Statt Chemie die Mittel der Natur
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Gärtnern

Statt Chemie die Mittel der Natur

Thinkstock Kollektion

Für den naturnahen Garten braucht es keine Chemie, aber ein ­bisschen mehr Arbeit, Lust am Gärtnern und schlaue Planung. Als Lohn winkt eine grosse Artenvielfalt.

Von aktualisiert am 19. März 2018

Eine Warnung im Voraus: Im naturnahen Garten ist nicht alles perfekt. Im Bio­garten gibt es Schädlinge, angefressene Pflanzen und ab und zu auch einen braunen Fleck im Rasen - das ist Natur. Wer sich von der Natur aber nicht abschrecken lässt, ist theoretisch gewappnet für den Garten ohne Chemie.

Bevor das Experiment beginnen kann, gilt es, das Gartenreich etwas vorzubereiten. Unter anderem für die spätere Verpflegung der Pflanzen – wenn möglich mit organischem Dünger vom Kompost. Ein Kompost braucht kaum Gartenfläche. Sämtliche Hilfsmittel, beispielsweise ein Kompostsilo, sind im Gartenhandel erhältlich. Rüstabfälle, Grüngut oder Rasenschnitt, aber auch Laub und Holzhäcksel kommen in den Kompost, was erst noch kostengünstiger ist als die Kehrichtabfuhr. Das Kompostgut sollte regelmässig ein wenig durchmischt werden, den Rest erledigt die Natur. Je nach Verlauf kann die Komposterde nach rund einem Jahr als Dünger eingesetzt werden. Wer nicht so lange mit dem Biogarten warten mag: Organischen Dünger erhält man auch im Fachhandel und in der Biogärtnerei. Meist decken ­bereits zwei bis drei Liter Komposterde den Nährstoffbedarf der Pflanzen, egal, ob Blumen oder Gemüse.

Natürlichen Dünger kann man auch selber herstellen, zum Beispiel aus Pflanzenjauche mit Brennnesseln oder Beinwell. Dafür muss man die Pflanzenblätter mit Wasser in ein Holz- oder Plastikgefäss einlegen, während rund zweier Wochen täglich umrühren – und das Ganze weit weg vom Haus platzieren. Denn eine solche Pflanzenjauche produziert strengen Geruch.

Nichts geht über Regenwasser

Die Pflanzen brauchen ausser Nährstoffen ­natürlich auch Wasser, und da gibt es bessere Lösungen als den Gartenschlauch. Im Sinne der Nachhaltigkeit empfiehlt sich eine Regentonne. Um das Wasser vom Dach zu sammeln, muss man lediglich im Fallrohr ein Abzapfventil oder eine Klappe einrichten. Gute Tonnen verfügen über einen kleinen Wasserhahn, mit dem man die Spritzkanne füllen kann. Sie sind bereits für wenig Geld in jedem Baumarkt erhältlich. Falls ein Fass nicht ausreicht, kann man problemlos mehrere Fässer aufstellen und diese mit Schläuchen verbinden.

Den Pflanzen tut Regenwasser gut. Denn Leitungswasser enthält oft relativ viel Kalk, der sich negativ auf den pH-Wert des Bodens auswirkt. Zudem hat Regenwasser, anders als Wasser aus dem Schlauch, im Sommer meist gerade die richtige Temperatur für die Pflanzen.

Sind die Vorbereitungen getroffen, geht es an die Gartengestaltung. Zu einem naturnahen Garten gehört es, Lebensraum für Nützlinge zu schaffen. Plant man in seinen Garten einige ­einheimische Wildpflanzen wie Holunder oder Schwarzdorn ein, lockt man damit nützliche ­Vögel an. Diese vertilgen zahlreiche Schädlinge wie Nacktschnecken oder Käferarten – als Zu­gabe gibt es den Gesang der Piepmatze. Auch Igel und Spitzmäuse, ebenfalls natürliche Feinde von Schnecken und Käfern, kommen gern, wenn man sie mit entsprechenden ­Lebensräumen anlockt. Allgemein sollte man vermehrt auf einheimische Gewächse setzen und sie am richtigen Standort pflanzen. Diese Pflanzen sind an das ­hiesige Klima angepasst und darum weniger anfällig für Pilze und Schädlinge. Zudem ist beim Planen zu beachten, dass Monokulturen Schädlinge fördern. Eine gute, natürliche Durchmischung von Gemüse, Kräutern und Blumen macht den Erfolg aus.

