Ein Vermögen kann belastend sein. Besonders dann, wenn es geerbt ist und die Erben und Erbinnen nicht darauf angewiesen sind. Manche empfinden das viele Geld als unverdient oder unmoralisch. Bei anderen war das familiäre Verhältnis so schlecht, dass sie mit dem Erbe nichts zu tun haben wollen. Wer mit seinem Vermögen etwas Sinnvolles anstellen möchte, hat diverse Möglichkeiten.

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Doch bevor er oder sie sich für eine Option entscheidet, sollten folgende Fragen geklärt sein:

  • Kann ich endgültig auf das Geld verzichten oder brauche ich es vielleicht später doch noch? 
  • Wenn ich nicht verzichten will, sollte es jederzeit verfügbar sein; oder reicht es, wenn es eine Weile dauert, bis ich auf das Geld zugreifen kann?
  • Kann ich es verkraften, wenn sich das Kapital verkleinert, oder bin ich gar auf einen moderaten Vermögensertrag angewiesen? 
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Vor ganz anderen Fragen wiederum stehen Erblasser – Menschen also, die sich fragen, was mit ihrem Vermögen nach ihrem Tod passieren soll. Wenn sie keine eigenen Kinder haben und nicht verheiratet sind, können sie ganz frei über ihren Nachlass verfügen. Das können sie zwar auch mit Kindern und einem Ehegatten, aber wegen des Pflichtteils nur zur Hälfte.

Bei Verheirateten ohne Kinder, aber mit Eltern, Geschwistern oder Geschwisterkindern beträgt der Pflichtteil des Ehegatten sogar nur drei Achtel des Nachlasses, sie können also mit fünf Achteln tun und lassen, was sie möchten.

Und immer gilt: Wenn die pflichtteilsgeschützten Erben einverstanden sind, können sie in einem Erbvertrag auch auf ihren Pflichtteil verzichten

Nun, was also lässt sich mit einem Vermögen Sinnvolles anstellen?

Spende

Spenden kann man jederzeit und an wen man möchte. Wenn man die Spenden an eine anerkannte gemeinnützige Organisation ausrichtet, können sie in der Steuererklärung abgezogen werden. Die meisten Stiftungen und gemeinnützigen Organisationen bevorzugen Geldspenden, dies verringert den Verwaltungsaufwand. Und regelmässige Spenden geben der Stiftung eine gewisse Planungssicherheit.

Überlegen Sie sich, welche Themen Ihnen besonders am Herzen liegen, und recherchieren Sie geeignete Organisationen. Informieren Sie sich über die konkrete Arbeit der Stiftung, wer dahintersteht und wohin Ihr Geld fliesst. In der Schweiz wird oft auf das Zewo-Gütesiegel verwiesen, für das Organisationen gewisse Kriterien erfüllen müssen. Aber es gibt auch seriöse Stiftungen oder Institutionen, die sich nicht zertifizieren lassen und trotzdem wertvolle Arbeit leisten. Und es gibt Organisationen, die ganz gezielt untersuchen, wie man durch Spenden den grössten Effekt erzielen kann. Zum Beispiel Effektiv Spenden oder GiveWell. 

  • Vorteil: Spenden kann man schnell und unkompliziert, und die Spende ist meist von den Steuern abziehbar. 
  • Nachteil: Die Spende ist endgültig, und Sie haben keine Möglichkeit, zu kontrollieren, wie Ihr Geld eingesetzt wird.
Rechtsratgeber
Merkblatt «Wie richtig spenden?»

Worauf kann man beim Spenden achten? Welche Gütesiegel bedeuten was? Wie zeichnen sich private Hilfswerke gegenüber grossen Spendenorganisationen aus? Mit einem Beobachter-Abo erhalten Sie mit dem Merkblatt «Wie richtig spenden?» weitere Tipps.

Schenkung oder zinsloses Darlehen

Kennen Sie jemanden, der eine super Idee hat? Wenn Sie über Kapital verfügen, können Sie mit einer Schenkung oder einem zinslosen Darlehen eine Idee zum Fliegen bringen. Bei einer Schenkung ist das Geld weg, und die begünstigte Person muss meist Schenkungssteuern zahlen. Ein Darlehen erhalten Sie nach Ablauf der Vertragsdauer zurück. 

  • Vorteil: Sie unterstützen direkt die Entstehung eines neuen Projekts – sei es eine private Initiative, sei es die Gründung eines Vereins oder eines Unternehmens. 
  • Nachteil: Auch gute Ideen können scheitern. Es gibt keine Erfolgsgarantie. Und selbst ein Darlehen kann verloren sein, wenn das Projekt scheitert und kein Geld mehr vorhanden ist.
Rechtsratgeber
Muster für zinslosen Darlehensvertrag

Wer einer Person Geld leihen möchte, sollte dafür einen Darlehensvertrag aufsetzen. Das Muster «Darlehensvertrag: Zinslos mit Rückzahlungsraten» gibt Beobachter-Abonnentinnen und ‑Abonnenten eine nützliche Vorlage, die flexibel anpassbar ist.

Legat

Vermächtnisse oder Legate sind nichts anderes als Spenden beziehungsweise Schenkungen von Todes wegen. Die begünstigte Person oder Institution wird nicht Mitglied der Erbengemeinschaft, sondern erhält einfach einen gewissen Betrag oder Gegenstand.

