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FlugverspätungWann habe ich Anspruch auf Entschädigung?

Welche Rechte haben Passagiere, wenn sich ihr Flug verspätet? Lesen Sie hier, in welchen Fällen Sie Ansprüche geltend machen können.

Ist eine Flugverspätung auf «aussergewöhnliche Umstände» zurückzuführen, gibt es keine Entschädigung.
von , und aktualisiert am 04. Oktober 2018

Sobald die Schulferien beginnen, packt viele Schweizer Familien das Fernweh und sie fliegen in alle Himmelsrichtungen. Dabei kann es auch Verspätungen geben, sei es aufgrund des erhöhten Verkehrsaufkommens Verspätete Flüge Die Hauptprobleme sind ungelöst , wegen technischer Probleme bei der Airline oder weil das Wetter einen Strich durch die Start- und Landeplanungen macht.

Die Frage bei solchen Vorkommnissen ist jedoch immer dieselbe.

Erhalten Fluggäste eine Entschädigung?

Prinzipiell gilt für alle Airlines, die von einem Schweizer oder EU-Flughafen starten, die EU-Verordnung Nr. 261/2004, die Überbuchungen, Annullierungen oder grosse Verspätungen regelt. Die gleiche Verordnung gilt auch für alle Flüge einer Schweizer oder EU-Fluggesellschaft in die Schweiz oder in die EU-Länder. Sie schreibt vor, dass die Fluggesellschaft je nach Flugstrecke ab einer Abflugsverspätung von zwei Stunden Getränke- und Verpflegung zur Verfügung stellen muss.

In der EU können Reisende zusätzlich eine finanzielle Entschädigung geltend machen, wenn der Flug mehr als drei Stunden verspätet ankommt. In der Schweiz hat das Bülacher Bezirksgericht in einem Urteil von 2016 diesen Anspruch abgelehnt. Ob ein anderes Gericht auch so entscheiden würde, ist offen. Schweizer Passagiere müssten in der EU klagen Flugverspätungen Schweizer klagen mit Vorteil in der EU .

Was gilt als «Grosse Verspätung» beim Abflug?

Dauer und Distanz Anspruch

· 2 Stunden bei Flügen bis 1500 Kilometer

· 3 Stunden bei Flügen zwischen 1500 und 3500 Kilometer

· 4 Stunden bei Flügen über 3500 Kilometer
 
In allen drei Fällen:
· Verpflegung
· zwei Telefongespräche oder E-Mails
· eine Hotelübernachtung, falls der Flug erst am nächsten Tag durchgeführt wird
Anspruch auf finanzielle Entschädigung in der EU

Flug kommt mindestens 3 Stunden verspätet am Ziel an

· 250 Euro pro Person bei Strecken bis 1500 Kilometer
· 400 Euro pro Person bei Strecken bis 3500 Kilometer
· 600 Euro pro Person bei Strecken über 3500 Kilometer
 

Im Merkblatt «Ihre Rechte als Flugpassagier» finden Mitglieder von Guider eine detaillierte Auflistung zu den Ansprüchen von Fluggästen.

Verpasst man einen Anschlussflug mit der gleichen Airline, gilt die Verspätung am Endziel. Ab fünf Stunden Verspätung ist man zudem berechtigt, von der Flugbuchung zurückzutreten. Die Fluggesellschaft muss die Ticketkosten innert sieben Tagen zurückerstatten.

Wie bei einer Flugannullierung entfällt bei einer «Grossen Verspätung» die finanzielle Entschädigung allerdings, wenn die verspätete Ankunft auf «aussergewöhnliche Umstände» zurückzuführen ist. Dazu zählen beispielsweise schlechtes Wetter oder höhere Gewalt. Technische Probleme gelten nur dann als «aussergewöhnliche Umstände», wenn sie auf Fabrikationsfehler, Sabotage- oder Terrorakte zurückzuführen sind.

Fazit: Gestrandete Passagiere haben bei grossen Verspätungen ein Recht auf die beschriebenen Betreuungsleistungen (siehe «Anspruch» in der rechten Spalte der Tabelle oben). Vom Flug zurücktreten kann man jederzeit, jedoch erhält man die Kosten für das Flugticket erst ab einer Verspätung von fünf Stunden zurück. Betroffene Passagiere sollten in diesem Fall die Airline kontaktieren.

