Die Hitze setzt uns zu

Hitze ist eine Belastung für die Gesundheit. Sie kann zu Erschöpfung, Flüssigkeitsmangel und Hitzschlag führen und Krankheiten verschlimmern. Im Rekord-Hitzesommer 2003 starben in der Schweiz zwischen Juni und August rund 1000 Menschen mehr, als zu erwarten gewesen wäre.

«Wenn wir hohen Temperaturen ausgesetzt sind, versucht sich unser Körper durch Schwitzen und eine verstärkte Durchblutung der Hautoberfläche zu kühlen», erklärt Martina Ragettli vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut (Swiss TPH). Gelingt das über eine längere Zeit hinweg nicht, kann die Überhitzung Hitze Immer schön cool bleiben ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen und im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen.

Und auch wenn es dem Körper gelingt, die Temperatur im normalen Bereich zu halten, ist das nicht ohne: Denn die Körperkühlung benötigt eine erhöhte Herzleistung. Ein krankes oder schwaches Herz ist mit dieser Mehrbelastung schnell überfordert.

Besonders betroffen von hitzebedingten gesundheitlichen Problemen sind ältere Menschen. Sie schwitzen weniger, verspüren weniger Durst und trinken darum oft nicht genügend. Zudem können einige Medikamente die Wärmeregulation des Körpers beeinträchtigen.

Auch chronisch Kranke und Schwangere sollten sich gut vor Hitze schützen, ebenso Kleinkinder. Bei ihnen ist die Fähigkeit zur Körperkühlung noch nicht richtig ausgebildet.

Auch wer an heissen Tagen beruflich draussen arbeitet, etwa Bauarbeiter, benötigt besondere Schutzmassnahmen, denn Hitze erhöht das Unfallrisiko: Europäische Automobilclubs warnen seit längerem, dass beim Autofahren Hitze die gleiche Wirkung habe wie 0,5 Promille Alkohol im Blut.

Brauchen wir zwei Liter Wasser am Tag?

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Täglich acht Gläser Wasser trinken? Das ist ein Mythos. Dr. med. Claudia Twerenbold erklärt, wie viel Wasser der Körper wirklich braucht.

Quelle: Beobachter Bewegtbild

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Mehr Notfälle im Spital

Eine Studie hat anhand des heissen Sommers 2015 untersucht, ob Menschen wegen Hitze häufiger ein Spital aufsuchen müssen: In der Schweiz kam es zu 2768 zusätzlichen Notfalleintritten, registrierte das Team um Martina Ragettli vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut. In jenen Regionen, in denen auch die Temperaturen am höchsten waren, war der Anstieg am stärksten. Besonders betroffen waren schweizweit Menschen über 75 Jahre.

Die häufigsten Ursachen für die zusätzlichen Notfall-Spitaleintritte waren Infektionskrankheiten, Lungenentzündungen, Erkrankungen des Verdauungssystems und Krankheiten, die die Nieren betreffen. Das mag erst einmal seltsam klingen, hat aber damit zu tun, dass die Hitze für den Körper eine (zusätzliche) Belastung darstellt. «Zudem können sich Viren und Bakterien bei warmen Temperaturen schneller ausbreiten, was wiederum Infektionskrankheiten begünstigt», sagt Ragettli.

Illustration: Notfallsituation vor einem Spital
Quelle: Illumueller
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Neue Krankheiten?

Zecken entwickeln sich schneller, weil es wärmer geworden ist. Sie können wegen des Temperaturanstiegs auch in höheren Lagen überleben und deshalb neue Gebiete erobern Zecken- und Insektenstiche «Die Schweiz ist ein Zecken-Hochrisikoland» . Und sie sind über einen längeren Zeitraum aktiv, die Zeckensaison dauert heute von März bis Dezember.

«Dass mehr Menschen gebissen werden, hat aber auch mit indirekten Faktoren zu tun», sagt Pie Müller vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut. «Wenn es wärmer ist, halten sich die Menschen öfter draussen auf.»

Müller hat aber auch die Asiatische Tigermücke Erreger Wie gefährlich ist das Zika-Virus? im Blick, eine invasive Art, die Krankheiten wie Zika, Chikungunya oder Dengue-Fieber übertragen kann. Im Tessin, in Genf und Basel ist sie bereits heimisch. «Künftig wird sie das wahrscheinlich in weiteren Regionen.» Bislang ist die Mücke vor allem lästig, das Gesundheitsrisiko klein. Denn damit die Tigermücke eine Krankheit übertragen kann, muss sie zuvor einen infektiösen Menschen gestochen haben. Davon gibt es in der Schweiz bis jetzt nur wenige.

Eine weitere Gefahr könnte von der Nördlichen Hausmücke ausgehen: Sie kann das West-Nil-Virus übertragen, an dem hauptsächlich Vögel erkranken. Die meisten Infektionen beim Menschen verlaufen unproblematisch, manchmal kann es jedoch zu schweren Komplikationen wie Hirnhautentzündungen kommen. In der Schweiz sind bisher keine Übertragungen festgestellt worden. Das könnte sich aber ändern, wenn es wärmer wird, sagt Müller. «In heissen Jahren gab es in anderen europäischen Ländern vermehrt West-Nil-Virus-Fälle.»

Illustration: Zecke und Insekt
Quelle: Illumueller

Hilft Kühlen gegen Insektenstiche?