Gemeinnützige Stiftungen sind meist von der Erbschaftssteuer befreit. Achten Sie darauf, das Legat im Testament klar als solches zu bezeichnen, damit es keine Missverständnisse gibt.

Wenn Ihr Nachlass zuerst zu Geld gemacht werden muss, setzen Sie im Testament einen Willensvollstrecker ein. Dieser hat die Aufgabe, den Nachlass abzuwickeln, die Legate auszurichten und das Erbe zu verteilen. 

  • Vorteil: Zu Lebzeiten bleibt das Geld bei Ihnen, und Sie haben die volle Kontrolle darüber. Erst nach Ihrem Tod wird es so verteilt, wie Sie wünschen. 
  • Nachteil: Verfügungsbeschränkungen durch allfällige Pflichtteile.
Chatbot Rechtsberatung

Eine eigene Stiftung gründen

Eine eigene Stiftung zu gründen, lohnt sich meist erst ab einem Kapital von über einer Million, besser sind drei bis fünf Millionen oder mehr. Zwar braucht es für die Gründung meist nur 50’000 Franken, aber damit die Stiftung mittel- bis langfristig ihren Zweck erfüllen kann, braucht sie genügend Kapital.

Ebenfalls wichtig: Das Stiftungsvermögen gehört Ihnen nicht mehr, und Sie können es auch nicht zurückholen. Es dient nach der Gründung allein dem Stiftungszweck und wird entsprechend den Statuten verwaltet und verwendet. 

  • Vorteil: Sie entscheiden selbst, was der Stiftungszweck sein soll und wie das Geld verwendet werden soll. 
  • Nachteil: Sobald die Stiftung gegründet ist, können Sie nicht mehr auf Ihr Geld zugreifen und auch nicht direkt Einfluss nehmen, der Stiftungsrat ist an die Statuten gebunden. Es dürfen keine Pflichtteile verletzt werden.

Exkurs: Unterstiftung und Familienstiftung

Wohnbaugenossenschaft

Durch den gemeinnützigen Wohnungsbau werden Liegenschaften der Spekulation entzogen und nach dem Prinzip der Kostenmiete betrieben. Das bedeutet, dass kein Gewinn erwirtschaftet wird, sondern die Genossenschaften kostendeckend arbeiten. So bleibt günstiger Wohnraum erhalten, oder es entsteht neuer Wohnraum.

Je nachdem können Sie Ihre Liegenschaft zu einem fairen Preis einer Wohnbaugenossenschaft verkaufen oder auch schenken beziehungsweise vererben. Oder Sie bauen gemeinsam mit einer Wohnbaugenossenschaft auf Ihrem eigenen Land und decken so Ihr Bedürfnis nach den eigenen vier Wänden, ermöglichen aber gleichzeitig anderen bezahlbaren Wohnraum.

Und wenn Sie über die finanziellen Mittel und den nötigen Elan verfügen, können Sie auch gleich selbst eine Wohnbaugenossenschaft gründen. 

  • Vorteil: Sie tragen dazu bei, dass bezahlbarer Wohnraum geschaffen und erhalten wird. Je nach Regelung können Sie konkret Einfluss nehmen und die Richtung der Genossenschaft (mit)lenken. 
  • Nachteil: Die überschriebenen Liegenschaften oder das investierte Kapital gehören der Genossenschaft. Als Genossenschafter können Sie Ihre Anteilsscheine zwar wieder verkaufen, allerdings brauchen Sie zuerst einen Käufer, und meist werden Sie damit keinen Gewinn machen.

Liegenschaft sozialverträglich betreiben

Es geht aber auch ohne Genossenschaft: Wenn Sie ein geeignetes Haus haben, können Sie dieses selbst nach fairen Gesichtspunkten und dem Prinzip der Kostenmiete betreiben.

Lassen Sie sich bei der Berechnung der Mieten von einem Profi beraten, denn Sie müssen genügend Ertrag erzielen, um auch die regelmässig anfallenden Reparaturen und Sanierungen zu decken und bei einem unvorhergesehenen Ereignis handlungsfähig zu bleiben.

  • Vorteil: Die Liegenschaft bleibt Ihr Eigentum, und Sie können frei entscheiden, was Sie damit tun. Das Kapital bleibt erhalten. 
  • Nachteil: Sie müssen sich selbst um alles kümmern beziehungsweise jemanden mit der Hausverwaltung beauftragen. Und bestehende Mieten können nicht sofort erhöht werden, wenn Sie auf einen höheren Ertrag angewiesen sind. 
Buchtipp
Testament, Erbschaft
Buchcover Testament, Erbschaft

Investitionen in soziale, klimafreundliche oder anderweitig sinnvolle Firmen

Als Investor kaufen Sie Aktien einer Firma oder Anteile eines Fonds. Durch die gezielte Wahl Ihrer Investitionen verzichten Sie zwar allenfalls auf den maximalen Gewinn, aber Sie können sich an Firmen oder Projekten beteiligen, die Ihre Ziele verfolgen.

Je nach Anteil und Set-up können Sie auch mitreden und die Firma in die von Ihnen gewünschte Richtung lenken. 

  • Vorteil: Sie investieren in das, was Ihnen wichtig ist, und können allenfalls Einfluss nehmen. Zudem können die Anteile bei Bedarf auch wieder verkauft werden. 
  • Nachteil: Solche Investments erzielen oft nicht die gleichen Renditen wie andere Anlagen. Als Investor tragen Sie das Risiko, und es kann unter Umständen schwierig werden, Anteile wieder zu verkaufen.
     

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