Der Morgen nach einer verschneiten Nacht - wunderschön anzusehen, im Alltag aber auch eine Gefahr: Trottoirs und Strassen sind zwar meist geräumt, nicht jedoch der Weg vom Haus zur Strasse. Dann nerven sich die Mieter über den Hauswart Mietrecht Fauler Hauswart - was kann ich tun? oder den Vermieter, und der Stockwerkeigentümer hat das Gefühl, fürs Schaufeln und Salzen sei ja eigentlich der Nachbar zuständig. Nur ein Blick ins Gesetzbuch, ins Stockwerkeigentümerreglement, in den Mietvertrag oder in die Hausordnung kann Klarheit über die Gretchenfrage schaffen: Wer muss zur Schaufel greifen?

Mieter

Sie sind nur dann für die Schneeräumung zuständig, wenn dies im Mietvertrag auch explizit so vereinbart ist. Gleiches gilt, wenn sich die Pflicht aus der Hausordnung ergibt. Die Hausordnung muss in diesem Fall aber im Mietvertrag als «integrierender Bestandteil» bezeichnet sein.

Ansonsten ist es am Vermieter, für einen gefahrlosen Zugang zum Haus zu sorgen. Er muss auch die Kosten für die Schneeräumung berappen, es sei denn, er hätte sie im Mietvertrag bei den Nebenkosten aufgeführt. Eine Ausnahme stellen vermietete Parkplätze dar: Der Mieter hat seinen Autoabstellplatz selber von Schnee und Eis zu befreien.

Ein Spezialfall ist ebenfalls das gemietete Einfamilienhaus – hier gehört das Schneeschippen immer zu den Pflichten des Mieters. Auch für die entsprechenden Geräte muss er selber aufkommen.

3 Tipps: Schnee schaufeln

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Muss ich als Mieter selber zur Schaufel greifen, wenn der Vermieter nicht räumt? Unsere 3 Tipps dazu.

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Stockwerkeigentümer

Für die Schneeräumung zuständig ist die Gemeinschaft der Stockwerkeigentümer. Ist diese Aufgabe weder im Reglement noch in der Hausordnung näher geregelt, empfiehlt es sich, dafür entweder jemanden zu engagieren oder einen «Ämtliplan» zu erstellen. Am besten wird der Aufwand in einem Protokoll festgehalten, so dass die Arbeit längerfristig gerecht verteilt werden kann. Dass immer derjenige, der zuerst das Haus verlässt, zur Schaufel greifen soll, ist überhaupt keine gute Idee – dann wird es zu oft denselben treffen.

Wegrecht

Ist im Grundbuch ein Wegrecht eingetragen, hat nicht etwa der Eigentümer von Grund und Boden für den Unterhalt und damit für die Schneeräumung zu sorgen, sondern der Berechtigte. Eine Aufteilung der Unterhaltsarbeiten und -kosten ist nur dann möglich, wenn der mit dem Wegrecht belastete Grundeigentümer den Weg ebenfalls benützt. Eine entsprechende Regelung wird mit Vorteil in einem sogenannten Dienstbarkeitsvertrag festgehalten.

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Hausdach

Gefahren gehen nicht nur von vereisten Treppen und Wegen aus, sondern auch vom Schnee auf Hausdächern. Herunterfallende Dachlawinen und Eiszapfen können Menschen und Tiere verletzen. Daher müssen auch die Dächer – im Rahmen des Zumutbaren – unterhalten werden. Das Dach sollte auf der Strassenseite mit Schneefängern ausgerüstet sein. Gut zu wissen: Bei Mehrfamilienhäusern kann der Vermieter die Pflicht zur Beseitigung von Schneemassen auf dem Dach nicht auf die Mieter überwälzen.

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Mehr zum Winterdienst bei Guider

Bei ungenügendem Winterdienst, der einen Unfall zur Folge hat, stellt sich schnell die Frage nach der Haftung und wer eigentlich für den Unterhalt zuständig ist. Guider gibt hierzu Antworten.

Umfang

Wann der Schnee geräumt sein muss, hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab. Normalerweise beschränkt sich die Räumungspflicht auf die Zeit des häufigsten Fussgängerverkehrs, also von 7 Uhr morgens bis etwa 21 Uhr. Wer am Morgen ganz früh raus muss oder spät in der Nacht heimkommt, darf also nicht mit gepfadeten Wegen rechnen.

Wohin damit?

Keinesfalls darf der Schnee auf öffentliche Strassen und Trottoirs oder sogar aufs Nachbargrundstück geschaufelt werden. Das gilt umgekehrt natürlich auch für den Strassendienst der Gemeinde: Auch dieser darf die weisse Pracht nicht auf private Grundstücke schieben, ausser es handelt sich um einen Notfall und es besteht ein überwiegendes öffentliches Interesse.

