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FlugverspätungWann habe ich Anspruch auf Entschädigung?

Welche Rechte haben Passagiere, wenn sich ihr Flug verspätet? Wir erklären, in welchen Fällen Sie Ansprüche geltend machen können.

Ist eine Flugverspätung auf «aussergewöhnliche Umstände» zurückzuführen, gibt es keine Entschädigung.
von und aktualisiert am 07. September 2018

Sommerzeit heisst Reisezeit. Sobald die Schulferien beginnen, packt viele Schweizer Familien das Fernweh Urlaub Reisen mit Kindern , weshalb an den Flughäfen mit langen Warteschlangen zu rechnen ist. Dabei kann es auch Verspätungen geben, sei es aufgrund des erhöhten Verkehrsaufkommens, wegen technischer Probleme bei der Airline oder weil ein Sommergewitter einen Strich durch die Start- und Landeplanungen macht.

Die Frage bei solchen Vorkommnissen ist jedoch immer dieselbe.

Erhalten Fluggäste eine Entschädigung?

Prinzipiell gilt für alle Airlines, die von einem Schweizer oder EU-Flughafen starten, die EU-Verordnung Nr. 261/2004 bei Verspätungen, Überbuchungen oder Annullierungen. An die gleiche Verordnung gebunden sind auch alle Flüge einer Schweizer oder EU-Fluggesellschaft in die Schweiz oder in die EU-Länder. Diese schreibt vor, dass ab einer Verspätung von zwei Stunden Getränke- und Verpflegungsvoucher zur Verfügung gestellt werden müssen.

Erst bei einer sogenannten «Grossen Verspätung» können Reisende finanzielle Ansprüche geltend machen. Achtung: Eine Entschädigung ist nur gemäss EU-Rechtsprechung geschuldet – in der Schweiz fehlen entsprechende Entscheide. Darum klagen Flugpassagiere mit Vorteil vor einem europäischen Gericht Flugverspätungen Schweizer klagen mit Vorteil in der EU .

Was gilt als «Grosse Verspätung»?

Dauer und Distanz Anspruch

· 2 Stunden bei Flügen bis 1500 Kilometer

· 3 Stunden bei Flügen bis 3500 Kilometer

· 4 Stunden bei Flügen über 3500 Kilometer
 
In allen drei Fällen:
· Verpflegung
· zwei Telefongespräche oder E-Mails
· eine Hotelübernachtung, falls der Flug erst am nächsten Tag durchgeführt wird
Anspruch auf finanzielle Entschädigung

Flug kommt mindestens 3 Stunden verspätet am Ziel an

· 250 Euro pro Person bei Strecken bis 1500 Kilometer
· 400 Euro pro Person bei Strecken bis 3500 Kilometer
· 600 Euro pro Person bei Strecken über 3500 Kilometer
 

Im Merkblatt «Ihre Rechte als Flugpassagier» finden Mitglieder von Guider eine detaillierte Auflistung, was man einfordern kann und was nicht.

Verpasst man einen Anschlussflug mit der gleichen Airline, gilt die Verspätung am Endziel. Ab fünf Stunden Verspätung ist man zudem berechtigt, von der Flugbuchung zurückzutreten. Die Fluggesellschaft muss die Ticketkosten innert sieben Tagen zurückerstatten.

Wie bei einer Flugannullierung entfällt bei einer «Grossen Verspätung» die finanzielle Entschädigung allerdings, wenn die verspätete Ankunft auf «aussergewöhnliche Umstände» zurückzuführen ist. Dazu zählen beispielsweise schlechtes Wetter oder höhere Gewalt. Technische Probleme gelten nur dann als «aussergewöhnliche Umstände», wenn sie auf Fabrikationsfehler, Sabotage- oder Terrorakte zurückzuführen sind.

Fazit: Gestrandete Passagiere haben bei grossen Verspätungen ein Recht auf die beschriebene Betreuungsmassnahmen (siehe «Anspruch» in der rechten Spalte der Tabelle oben). Vom Flug zurücktreten kann man jederzeit, jedoch erhält man die Kosten für das Flugticket erst ab einer Verspätung von fünf Stunden zurück. Betroffene Passagiere sollten in diesem Fall die Airline kontaktieren.

Entschädigung bei einem Codeshare-Flug

Ein anderes Problem stellen sogenannte Codeshare- oder «wet lease»-Flüge dar. Das bedeutet, dass man beispielsweise einen Flug bei Swiss gebucht hat, der Flug jedoch etwa von Eurowings durchgeführt wird. Hier kommt es bei der Frage nach der Zuständigkeit für die Entschädigung gemäss EU-Verordnung darauf an, welche Airline als «ausführendes Luftfahrtunternehmen» gilt.

