wurde: Anstelle des obligatorischen Schlichtungsverfahrens, das einem Gerichtsverfahren vorausgeht, oder auch während eines laufenden Gerichtsverfahrens können die zerstrittenen Parteien eine Mediation durchführen.

Am besten ist es aber, man lässt es gar nicht erst zu gerichtlichen Schritten kommen, sondern entschliesst sich im Konfliktfall aus eigenem Antrieb zu einer Mediation.

Was ist Mediation nicht?

Sie ist keine psychologische Beratung. Auch geht es nicht um eine anwaltschaftliche Vertretung. Der Mediator ergreift nicht Partei und fällt auch keine Entscheide für die am Konflikt beteiligten Personen.

In welchen Fällen eignet sich eine Mediation?

Verbreitet ist die Mediation in schwierigen Trennungs- oder Scheidungssituationen. Helfen kann sie auch bei Konflikten während der Ehe, bei Erbstreitigkeiten, bei Auseinandersetzungen in der Schule, am Arbeitsplatz, unter Nachbarn, in der Politik und im Wirtschaftsleben. Sind Misshandlungen oder körperliche Gewalt im Spiel, ist eine Mediation in der Regel fehl am Platz. Ebenso bei einem starken Machtgefälle zwischen den Streithähnen oder bei psychischer Erkrankung einer Partei.

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Eine Mediation hat gegenüber einem gewöhnlichen Gerichtsverfahren einige Vorteile. Mitglieder von Guider erfahren, wie eine Mediation bei verhärteten Fronten zwischen Erben helfen kann und wie Ehepaare bei einer Scheidung zu einer Lösung finden. Ebenso kann die Mediation dazu führen, eine aussergerichtliche Einigung bei Arbeitskonflikten wie Mobbing zu erreichen.

Zu welchem Zeitpunkt macht sie Sinn?

Wenn die Gespräche zwischen den Parteien nicht mehr möglich sind oder das Problem nicht behoben wurde, kann eine Mediation helfen. Setzt man die Mediation früh ein, kann ein Streit effizient und nachhaltig gelöst werden – es sollte also möglichst rasch eine Fachperson beigezogen werden.

Wann gelingt eine Mediation?

Zentral ist der Wunsch und die Absicht aller Beteiligten, sich mit dem Konflikt und seinen Ursachen tatsächlich auseinanderzusetzen. Hierfür braucht es die Hoffnung auf Fairness und den Mut, sich auf die Mediation einzulassen.

Welche Regeln gelten?

Der Inhalt einer Mediation ist vertraulich. Daher können Aussagen aus einem Mediationsverfahren in einem eventuellen späteren Gerichtsverfahren nicht verwendet werden. Wichtig ist, dass die Parteien ehrlich kommunizieren, denn nur wenn alle Informationen offenliegen, kann eine faire Lösung erarbeitet werden. Ferner sollen sie einander beim Reden nicht unterbrechen und sich nicht beschimpfen.

Die Mediation ist freiwillig, das heisst, sie kann jederzeit abgebrochen werden, wenn keine ­Forschritte erzielt werden.

Was sind die Vorteile gegenüber einem Gerichtsverfahren?

Eine Mediation ist schneller und kostengünstiger als ein Gerichtsverfahren. Sie findet im privaten Rahmen statt. Daher stehen nicht rechtliche Positionen im Vordergrund, sondern persönliche Anliegen. Die Parteien wählen die Vermittlungsperson und bestimmen die Lösung selbst. Einigen sich die Parteien in einer Mediation, gewinnen beide. Urteilt hingegen ein Richter, gibt es einen Sieger und einen Verlierer, und es drohen weitere Konflikte.

Was kostet eine Mediation?

Abgerechnet wird nach Aufwand. Der Stundenansatz eines Mediators beträgt in der Regel 180 bis 400 Franken. Mediatoren mit ­juristischem Grundberuf sind teurer als solche, die aus einem psychosozialen Umfeld stammen. Angeboten werden auch Co-Mediationen: Geleitet wird das Verfahren dann von zwei Fachpersonen meist unterschiedlichen Geschlechts und beruflichen Hintergrunds. Das wirkt sich auf den Preis aus, hat aber gerade in komplexen Fällen Vorteile – vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei.

Die Aufteilung der Kosten wird im Voraus ausgehandelt, meist übernehmen die Parteien ­diese je zur Hälfte.

Wer eine Rechtsschutzversicherung hat, sollte vorher abklären, ob sie die Kosten übernimmt. Fehlen die finanziellen Mittel, kann im Zusammenhang mit einem gerichtlichen Verfahren gar ­eine unentgeltliche Mediation beantragt werden. Ein Rechtsstreit mit ­Anwälten vor Gericht ist oft sehr viel teurer als eine Mediation.

Wie lange dauert das Verfahren?

Die Dauer hängt von der Komplexität des Konflikts und von der Verhandlungsbereitschaft der Parteien ab. In den meisten Fällen reichen erfahrungsgemäss zwei bis acht Sitzungen.

