In diesem Sommer fällt das Mittelmeer vor allem durch andauernde Rekordtemperaturen auf. Sie gefährden heimische Fischpopulationen und begünstigen das Wachstum von invasiven Algenarten. Aber auch ohne hohe Temperaturen sind die Fischbestände im Mittelmeer gemäss einem Bericht der Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen (UN FAO) am Anschlag: Massentourismus und die stetig steigende Nachfrage nach Fisch haben die natürlichen Bestände schon lange überschritten.

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Was bedeutet das für die Speisekarte in den Mittelmeerferien?

«Mediterran» meint nicht die Herkunft

Wenn in den Sommermonaten Millionen Feriengäste Branzino, Calamari und Meeresfrüchte-Paella bestellen, stammt der «mediterrane Fisch» auf der Speisekarte nicht automatisch aus dem Mittelmeer. Denn «mediterran» beschreibt die Küche oder die Zubereitungsart, aber nicht zwangsläufig die Herkunft des Fisches.

Beliebte Salzwasserfische wie Dorade und Wolfsbarsch kommen häufig aus Aquakulturen. Dabei wachsen die Fische nach der Aufzucht an Land in sogenannten Netzkäfigen auf. Sie bestehen aus Kunststoffringen, an denen zylinderförmige Netze ins Meer hängen. Je nach Grösse passen bis zu 200’000 Fische in einen Netzkäfig. Andere Fischarten werden aus dem Atlantik oder Pazifik importiert. Eigentlich sollen Aquakulturen dafür sorgen, dass sich die Fischbestände im Mittelmeer erholen und die Überfischung zurückgeht. Trotzdem zählt das Mittelmeer weiterhin zu den am stärksten überfischten Meeresgebieten der Welt.

Regional heisst nicht nachhaltig

Lokal gefangene Fische sind im mediterranen Hafenrestaurant nicht immer die nachhaltigste Wahl. Wenn ein lokaler Bestand stark überfischt ist, kann der tiefgekühlte Rotbarsch aus nachhaltigem isländischem Wildfang ökologisch die bessere Wahl sein als der lokal gefischte, aber stark gefährdete Blauflossen-Thunfisch. Wer in den Ferien selbst kochen möchte, findet auch in südlichen Supermärkten Produkte mit Umweltsiegeln, die für nachhaltigen Fang stehen.

Vier Beobachter-Tipps für nachhaltigen Fischkonsum – zu Hause und in den Ferien

  1. Nachfragen lohnt sich: Lassen Sie sich nicht von Begriffen wie «Fang des Tages» blenden. Fragen Sie konkret nach Fanggebiet und Fangmethode.
  2. Nachhaltigkeit vor Nähe: Das Überfischen lokaler Arten schadet dem Ökosystem. Zertifizierter Importfisch oder nachhaltige Aquakulturen können die ökologisch klügere Wahl sein.
  3. Auf Siegel achten: Wenn Sie sich in den Ferien selbst verpflegen, achten Sie beim Einkauf in lokalen Supermärkten auf unabhängige Nachhaltigkeitszertifikate (wie das MSC-Siegel für Wildfang).
  4. Das Meer ganzheitlich schützen: Vermeiden Sie Einwegplastik am Strand, verzichten Sie auf motorisierten Wassersport in sensiblen Küstenzonen und nutzen Sie korallenfreundliche Sonnencreme.
     

Fischbestände im Mittelmeer bedroht

Nach aktuellen Daten der UN FAO gelten 52 Prozent der wissenschaftlich bewerteten Bestände im Mittelmeer und Schwarzen Meer als überfischt. Einzelne Bestände erholen sich zwar langsam. Aber ohne weitere Massnahmen können Fischbestände im Mittelmeer kein langfristig nachhaltiges Niveau erreichen, weil immer noch viel zu viel gefischt wird. Gleichzeitig erschweren lückenhafte Fangdaten, unzureichende Kontrollen und illegale Fischerei eine nachhaltige Bewirtschaftung vieler Bestände.

Kathrin Runge, Program Manager beim Marine Stewardship Council (MSC), sagt in einer Medienmitteilung: «Damit sich die Fischbestände langfristig erholen können, braucht es weiterhin konsequentes Fischereimanagement, eine wirksame Bekämpfung illegaler Fischerei und belastbare wissenschaftliche Daten als Grundlage für gute Entscheidungen.»

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