Der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) hat in einem Urteil zu diesem Begriff Stellung genommen. Es muss danach darauf abgestellt werden, welche Airline die operationelle Verantwortung für die Durchführung des Fluges trägt. Hat der Passagier beispielsweise einen Flug über Swiss gebucht, die Swiss mietet aber für die Durchführung des Fluges ein Flugzeug der Eurowings samt Besatzung («wet lease» bzw. Subcharter), dann haftet gleichwohl Swiss für allfällige Ausgleichszahlungen. Swiss bleibt in diesem Fall das ausführende Luftfahrtunternehmen.

Anders kann es sich aber bei einem sogenannten Codeshare-Flug verhalten, wobei sich verschiedene Airlines bestimmte Flüge teilen. Handelt es sich bei der tatsächlich fliegenden Airline nicht um einen Subcharter und trägt sie selbst die gesamte Verantwortung für die Durchführung des Fluges, dann haftet sie auch für Ausgleichszahlungen. Trägt beispielsweise Eurowings die Verantwortung für die Durchführung des Fluges, obwohl man bei Swiss gebucht hat, haftet Eurowings für Ausgleichszahlungen.

Die Rechtsprechung des EuGH über diese Entschädigungsfrage ist für Schweizer Gerichte nicht verbindlich, sie kann jedoch einen Anhaltspunkt bieten. Dennoch sollten Kunden versuchen, sich bei den formal zuständigen Airlines zu wehren, um eine Entschädigung einzuholen. Wird die Forderung nicht anerkannt, können private Inkassofirmen weiterhelfen oder man beschwert sich beim Bazl (siehe Box unten) über die Airline.

Julia Gubler

Keine Entschädigung von Airline: Wo kann ich mich beschweren?

Den Anspruch auf Entschädigung macht man am besten direkt und vor Ort bei der Airline geltend.

Zahlt die Fluggesellschaft nicht, kann man sich ans Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) wenden – sofern der Abflug von einem Schweizer Flughafen erfolgt oder eine Schweizer- oder EU-Airline den Flug von einem Nicht-EU-Staat in die Schweiz durchgeführt hat. In anderen Fällen ist die Aufsichtsbehörde des betreffenden Landes zuständig.

Gut zu wissen: Das Bazl kann in seiner Funktion als Aufsichtsbehörde die Airline nicht zu einer Auszahlung der Entschädigung zwingen. Da das Bundesamt jedoch Bussen von bis zu 20'000 Franken gegen fehlbare Flugunternehmen verhängen kann, folgen die Airlines heutzutage dennoch der Anweisung, wenn das Bazl die Entschädigungsforderung für berechtigt hält.

Fall gelöst: Airline zahlt Entschädigung für Umbuchung

Für Heinz Gerber (Name geändert) und seine Familie endeten die Ferien auf der griechischen Insel Naxos mit einem verspäteten Heimflug nicht so glücklich. Der Start war für 9.30 Uhr vorgesehen – doch die Maschine der Aegan Airlines hob erst kurz vor 13 Uhr ab. So verpassten die Gerbers den Swiss-Anschlussflug von Athen nach Zürich, der pünktlich um 13.25 Uhr startete.

Die Familie verlangte eine kostenlose Umbuchung. Doch die Aegean Airlines wollte davon nichts wissen. Es blieb nichts anderes übrig, als für den Weiterflug neue Flugtickets zu kaufen – Kostenpunkt insgesamt 530 Euro. «Können wir eine Entschädigung fordern? Und wenn ja, von wem?», wollte Heinz Gerber an der Hotline des Beobachter-Beratungszentrums wissen.

Ja, war die Antwort, und zwar von der Aegean Airlines. Es gilt die Europäische Fluggastrechtverordnung. Der Europäische Gerichtshof hat in einem Grundsatzentscheid festgelegt, dass man bei einer grossen Verspätung dieselben Ansprüche hat wie bei einer Annullierung des Flugs. Für eine Strecke bis 1500 Kilometer und eine Verspätung von mindestens zwei Stunden ist das eine Entschädigung von 250 Euro pro Person (siehe Tabelle oben). Heinz Gerber machte schriftlich seine Ansprüche gemäss Fluggastrechtverordnung geltend. Mit Erfolg: Die Aegean Airlines zahlte ihm und seiner Familie eine Entschädigung von 1000 Euro.

Nathalie Garny (03.03.2017)

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