Lockfutter für die gefrässigen Schnecken

Ein leidiges Dauerthema im Garten ist der Kampf gegen Schnecken. Hier schützt der alt­bewährte Schnecken­zaun am besten. Als weniger wirksam erweisen sich Hausmittel wie Sägemehl, das meist nur so lange standhält, bis es zu feucht ist. Auch Eierschalen oder Fichtennadeln imponieren den Schnecken kaum. Eher kontraproduktiv sind Bierfallen. Denn diese locken mit ihrem Duft noch mehr Schnecken an und bringen ausserdem viele Nützlinge in Gefahr. Reine Tierquälerei ist das Streuen von Salz, da so die Schnecken langsam und qualvoll ver­enden. Besonders beliebt bei Schnecken sind Tagetes, die Studentenblumen. Pflanzt man diese in der Nähe von Salaten, werden damit sozusagen die Studentenblumen zugunsten des Gemüses geopfert.

Nicht nur Schnecken machen dem Hobbygärtner das Leben schwer. Käfer wie der Dickmaulrüssler vergnügen sich an den Erdbeeren, Blattläuse piesacken die Rosensträucher, und der Rasen wird von verschiedenen Insekten­larven bearbeitet. Damit muss man im Naturgarten teilweise leben. Als letzter Schritt bleiben aufwendigere Mittel, aber auch dann auf natürlicher Basis.

Biologische Schädlingsbekämpfung basiert meist auf dem gezielten Einsatz von Nützlingen oder Bakterien. Wenn also selber hergestellte Hausmittel wie Schmierseifenbrühe oder Brenn­nesselsud gegen Blattläuse nichts gebracht haben, bietet der Fachhandel Unterstützung an. Gegen Blattläuse beispielsweise sind Larven vom Marienkäfer erhältlich, dem natürlichen Feind der Blattläuse. Gegen Larven vom Juni- oder Maikäfer gibt es biologische Produkte, mit denen Bakterien in den Boden gelangen. Diese töten die Larven frühzeitig ab. Und gegen Gartenlaubkäfer- oder Dickmaulrüsslerlarven können Fadenwürmer ausgebracht werden. Diese suchen im Boden nach den Larven und machen sie unschädlich. Die Bekämpfung muss aber dem Lebenszyk­lus der Larven angepasst sein: Sind aus den Larven schon Käfer geworden, hilft meist nur noch Einsammeln – ausser man hat clever vorgesorgt und den Garten bereits so eingerichtet, dass sich viele Tiere darin wohl fühlen – dann erledigen Vögel, Igel und andere Nützlinge die mühselige Arbeit mit Freude.

Torf ist absolut tabu

Grundlage des naturnahen ­Gartens ist der richtige Boden. Er sorgt für die natürliche ­Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen und damit für gutes Gedeihen. Wer seinen ­Boden kennt, kann mit wenigen natürlichen Eingriffen die ­ideale Ausgangslage schaffen. Für die meisten Pflanzen ist ein ausgewogenes Gemisch von Sand und Ton am besten. Dieser Boden ist leicht zu be­arbeiten und lässt den Wurzeln genügend Raum. Ist der Boden zu sandig, hilft es, organisches Material wie Kompost unterzumischen.

Dem anderen Extrem, einem Lehm- oder Tonboden, begegnet man mit nicht gewasche­nem Betonkies in der Erde. Vom Einsatz von Torf ist abzuraten: Obwohl an sich ein idealer Boden­verbesserer, ist Torf ein nicht erneuerbarer Rohstoff aus Moorgebieten. Sein Abbau hinterlässt Schäden, zerstört Lebensräume und setzt grosse Mengen CO2 frei.

Trotzdem ist Torf noch immer in vielen Produkten enthalten, die im Handel zu finden sind. Wer zu der eigenen Kompost­erde auch Gartenerde kauft, sollte gut auf die Verpackungshinweise achten. Es gibt gute Torfersatzprodukte, die auch im naturnahen Garten bedenkenlos eingesetzt werden können. Torffreie Pflanzen­erde enthält natürliche Stoffe wie zum Beispiel Rindenhumus, Holzfasern, Chinaschilf oder Kokosfasern. Diese Produkte sind zwar minim teurer, aber ideal für das Gärtnern im ­Einklang mit der Natur.

Weitere Infos

  • Nützliche Informationen und ein umfassendes Sortiment an Nützlingen und anderen ­biologischen Schädlings­bekämpfungsmitteln finden Sie unter www.biogarten.ch
  • Tipps und Tricks fürs Gärtnern ohne Gift: www.giftzwerg.ch
  • Download von Infobroschüren zu Kompost, Marienkäfern, Schädlingen und mehr: www.umweltberatung-luzern.ch