Flugverspätung

Wann habe ich Anspruch auf Entschädigung?

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Welche Rechte haben Passagiere, wenn sich ihr Flug verspätet? Wir erklären, in welchen Fällen Sie Ansprüche geltend machen können.

von Elio Bucheraktualisiert am June 06, 2016

Werden Warteschlangen am Schalter länger und länger, werden Kunden nervöser und nervöser. Ein Bild, das sich jüngst auch am Flughafen Zürich zeigte. Ein Computerproblem führte bei den Check-In-Schaltern zu Wartezeiten, die Abfertigung des Gepäcks funktionierte nur noch manuell. Bei den Abflugzeiten kam es deshalb vorübergehend zu Verspätungen.

Ärgerlich ist das für Passagiere, die wegen des verspäteten Abflugs einen Anschluss verpassen (siehe weiter unten «Fall gelöst: Airline zahlt Entschädigung für Umbuchung»). Da die Verspätungen im jüngsten Fall lediglich zwischen 40 und 60 Minuten betrugen, bestanden für betroffene Reisende keinerlei Ansprüche. Airlines verzichten in solchen Fällen normalerweise auch auf Kulanzaktionen, wie Swiss-Sprecherin Sonja Ptassek bestätigt: «Bei grösseren Verspätungen bis zu fünf Stunden werden den Passagieren Getränke- und Verpflegungsvoucher zur Verfügung gestellt, bei Verspätungen bis zu einer Stunde in der Regel jedoch nicht.»

Ansprüche können Reisende erst bei einer sogenannten «Grossen Verspätung» geltend machen. Diese ist in der EU-Verordnung Nr. 261/2004 geregelt, die auch für die Schweiz gültig ist.

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Was gilt als «Grosse Verspätung»?

Dauer und Distanz Anspruch

· 2 Stunden bei Flügen bis 1500 Kilometer

· 3 Stunden bei Flügen bis 3500 Kilometer

· 4 Stunden bei Flügen über 3500 Kilometer

In allen drei Fällen:
· Verpflegung
· zwei Telefongespräche oder E-Mails
· eine Hotelübernachtung, falls der Flug erst am nächsten Tag durchgeführt wird
Anspruch auf finanzielle Entschädigung

Flug kommt mindestens 3 Stunden verspätet am Ziel an

· 250 Euro bei Strecken bis 1500 Kilometer
· 400 Euro bei Strecken bis 3500 Kilometer
· 600 Euro bei Strecken über 3500 Kilometer

Verpasst man einen Anschlussflug, gilt die Verspätung am Endziel. Ab fünf Stunden Verspätung ist man zudem berechtigt, von der Flugbuchung zurückzutreten. Die Fluggesellschaft muss die Ticketkosten innert sieben Tagen zurückerstatten.

Wie bei einer Flugannullierung entfällt bei einer «Grossen Verspätung» die Entschädigung allerdings, wenn die verspätete Ankunft auf «aussergewöhnliche Umstände» zurückzuführen ist. Dazu zählen beispielsweise schlechtes Wetter oder höhere Gewalt. Technische Probleme gelten nur dann als «aussergewöhnliche Umstände», wenn sie auf Fabrikationsfehler, Sabotage- oder Terrorakte zurückzuführen sind.

Keine Entschädigung von Airline: Wo kann ich mich beschweren?

Den Anspruch auf Entschädigung macht man am besten direkt und vor Ort bei der Airline geltend.

Zahlt die Fluggesellschaft nicht, kann man sich ans Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) wenden – sofern der Abflug von einem Schweizer Flughafen erfolgt oder eine Schweizer- oder EU-Airline den Flug von einem Nicht-EU-Staat in die Schweiz durchgeführt hat. In anderen Fällen ist die Aufsichtsbehörde des betreffenden Landes zuständig.

Gut zu wissen: Das BAZL kann in seiner Funktion als Aufsichtsbehörde die Airline nicht zu einer Auszahlung der Entschädigung zwingen. Da das Bundesamt jedoch Bussen von bis zu 20'000 Franken gegen fehlbare Flugunternehmen verhängen kann, folgen die Airlines heutzutage dennoch der Anweisung, wenn das BAZL die Entschädigungsforderung für berechtigt hält.

Fall gelöst: Airline zahlt Entschädigung für Umbuchung

Für Heinz Gerber (Name geändert) und seine Familie endeten die Ferien auf der griechischen Insel Naxos mit einem verspäteten Heimflug nicht so glücklich. Der Start war für 9.30 Uhr vorgesehen – doch die Maschine der Aegan Airlines hob erst kurz vor 13 Uhr ab. So verpassten die Gerbers den Swiss-Anschlussflug von Athen nach Zürich, der pünktlich um 13.25 Uhr startete.

Die Familie verlangte eine kostenlose Umbuchung. Doch die Aegean Airlines wollte davon nichts wissen. Es blieb nichts anderes übrig, als für den Weiterflug neue Flugtickets zu kaufen – Kostenpunkt insgesamt 530 Euro. «Können wir eine Entschädigung fordern? Und wenn ja, von wem?», wollte Heinz Gerber an der Hotline des Beobachter-Beratungszentrums wissen.

Ja, war die Antwort, und zwar von der Aegean Airlines. Es gilt die Europäische Fluggastrechtverordnung. Der Europäische Gerichtshof hat in einem Grundsatzentscheid festgelegt, dass man bei einer grossen Verspätung dieselben Ansprüche hat wie bei einer Annullierung des Flugs. Für eine Strecke bis 1500 Kilometer und eine Verspätung von mindestens zwei Stunden ist das eine Entschädigung von 250 Euro pro Person (siehe Tabelle oben). Heinz Gerber machte schriftlich seine Ansprüche gemäss Fluggastrechtverordnung geltend. Mit Erfolg: Die Aegean Airlines zahlte ihm und seiner Familie eine Entschädigung von 1000 Euro.

Nathalie Garny (03.03.2017)

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