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Haftung

Verletzt sich jemand, weil er infolge mangelhafter Schneeräumung unglücklich stürzt, haftet grundsätzlich der Eigentümer von Grund und Boden für den Schaden. Ist ein Dritter – zum Beispiel der Hauswart oder ein Mieter – für den Winterdienst zuständig, kann der Eigentümer diesen zur Haftung ziehen. Von Fussgängern wird aber erwartet, dass sie sich im Winter entsprechend vorsichtig verhalten. Die Unfallgefahr minimieren kann nebst regelmässigem Winterdienst zum Beispiel auch ein Handlauf oder ein Geländer. Lohnenswert ist ferner der Abschluss einer Privat- oder Gebäudehaftpflichtversicherung .

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Probleme

Kommt es trotz allen Regelungen zum Konflikt, sollten sich die Streithähne ans Naheliegendste halten – was jedoch oft unterlassen wird: nämlich das Gespräch suchen. Nützt das nichts, kann schriftlich nachgedoppelt werden. Kommt der Vermieter seinen Verpflichtungen nicht nach, haben Mieter gar Anspruch auf eine angemessene Mietzinsreduktion. Bei Bedarf können sie sich auch kostenlos an die Schlichtungsbehörde Mietstreitigkeiten Wie läuft ein Schlichtungsverfahren ab? wenden.

Stockwerkeigentümer tun gut daran, den Verwalter als Vermittler einzuschalten Stockwerkeigentum Umsichtig schalten und verwalten . Hilft alles nichts, sollte man trotzdem nicht gleich an gerichtliche Schritte denken. Besser ist es, vorab einen Mediator einzuschalten, um eine Eskalation zu verhindern. Schliesslich dauern die nachbarschaftlichen Beziehungen ja an, auch wenn der Schnee längst geschmolzen sein wird.

Häufige Fragen zum Schneeräumen

Unser Nachbar schiebt den Schnee einfach zu unserer Strasseneinfahrt. Was kann ich dagegen tun?

Sofern der Schnee auf Ihr Grundstück geräumt wird, könnten Sie – in rechtlicher Hinsicht – Ihren Nachbarn auf Unterlassung verklagen. Denkbar wäre auch eine Klage auf Schadenersatz für die Aufwendungen, die Ihnen durch das Wegräumen seines Schnees entstanden sind. Das wäre ein Zivilprozess mit entsprechendem Prozess- und Kostenrisiko. Darum empfiehlt sich zuallererst ein nettes Gespräch mit dem Nachbarn.

Liegt der Schnee vor Ihrem Grundstück auf öffentlichem Boden, gelangen Sie am besten an die Gemeinde. Diese kann den fehlbaren Eigentümer hoffentlich schnell und unbürokratisch von seinem unrechtmässigen Handeln abbringen.

Ich wohne in einem Mehrfamilienhaus. In meinem Mietvertrag ist nichts geregelt zum Schneeräumen. Was gilt nun?

Bei einem Mehrfamilienhaus ist das Schneeschippen des Umschwungs Sache des Vermieters – es gehört zum ordentlichen Unterhalt der Liegenschaft. Der Vermieter kann aber auch einen Hauswart damit beauftragen. Nur was zu Ihrem Mietobjekt gehört, müssen Sie selber von Schnee befreien, also zum Beispiel Balkon oder Terrasse und Autoabstellplatz.

Unser Hauswart, der fürs Schneeräumen zuständig ist, ist in den Ferien. Der Vermieter schiebt die Pflicht nun auf uns Mieter. Müssen wir zur Schaufel greifen?

Nein. Der Vermieter ist und bleibt für das Schneeräumen um den Mietblock verantwortlich. Wenn er einen Hauswart dafür eingesetzt hat, muss er auch dafür besorgt sein, dass bei dessen Abwesenheit ein Vertreter dessen Aufgaben erledigt. Bleiben die Hauswartaufgaben einfach liegen, handelt es sich um einen Mietmangel. Sollte es zu einem Unfall auf der vereisten oder zugeschneiten Treppe kommen, so haftet in erster Linie der Grundeigentümer respektive der Vermieter für den Schaden.

Bei uns wurde eine Stockwerkeigentümerin durch eine Dachlawine verletzt. Ich wäre gemäss Ämtliplan fürs Schneeräumen zuständig gewesen. Hafte ich nun für den Schaden, auch wenn nichts zum Hausdach festgehalten ist?

Selbstverständlich haften Sie nicht dafür, was eine Dachlawine angerichtet hat, wenn Sie Ihre nicht näher umschriebene Pflicht, Schnee zu räumen, versäumt haben. Diese Aufgabe umfasst üblicherweise die Zugänge sowie allfällige Zufahrten und gemeinsam genutzte Vorplätze, nicht aber ein Dach.

In Betracht käme aber eine Haftung der Stockwerkeigentümergemeinschaft als Werkeigentümerin. Voraussetzung ist, dass das Dach mit vernünftigem Aufwand gegen solche Vorfälle hätte abgesichert werden können. Wenn die Gemeinschaft Kenntnis von der Gefahr hatte oder hätte haben müssen (etwa weil es nicht die erste Dachlawine war), wird sie schadenersatzpflichtig.

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Christian Gmür, Content Manager Ratgeber

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