Nach dem Tod einer verheirateten Person mit Kindern müssen sich die Hinterbliebenen früher oder später mit der Erbschaft beschäftigen. Häufig wird hierbei vergessen, dass man vor einer Erbteilung zunächst die güterrechtlichen Verhältnisse des Erblassers klären muss. Erst dann kann die Hinterlassenschaft zwischen dem überlebenden Ehegatten und den Kindern geteilt werden.

Schliesslich hat der überlebende Ehegatte bereits aus dem Güterrecht Anspruch auf einen Teil des ehelichen Vermögens, da die Ehe auch eine Vermögensgemeinschaft ist. Diese muss zuerst aufgelöst werden. Das Güterrecht hat somit einen massgeblichen Einfluss darauf, was überhaupt zur Erbmasse gehört.

Vermögen zuordnen

Hat ein Ehepaar keinen Ehevertrag abgeschlossen, gelten für die güterrechtliche Abrechnung die gesetzlichen Bestimmungen über die Errungenschaftsbeteiligung. Dabei besteht das eheliche Vermögen aus vier Massen: aus dem Eigengut (1) und der Errungenschaft (2) des Mannes sowie aus dem Eigengut (4) und der Errungenschaft (3) der Frau.

Grafik

Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.

Zum Eigengut gehören Vermögensbestandteile, die schon vor der Ehe vorhanden waren, oder Schenkungen und Erbschaften während der Ehe. Ausserdem fallen darunter Gegenstände, die ausschliesslich dem persönlichen Gebrauch dienen, wie Kleider und Schmuckstücke.

Die Errungenschaft dagegen umfasst alle anderen Vermögenswerte, die ein Ehepartner während der Ehe entgeltlich erworben hat. Dazu zählen auch Einkommen aus Arbeitserwerb oder Sozialversicherungen sowie Erträge des Eigengutes.

Stirbt Letzte Dinge Was nach einem Todesfall getan werden muss eine verheiratete Person, muss zuerst geklärt werden, zu welcher der vier Massen die Vermögensgegenstände der Ehegatten gehören. Das kann nach vielen Ehejahren schwierig sein. Darum sieht das Gesetz Folgendes vor: Ist nicht beweisbar, wer der Eigentümer einer Sache ist, wird angenommen, dass sie jedem Ehegatten zur Hälfte gehört.

Anzeige

Sodann muss der Gegenstand der jeweiligen Errungenschaft oder dem jeweiligen Eigengut zugeordnet werden. Ist unklar, wohin er gehört, fällt er im Zweifel in die Errungenschaft. Jeder Ehegatte kann dann seine Schulden von der Errungenschaft abziehen.

Ist das Ergebnis nach Abzug der Schulden positiv, spricht man von Vorschlag. Ist es negativ, heisst dies Rückschlag. Bei vielen Vermögensgegenständen - Liegenschaften, Kunstgegenständen, Autos und so weiter - muss eine Bewertung eingeholt werden. Massgebend ist der Verkehrswert.

Mehr zu Erbteilung bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Ein Erbe teilen zu müssen, kann unter Umständen zu Unstimmigkeiten führen. Doch jede Teilungshandlung braucht Einstimmigkeit. Auf Guider erfahren Mitglieder, wie sie innerhalb der Erbengemeinschaft eine gütliche Lösung finden können und welche Teilungsregeln beim Erben gelten.

Güterrechtliche Auseinandersetzung

Der Stichtag für die güterrechtliche Auseinandersetzung ist der Todestag, nicht die Erbteilung. Der überlebende Ehegatte behält sein Eigengut (4) und jeweils die Hälfte des Vorschlages (2 und 3). Am Rückschlag (negative Errungenschaft) muss sich der andere Ehegatte nicht beteiligen.

Anzeige

Erbteilung

In den Nachlass fallen das Eigengut (1) und die Hälfte des Vorschlages des Verstorbenen (2). Ausserdem muss der überlebende Ehegatte auch die Hälfte seines eigenen Vorschlages (3) rechnerisch zum Nachlass hinzufügen.

Steht die Erbschaft Nachlass Beim Erben lernt man die Leute kennen fest, kann die Erbteilung vorgenommen werden. Auf den überlebenden Ehegatten entfällt wertmässig die Hälfte, die andere Hälfte steht den Nachkommen des Verstorbenen zu.

Der überlebende Ehegatte und die Nachkommen bilden ab dem Todestag automatisch eine Erbengemeinschaft und bleiben dies bis zur Erbteilung. Diese kann auch erst nach einigen Jahren oder sogar erst nach Jahrzehnten erfolgen. Besteht aber ein Erbe auf seinem ihm gesetzlich zustehenden Anteil, kann er ihn jederzeit einfordern.

Wollen die Ehegatten sich gegenseitig stärker begünstigen, stehen ihnen verschiedene Möglichkeiten offen: Mit einem Ehevertrag kann zum Beispiel die gesamte Errungenschaft dem überlebenden Ehegatten hinterlassen werden. Weitere Möglichkeiten bieten sich mit dem Testament oder einem Erbvertrag an.

Testen Sie den Erbrechner!

Wie hoch ist der gesetzliche Erbanteil der Kinder oder des (Ehe-)partners? Kann man diesen mit dem Pflichtteil weiter begrenzen? Testen Sie den Online-Erbrechner von Guider kostenlos anhand Ihrer Lebens- und Familiensituation.

Anzeige

Buchtipp

Letzte Dinge regeln

Fürs Lebensende vorsorgen - mit Todesfällen umgehen

Mehr Infos

Buchcover: Letzte Dinge regeln
Quelle: Beobachter Edition