In Zürich, Basel oder Luzern finden Menschen mit tiefem bis mittlerem Einkommen kaum mehr bezahlbare Wohnungen. Familien ziehen weg – und mit ihnen die Bäckereien und Quartierläden. Kurz: das Leben. Zurück bleiben gesichtslose Quartiere für Reiche und Kunstgalerien. Das ist nicht erstrebenswert. Darin sind sich alle einig.

Doch damit hört die Einigkeit auf. Initiative folgt auf Initiative, Vorstoss auf Vorstoss. Seit Jahren.

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Bürgerliche Politikerinnen und Politiker fordern schlankere Verfahren und Bauzonen, die Hochhäuser möglich machen. Linke sind skeptisch, weil dies dazu führe, dass alte Häuser durch Neubauten ersetzt würden. Dies treibe die Mieten in die Höhe und diene vor allem den höheren Renditen der Eigentümer. Sie wollen das Problem mit Mietzinskontrollen oder gar Mietdeckeln in den Griff bekommen. Davor warnen wiederum Bürgerliche. Dieses Bürokratiemonster schrecke Bauherren ab.

Zu diesem Schwerpunkt

Mieterinnen und Mieter stehen derweil Schlange vor den wenigen freien Wohnungen. Und zahlen murrend überrissene Mieten, weil sie schlicht auf die Wohnung angewiesen sind. Sie fechten Anfangsmieten selbst dann nicht an, wenn sich diese fast verdoppelt haben, und verzichten auf rechtliche Ansprüche wie Mietzinsreduktion bei sinkendem Referenzzinssatz, weil sie es sich mit dem Vermieter nicht verderben wollen. So werden auch die letzten Kontrollmechanismen ausgehebelt.

Wieso kann man mit ­Immobilien Millionengewinne einstreichen, ohne einen Finger zu krümmen?

Der Unmut wächst. Und weil viel versprochen wird, aber nie etwas besser wird, bestimmt der Ärger zunehmend auch ganz andere Fragen. Wollen wir das Land wirklich so offen halten? Wer profitiert denn eigentlich davon? Wieso kann man mit Immobilien Millionengewinne einstreichen, ohne einen Finger zu krümmen?

Diese Blockade in der Wohnpolitik ist Gift. Gefragt sind pragmatische Lösungen, die das Problem auf mehreren Ebenen angehen und nicht perfekt sein müssen. Ja, es muss mehr gebaut werden. Dabei sollte der Anteil Wohnungen mit günstiger Kostenmiete aber zwingend erhöht werden. Eine Rendite muss möglich sein, unbedingt. Aber Überrenditen beim Grundstückshandel sollten abgeschöpft werden. Sonst wird der gesetzlich verankerte Mieterschutz zur Makulatur. Es braucht jetzt Unternehmer, Bauherrinnen, bürgerliche und linke Politikerinnen, die aufeinander zugehen und Lösungen möglich machen.

Dazu gehören Bauordnungen, die schnelleres und höheres Bauen erlauben; dabei muss aber auch ein Anteil preisgünstiger Wohnungen festgelegt werden – ob 30 oder 70 Prozent, ist genau die Verhandlungsmasse, die zu pragmatischen Lösungen führen kann. Die Zürcherinnen und Zürcher würden heute ein Neubauprojekt wie jenes auf dem SBB-Gelände beim Hauptbahnhof wohl nicht mehr wie 2022 knapp ablehnen, weil es «nur» 66 Prozent preisgünstige Wohnungen vorgesehen hatte. Denn gebaut wird jetzt keine einzige der geplanten 375 Wohnungen.

Der Druck auf den Wohnungsmarkt steigt Monat für Monat. Mit ihm die soziale Spannung. Das will niemand. Deshalb die dringende Bitte an alle Beteiligten: Rauft euch endlich zusammen!

Ihre Meinung ist gefragt

Was denken Sie über das Problem der steigenden Mieten? Und welche Massnahmen halten Sie für sinnvoll? Diskutieren Sie in den Kommentaren.