Der chinesische E-Commerce-Konzern Temu verstärkt seine Präsenz in Europa. Wie der «Kassensturz» von SRF berichtet, passte die Plattform ihre Strategie bereits vor einem Jahr an: Anstelle von Einzelsendungen direkt aus China setzt das Unternehmen beim «Local to Local»-Programm vermehrt auf europäische Lager und bindet lokale Händler ein.

In der Vergangenheit stand Temu wiederholt wegen umstrittener Marketingtricks und unlauteren Wettbewerbs in der Kritik. Am aggressiven Auftritt ändert die neue Logistikstrategie nichts. Auf den ersten Blick lässt die Ausrichtung aber Vorteile für die Kundschaft vermuten: kürzere Lieferzeiten und potenziell verlässlichere Standards.

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Aber Achtung: «Local to Local» bedeutet nicht automatisch, dass die angebotenen Waren auch in Europa hergestellt werden.

Der feine Unterschied: Galaxus und Temu

Während Temu mit ausgewählten europäischen Partnern zusammenarbeitet, gelangt ein grosser Teil des Sortiments weiterhin aus China in die europäischen Zwischenlager. Zudem tritt Temu gemäss «Kassensturz» vertraglich als reine Vermittlungsplattform auf.

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Was das bedeutet, zeigt ein Vergleich mit Galaxus. Beim Schweizer Onlinehändler gibt es zwei Fälle: Entweder verkauft Galaxus selbst, oder das Unternehmen agiert als Vermittlerin für Dritthändler. Aus vertraglicher Sicht gilt in beiden Fällen das Schweizer Recht: «Wer der Vertragspartner ist, steht klar im Shop und auf der Rechnung. Garantieansprüche, Mängelrügen und Rückgaben unterstehen damit transparenten Regeln», erklärt Julia Gubler, Rechtsexpertin beim Beobachter.

Temu hingegen überträgt die Verantwortung für Gewährleistung und Haftung konsequent auf die jeweiligen Verkäufer. «Da diese meistens im Ausland sitzen, gilt im Streitfall das entsprechende ausländische Recht», so Gubler. Für Schweizer Konsumentinnen wird es im Schadensfall also kompliziert.

Was tun, wenn Probleme auftreten?

Tritt bei einer Lieferung ein Mangel auf oder wird ein falsches Produkt zugestellt, müssen sich Käufer direkt an den jeweiligen Dritthändler wenden. Gerade bei billigen Produkten aus dem Ausland kann das extrem mühsam und aufwendig werden, da oft kein funktionierender Kundendienst zur Verfügung steht. «Und ein Rechtsstreit lohnt sich bei den kleinen Beträgen sowieso nicht», sagt Julia Gubler. «Das Risiko ist also gross, dass man auf dem Kaufpreis sitzen bleibt.»

Reagiert der Verkäufer nicht auf Nachrichten oder stellt sich quer, bleibt nur der Versuch, Temu direkt zu kontaktieren. 

Ihre Meinung dazu?

Haben Sie Erfahrungen mit chinesischen Billiganbietern? Oder boykottieren Sie solche Plattformen? Erzählen Sie uns davon in den Kommentaren.

Quellen