Wie findet man einen Mediator?

Die Berufsbezeichnung Mediator ist nicht geschützt. Daher sollte bei der Wahl auf die Zertifikation der Fachleute geachtet werden. Der Schweizerische Dachverband Mediation (SDM) hat die Anforderungen an die Ausbildung und die Pflicht zu regelmäs­siger Weiterbildung geregelt. Wer sie ­erfüllt, kann sich vom Verband zertifizieren lassen und sich «Mediator/-in SDM-FSM» nennen; ein entsprechendes Verzeichnis mit 700 Adressen ­findet sich auf der Website des SDM. Weitere zertifizierte Fachtitel sind etwa «Familienmediator SVM», «Mediator SAV» oder «Mediator SKWM».

Daneben muss aber auch das Bauchgefühl stimmen: Wer sich nach einem ersten Gespräch eine Zusammenarbeit nicht vorstellen kann, sollte absagen. Und wer unsicher ist, ob Mediation das Richtige ist, kann sich beim SDM kostenlos beraten lassen.

Ein Fall zur Veranschaulichung

Die Geschwister Peter und Sonja, beide um die 40, streiten sich um das Erbe ihrer Eltern: Der grösste Konfliktpunkt ist das leerstehende Elternhaus, das beide für sich beanspruchen. Seit dem Tod der Mutter reden die Geschwister deswegen kaum mehr miteinander, und wenn doch, dann wird es schnell laut. Sonja denkt bereits an rechtliche Schritte, als sie von Freunden auf die Möglichkeit einer Mediation hingewiesen wird. Dies schlägt sie Peter vor, und der willigt ein, weil er auf eine baldige Lösung hofft und gleichzeitig befürchtet, andernfalls in einen jahrelangen und teuren Rechtsstreit vor Gericht ver­wickelt zu werden.

Die richtigen Fragen stellen
Während der Mediation hören die beiden zum ersten Mal, weshalb genau der andere das Haus unbedingt haben will: Sonja möchte es, damit sie es nach ihren Ideen, die sie schon lange mit sich herumträgt, umbauen kann. Sie ist Architektin und will nicht immer nur nach den Wünschen ihrer Kunden arbeiten. Peter seinerseits ­erklärt, dass er eine Familie gründen wolle und sich ein neues Einfamilienhaus nicht leisten könne. Die Mediatorin hakt nach, und beide nennen weitere Beweggründe, weshalb ihnen das Haus so wichtig ist. Damit wächst das gegenseitige Verständnis der Geschwister.

Im weiteren Verlauf der Mediation entlockt die ­Mediatorin den Geschwistern durch gezielte Fragen eine ganze Reihe von Lösungsmöglichkeiten – auch ungewöhnliche. Am Schluss liegt eine gemeinsam erarbeitete Lösung auf dem Tisch, die beiden Geschwistern passt: Sonja übernimmt das Haus zu ­Eigentum und baut es auf eigene Kosten um. Ihr ­Bruder Peter darf im Haus wohnen und erhält einen langjährigen Mietvertrag. Sein Erbteil wird mit der Miete verrechnet. Zudem erhält er ein Vorkaufsrecht auf das Haus.

Mediationsverfahren: So funktioniert es

 

  • Erstgespräch
    Der Mediator ­erläutert seine Rolle, die Möglichkeiten und Grenzen der ­Mediation sowie deren Ablauf. Es werden Regeln für die ­Gespräche festgelegt. Ferner werden Rahmenbedingungen wie Honorar, Dauer und Ort der Durchführung geklärt. Diese ­Abmachungen werden in einem Mediations­vertrag schriftlich festgehalten.
     
  • Themensammlung
    Es werden die Konfliktthemen gesammelt, die in der Mediation geregelt werden sollen. Die Parteien entscheiden gemeinsam, welche Punkte zuerst behandelt werden. Danach kann mit der eigentlichen Bearbeitung des Konflikts begonnen werden.
     
  • Interessen
    In dieser Phase werden die Interessen und ­Beweggründe der Parteien ­geklärt. Worum geht es jeder Partei? Was ist ihr wichtig? ­Weshalb vertritt sie ihren Standpunkt? Es geht darum, die ­Beweggründe des Gegenübers zu verstehen.
     
  • Optionen
    Die Parteien ­suchen nach möglichst vielen unterschiedlichen Lösungsmöglichkeiten. Erst eine grosse Auswahl er­­möglicht eine gute Lösung.
     
  • Verhandeln
    In einem ersten Schritt macht jede Partei der ­anderen Angebote. Der Mediator sammelt diese. Anschliessend verhandeln die Parteien über die einzelnen Angebote.
     
  • Vereinbaren
    Es werden vorläufige und/oder endgültige ­Vereinbarungen getroffen. Jede Partei prüft, ob sie das Ergebnis haltbar und fair empfindet. Wenn dem so ist, unterzeichnen die Konfliktparteien die vom ­Mediator schriftlich aufgesetzte Vereinbarung.

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