«No-Go» oder «überfällig»? Die Community diskutiert über das Arztgeheimnis
Politiker wollen das Arztgeheimnis für Arbeitgeber lockern. In unserer Community auf beobachter.ch sowie Reddit prallen Angst vor Überwachung und Wut über angeblichen Missbrauch aufeinander.

Veröffentlicht am 31. März 2026 - 15:38 Uhr

Das Arztgeheimnis kommt unter Druck – das sorgt für Diskussionen in der Community. (Symbolbild)
Die Thurgauer SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr fordert eine Lockerung des Arztgeheimnisses. Die Arbeitgeber sollen genauere Informationen darüber erhalten, bei welchen Arbeitstätigkeiten ihre Mitarbeitenden eingeschränkt sind. Viele Leserinnen und Leser sehen darin einen gefährlichen Eingriff in die Privatsphäre.
Leser Patrik Faessler schreibt: «Wenn ein Arzt ein Zeugnis ausstellt, dann hat dieses vollumfänglich vom Arbeitgeber akzeptiert zu werden. Basta. Definitiv keine Einsicht in Krankenakten durch Arbeitgeber. Wo sind wir hier eigentlich mittlerweile angelangt?»
Auch Thomas Schieweck widerspricht Gutjahr deutlich. Er hält die Kritik am angeblichen Missbrauch für überspitzt und warnt vor den Folgen. «Die Realität sieht eher so aus, dass Arbeitnehmer aus Angst vor Konsequenzen durch die Arbeitgeber krank arbeiten gehen.» Eine Aufweichung der Schweigepflicht sei für ihn «ein absolutes No-Go».
In eine ähnliche Richtung argumentieren auch Nutzer auf Reddit. Dort heisst es etwa, Arbeitgeber seien nicht qualifiziert, ärztliche Atteste zu beurteilen. Entsprechend bestehe kein Bedarf, die Regeln zu ändern.
«Jeder erhält ein Arztzeugnis, wenn er genug jammert»
Es gibt aber Leserinnen und Leser, die das ganz anders sehen. Sie stören sich daran, dass Krankschreibungen ihrer Meinung nach zu leicht ausgestellt werden.
Marcel Käser argumentiert: «Leider sind wir mittlerweile dort angelangt, wo der Arbeitnehmer, sobald er keine Lust hat, zu arbeiten, einfach zu Hause bleibt oder zum Arzt rennt. Ein Arztzeugnis erhält jeder, wenn er genug jammert.» Othmar Bamert weist darauf hin, dass längere Absenzen für Arbeitgeber konkrete Folgen haben: Wenn jemand monatelang ausfällt, müsse der Betrieb die Stelle neu besetzen. Mit dem Risiko, dass die Person nach ihrer Rückkehr überflüssig wird.
Auch auf Reddit gibt es Verständnis für strengere Regeln. Zumindest in bestimmten Fällen. Ein Nutzer findet, dass Arbeitgeber zusätzliche Informationen einfordern dürfen, wenn sich jemand direkt nach einer Kündigung krankschreiben lässt.
Ein weiterer Reddit-Kommentar lenkt den Blick auf einen anderen Aspekt: Die steigenden Krankmeldungen könnten auch ein Zeichen dafür sein, dass viele Menschen überlastet sind. Statt mehr Kontrolle brauche es bessere Arbeitsbedingungen und mehr Work-Life-Balance.
Sollten Arbeitgeber mehr darüber erfahren dürfen, was ihre Mitarbeitenden trotz Krankheit noch leisten können? Oder geht das zu weit? Diskutieren Sie in den Kommentaren mit.
- Beobachter: Arztgeheimnis unter Druck: Nationalräte wollen mehr Einblick für Arbeitgeber
- Reddit: Should employers in Switzerland get more information about sick leave?
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