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Kühlen soll gegen Insektenstiche helfen. Weshalb das Gegenteil heilender wirkt, erklärt Dr. med. Twerenbold.

Quelle: Beobachter Bewegtbild

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Heuschnupfen ohne Ende

Hasel blüht heute schon im Januar, teilweise gar schon im Dezember – und die letzten allergenen Pflanzen setzen ihre Pollen bis im September frei. Die Pollensaison Heuschnupfen Tipps, wie Sie die Pollensaison überstehen ist in der Schweiz in den letzten drei Jahrzehnten wegen des Temperaturanstiegs länger und intensiver geworden. Das hat Marloes Eeftens vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut festgestellt, die in einer aktuellen Studie Pollendaten von zwölf Pflanzenarten in der ganzen Schweiz untersucht hat.

«Weil die meisten Allergiker auf verschiedene Pflanzen reagieren, haben viele nun während eines grossen Teils des Jahres Symptome.» Fünf Arten, darunter Hasel und Birke Pollen Mit den Reizen über Kreuz , produzieren zudem mehr Pollen. Ob das zu stärkeren Symptomen führt, erforscht Eeftens noch. Sie hält es für wahrscheinlich. «Zwar verschwinden die meisten Symptome rasch wieder, wenn man den Pollen nicht mehr ausgesetzt ist. Aber Betroffene können auch allergisches Asthma oder eine systemische Entzündung entwickeln.»

Ebenfalls im Auge behalten müsse man bestimmte hochallergene Pflanzen wie Ambrosia. Sie verursacht oft Asthma und könnte sich auch in der Schweiz ausbreiten. «In der Schweiz hat man Ambrosia bis jetzt unter Kontrolle, in Frankreich und den Balkanländern ist sie aber zum Problem geworden», sagt Eeftens.

Insgesamt leiden heute rund 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung an Pollenallergien. Eeftens ist selbst betroffen und weiss, was hilft: Sie nimmt Medikamente, plant ihre Aktivitäten mit der Pollenvorhersage von Meteo Schweiz und setzt zu Hause auf Luftfiltrationsgeräte.

Illustrationen: Menschen mit Heuschnupfen
Quelle: Illumueller

Hilft ein Gewitter gegen Heuschnupfen?

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Ein Gewitter kann für Pollenallergiker ganz schön gefährlich werden. Ärztin Claudia Twerenbold erklärt im Video, warum.

Quelle: Beobachter Bewegtbild

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Gefährliches Ozon

Der Klimawandel wirkt sich auf die Luftqualität aus. Wenn die Temperaturen steigen wie erwartet, werden wir über längere Perioden hinweg einer hohen Konzentration von bodennahem Ozon ausgesetzt sein. Denn dieses bildet sich erst bei intensiver Sonneneinstrahlung.

Hohe Ozonwerte können dazu führen, dass Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie der Lungenkrankheit COPD oder Asthma mehr und stärkere Symptome haben und häufiger der Arbeit fernbleiben müssen, weiss Martina Ragettli vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut.

Und auch mit Todesfällen ist in Zukunft vermehrt zu rechnen: Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur sind im Jahr 2018 in der Schweiz 350 Menschen wegen der Ozonbelastung vorzeitig gestorben.

Illustration: Mann leidet an Atemproblemen wegen Ozonbelastung
Quelle: Illumueller
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Wie wir mit der Hitze umgehen können

Mit ein paar einfachen Regeln kann man sich gut gegen Hitze schützen.

Es geht erstens darum, körperliche Anstrengung wie Velofahren, Joggen, Training im Freien oder auch bloss Einkäufe um die besonders heisse Mittagszeit zu vermeiden Sport bei Hitze Fit bleiben mit kühlem Kopf .

Zweitens sollte man die Hitze eindämmen, indem man nachts lüftet, tagsüber die Fensterläden schliesst und den Körper kühlt, etwa mit kalten Duschen Kalt abduschen lohnt sich Die Kraft des kalten Wassers .

Drittens empfiehlt es sich, möglichst viel zu trinken und leicht zu essen.

«Ältere Menschen oder andere Risikopersonen brauchen während Hitzeperioden unsere besondere Aufmerksamkeit», fügt Martina Ragettli vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut hinzu. Es sei zentral, die Bevölkerung und das Gesundheitspersonal für Risiken und sinnvolle Verhaltensweisen zu sensibilisieren.

Langfristig sind aber auch die Architektur und die Stadtplanung gefordert: Bei Gebäuden sollte vermehrt an eine energieeffiziente Kühlung gedacht werden, Hitzestau und Wärmeinseln kann man mit Begrünung Aufgeheizte Städte Das enorme Potenzial der Flachdächer oder hellen Anstrichfarben entgegenwirken.

Daneben braucht es aber auch einen griffigen Klimaschutz. «Wenn wir es schaffen, die globale Erwärmung deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, werden wir weltweit in den meisten Regionen einen starken Anstieg temperaturbedingter Sterblichkeit verhindern können», sagt Martina Ragettli.

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Kühlen kalte Getränke an heissen Tagen am besten?

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Sommer, Sonne, kühles Bier – oder warmer Tee? Dr. med. Claudia Twerenbold erklärt, was unserem Körper beim Abkühlen wirklich hilft.

Quelle: Beobachter Bewegtbild

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Julia Hofer, Redaktorin

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