In der Primarschule nannte man ihn «wandelndes Lexikon», als Jugendlichen «Lex». Und nach der Pensionierung wurde Walter Aeberli zu einem erfolgreichen Fotodetektiv des ETH-Bildarchivs. Zu über 1000 nicht lokalisierbaren Schweizer Fotografien lieferte er Hinweise, über 500 Aufnahmen konnte er genau verorten. «Am meisten half mir dabei mein fotografisches Gedächtnis», sagt der 75-jährige Ex-Maschineningenieur.

Er habe seit seiner Jugend ein besonders ausgeprägtes visuelles Erinnerungsvermögen. Noch nach Jahren kann er sich an die Hangneigung der südlich abfallenden Bergrücken erinnern, die er bei einer Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee gesehen hat. Das erleichtert die Detektivarbeit fürs Bildarchiv. Ein altes Luftbild der Zementfabrik Beckenried am Nidwaldner Seeufer konnte er genau verorten, obwohl diese Stelle heute ganz von Wald bedeckt ist. Geholfen haben ihm auch Online-Landkarten aus den dreissiger Jahren, die er zu Hause am Bildschirm akribisch nach geografisch passenden Standorten abgesucht hat.

Es klappt mit Bildern, nicht mit Texten

«Ich bin nicht wie ‹Rain Man› aus dem Film, der ein Telefonbuch durchsieht und danach alle Nummern auswendig weiss», relativiert er. «Aber Bildinhalte kann ich mir sehr gut merken.» Das half Aeberli beim Memory-Spielen mit seiner Frau und den beiden Töchtern, beim Kartenlesen auf Familienausflügen oder bei den Baueingaben für das Atomkraftwerk Leibstadt, die er als Ingenieur begleitete.

«Ich geniesse den Reiz des Knobelns»

Aeberlis Gedächtnis funktioniert stark über gedankliche Bilder. Schon als junger Erwachsener habe er Skizzen gezeichnet, wenn ihm jemand eine Situation geschildert habe. Eine Abbildung gebe eine klarere Information als ein Text.

Die fotografische Detektivarbeit ist heute fast eine Manie. «Wenn ich ein Foto sehe, frage ich mich sofort, wo es wohl gemacht worden ist.» In den vorbeiziehenden Landschaften auf einer Zugfahrt sieht er unidentifizierte Fotosujets. Landschaftspostkarten in Bettelbriefen geben ihm Denksportaufgaben auf. «Unangenehm ist mir das aber überhaupt nicht. Ich geniesse den Reiz des Knobelns.»

Serie «Sie haben etwas mehr im Sinn»

In unserer fünfteiligen Serie stellen wir Menschen vor, bei denen ein Sinnesorgan besonders ausgeprägt ist. Sie alle haben im jeweiligen Bereich eine verschärfte Wahrnehmung. Die wachen Sinne können dabei ein Segen sein – oder aber zum Fluch werden, wenn sie zu scharf sind.

 

Teil 1

Absolutes Gehör: «Ich dachte, alle hören so wie ich»

Die meisten Menschen hören, ob die Musik laut oder leise ist. Karin Streule erkennt dank absolutem Gehör zusätzlich, um welchen Ton es sich handelt und ob sie die richtige Tonhöhe haben. 

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Teil 2

Synästhesie: Wenn Töne nach saurer Zitrone schmecken

Wache Sinne sind ein Segen. Für Elisabeth Sulser ist ihre zusätzliche Sinneswahrnehmung mitunter aber auch ein Fluch: Als Synästhetikerin sieht sie Töne als Farben oder schmeckt sie auf der Zunge.

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Teil 3

Fotografisches Gedächtnis: Jedes Bild brennt sich ins Gedächtnis ein

Wenn Walter Aeberli beim Zugfahren aus dem Fenster schaut, erinnert er sich auch Jahrzehnte danach noch an jedes Detail der vorbeiziehenden Landschaft. Seine besondere Gabe stellt der Rentner nun der ETH zur Verfügung.

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Teil 4

Misophonie: Wenn jemand in einen Apfel beisst, flippt sie aus

Wer an Misophonie leidet, für den sind gewisse Geräusche unerträglich. Doch bislang ist nicht mal klar, ob die Störung überhaupt eine Krankheit ist. Eine Betroffene erzählt von ihrem Spiessrutenlauf mit Geräuschen.

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Teil 5

Hochsensibler Geruchssinn: Sie hat einen guten Riecher

Brigitte Witschi ist ein Nasenmensch. In ihrer Erinnerung speichert sie zu Orten und Menschen vor allem die Düfte. Und sie kann riechen, wenn jemand Angst hat.

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Chantal Hebeisen, Redaktorin

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