Entschädigung bei einem Codeshare-Flug

Ein anderes Problem sind sogenannte Codeshare- oder «wet lease»-Flüge dar. Das bedeutet, dass man beispielsweise einen Flug bei Swiss gebucht hat, der Flug jedoch von einer anderen Airline, zum Beispiel Eurowings durchgeführt wird. Hier kommt es bei der Frage nach der Zuständigkeit für die Entschädigung gemäss EU-Verordnung darauf an, welche Airline als «ausführendes Luftfahrtunternehmen» gilt.

Der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) hat in einem Urteil zu diesem Begriff Stellung genommen. Es muss danach darauf abgestellt werden, welche Airline die operationelle Verantwortung für die Durchführung des Fluges trägt. Hat der Passagier beispielsweise einen Flug über Swiss gebucht, die Swiss mietet für die Durchführung des Fluges ein Flugzeug der Eurowings samt Besatzung («wet lease» bzw. Subcharter), dann haftet gleichwohl Swiss für allfällige Ausgleichszahlungen. Swiss bleibt in diesem Fall das ausführende Luftfahrtunternehmen.

Anders verhält es sich bei einem sogenannten Codeshare-Flug. Beispiel: Der Flug ist über Swiss gebucht, Eurowings führt in durch. In diesem Fall muss Eurowings allfällige Ausgleichszahlungen leisten.

Die Rechtsprechung des EuGH über diese Entschädigungsfrage ist für Schweizer Gerichte nicht verbindlich. Dennoch sollten Kunden versuchen, sich bei den formal zuständigen Airlines zu wehren, um eine Entschädigung einzuholen. Wird die Forderung nicht anerkannt, können spezialisierte Inkassofirmen wie cancelled.ch, flightright.de oder airhelp.de weiterhelfen. Oder man beschwert sich beim Bazl (siehe Box unten) über die Airline.

Julia Gubler

Keine Entschädigung von Airline: Wo kann ich mich beschweren?

Den Anspruch auf Entschädigung macht man am besten direkt und vor Ort bei der Airline geltend.

Zahlt die Fluggesellschaft nicht, kann man sich ans Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) wenden – sofern der Abflug von einem Schweizer Flughafen erfolgt oder eine Schweizer- oder EU-Airline den Flug von einem Nicht-EU-Staat in die Schweiz durchgeführt hat. In anderen Fällen ist die Aufsichtsbehörde des betreffenden Landes zuständig.

Gut zu wissen: Das Bazl kann in seiner Funktion als Aufsichtsbehörde die Airline nicht zu einer Auszahlung der Entschädigung zwingen. Da es jedoch Bussen von bis zu 20'000 Franken gegen fehlbare Flugunternehmen verhängen kann, folgen die Airlines in der Regel der Anweisung, wenn das Bazl die Entschädigungsforderung für berechtigt hält.

Fall gelöst: Airline zahlt Entschädigung für Umbuchung

Für Heinz Gerber (Name geändert) und seine Familie endeten die Ferien auf der griechischen Insel Naxos mit einem verspäteten Heimflug nicht so glücklich. Der Start war für 9.30 Uhr vorgesehen – doch die Maschine der Aegan Airlines hob erst kurz vor 13 Uhr ab. So verpassten die Gerbers den Swiss-Anschlussflug von Athen nach Zürich, der pünktlich um 13.25 Uhr startete.

Die Familie verlangte eine kostenlose Umbuchung. Doch die Aegean Airlines wollte davon nichts wissen. Es blieb nichts anderes übrig, als für den Weiterflug neue Flugtickets zu kaufen – Kostenpunkt insgesamt 530 Euro. «Können wir eine Entschädigung fordern? Und wenn ja, von wem?», wollte Heinz Gerber an der Hotline des Beobachter-Beratungszentrums wissen.

Ja, war die Antwort, und zwar von der Aegean Airlines. Es gilt die Europäische Fluggastrechtverordnung. Der Europäische Gerichtshof hat in einem Grundsatzentscheid festgelegt, dass man bei einer grossen Verspätung dieselben Ansprüche hat wie bei einer Annullierung des Flugs. Für eine Strecke bis 1500 Kilometer und eine Verspätung von mindestens zwei Stunden ist das eine Entschädigung von 250 Euro pro Person (siehe Tabelle oben). Heinz Gerber machte schriftlich seine Ansprüche gemäss Fluggastrechtverordnung geltend. Mit Erfolg: Die Aegean Airlines zahlte ihm und seiner Familie eine Entschädigung von 1000 Euro.

Nathalie Garny (03.03.2017)

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