Schlechte Chefs führen im Gesundheitswesen nicht etwa dazu, dass die Angestellten häufiger zu Hause bleiben, wenn sie krank sind. Sondern zum Gegenteil – mehr Arbeitspräsenz. Mit negativen Folgen für die Gesundheit. 

Zu diesem überraschenden Ergebnis kam ein Masterstudent für Ausbildungsmanagement an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Er hat das Fehlzeitenverhalten von 40 Pflegefachpersonen aus zwei Spitex-Organisationen analysiert und die Erkenntnisse im Fachmagazin «HR Today» publiziert. 

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Der Autor der Arbeit, Simon Michel, wollte verstehen, inwiefern sich die Unternehmenskultur, Stress oder eben das Führungsverhalten von Chefs auf Angestellte auswirken, die krank sind. Er fand zunächst einmal heraus, dass Spitex-Mitarbeitende seltener krank werden, wenn sie eine positive Unternehmenskultur empfanden. Oder – logisch – wenn sie sich gesund ernährten.

Pflegefachleute besonders betroffen?

Aber dann war da eben noch der interessante Befund mit den Chefs: «Je schlechter das Verhalten der Vorgesetzten bewertet wurde, desto tiefer waren die Fehlzeiten.» Im Durchschnitt fehlen Spitex-Angestellte nämlich pro Jahr 15,4 Tage infolge Krankheit und Unfall. Unter den 40 Befragten hatten diejenigen Angestellten, die ihre Vorgesetzten negativ bewerteten, pro Jahr deutlich weniger Krankheitstage. Nämlich durchschnittlich 7,25 Tage. Das ist weniger als die Hälfte. 

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Laut Gesundheitsstudien hat das mit einem Phänomen zu tun, das in der Pflegebranche verbreitet ist: Präsentismus. Damit ist das Verhalten von Arbeitnehmern gemeint, die trotz Krankheit am Arbeitsplatz erscheinen oder krank im Homeoffice arbeiten. Anstatt sich auszukurieren. 

Berner Forschende haben untersucht, dass Präsentismus bei Pflegefachpersonen unter anderem mit Loyalitätsgefühlen gegenüber Arbeitskolleginnen, Jobunsicherheit, aber auch der Angst vor Konsequenzen bei Fehlzeiten zusammenhängt. Ein autoritärer Führungsstil kann Präsentismus fördern, heisst es in der Studie. Einfach gesagt, führen strenge Chefs sozusagen zu einer Art «Krankheitsscham».

Folgen für Arbeitgeber langfristig schlecht

Die Folgen für die Betroffenen, aber auch die Unternehmen, können gravierend sein. Krankheiten können verschleppt werden und dann zu längeren Ausfallzeiten führen. Ausserdem sinkt die Produktivität wegen Müdigkeit und Burn-out-Erscheinungen. 

Laut «HR Today» sind Chefs also gut bedient damit, ihre Angestellten auskurieren zu lassen. Von Vorteil ist, wenn sie damit bei sich selbst anfangen – also auch einmal eine Pause einlegen, wenn sie krank sind. Michel: «Wirksame Gesundheitsförderung beginnt im Team bei den Führungspersonen selbst.»

Was ist Ihre Meinung?

Haben Sie auch schon gearbeitet, obwohl Sie eigentlich krank waren? Wenn ja, warum? Diskutieren Sie mit in der Kommentarspalte!

Quellen