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AnlegerschutzWo ist mein Geld sicher?

Die Einlagensicherung der Banken schützt Erspartes nur begrenzt. Und der Bund garantiert für die Postfinance ab 1. Oktober 2017 nicht mehr. Wie soll man sein Kapital anlegen?

Lassen Sie den Aspekt Sicherheit niemals ausser Acht. Verteilen Sie Ihr Kapital auf mehrere Institute, um das Risiko möglichst tief zu halten.
von aktualisiert am 25. September 2017

Früher garantierte der Bund für sämtliche Einlagen bei der Postfinance unbegrenzt. 2013 wurde sie in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und erhielt eine Banklizenz. Mit diesem Schritt fiel die unbeschränkte Staatsgarantie dahin. Bis Ende September 2017 steht der Bund noch für maximal 100'000 Franken pro Kunde gerade – Kassenobligationen sind in dieser Summe eingeschlossen.

Ab 1. Oktober 2017 entfällt die Staatsgarantie für die Postfinance gänzlich. Auch laufende Kassenobligationen geniessen seit Ende Juni 2013 keinen vollen Schutz mehr.

Post­finance gilt als jedoch eine ebenso solide Bank wie Raiffeisen oder die Waadtländer Kantonalbank, beides Geldhäuser ohne Staatsgarantie. 

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Maximaler Schutz: 6 Milliarden Franken

Ab dann gilt die Postfinance als Bank mit gleichem Einlegerschutz wie andere. Der Schutz, ebenfalls bis zum Betrag von 100'000 Franken pro Kunde, ist aber weniger sicher als eine Staatsgarantie. Die Einlagen – dazu zählen Konten, Kassenobligationen und Festgelder – sind bis zum Maximalbetrag in der zweiten Konkursklasse und damit gegenüber anderen Forderungen privilegiert. Höhere Beträge fallen bei einer Pleite oder einer harten Sanierung der Bank in die dritte Konkursklasse.

Das hat Folgen. Das durch die Ein­lagensicherung geschützte Geld müsste ­eigentlich innerhalb von 20 Tagen an die Kunden ausbezahlt werden. Doch es steht kein Fonds bereit – die Banken müssen das Geld erst aufbringen. Um das System nicht zu gefährden, wurden die Verpflichtungen auf sechs Milliarden Franken begrenzt. Die eine Hälfte müssen die Banken flüssig halten, die andere können sie sonstwie aufbringen.

«Das Hauptziel der Einlagen­sicherung ist nicht ein Vollkaskoschutz aller Bankeinlagen. Der Zweck ist ein Schutz für Kleinanleger, die keine Möglichkeiten haben, die Sicherheit der Banken abzuklären», sagt Manuel Ammann, Bankenprofessor an der Universität St. Gallen. Bei einer Systemkrise würde der Schutz aber nicht funktionieren.

Für die Sparer bedeutet die Obergrenze: Geht eine mittlere Bank oder eine der Grossbanken pleite, reichen die sechs Milliarden nicht, um den Kunden 100'000 Franken auszahlen zu können. Man muss mit empfindlichen Kürzungen rechnen. Und die Auszahlung der restlichen privilegierten Forderungen könnte erst erfolgen, wenn Aktiven der Bank verflüssigt wurden.

«Deshalb müssen mindestens 125 Prozent der privilegierten Einlagen im Inland angelegt sein. Diese Regel sorgt dafür, dass genügend Vermögenswerte zur Verfügung stehen, um die privilegierten Gläubiger zu bedienen. In Extremfällen könnte aber auch das nicht ausreichen, wenn die Aktiven zu sehr tiefen Preisen liquidiert werden müssten», sagt Ammann. Zudem kann die Finanzmarktaufsicht (Finma) Ausnahmen von dieser Regel erlauben.

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Wie sicher Vermögensanlagen bei Banken, der Post oder bei Versicherungen sind, zeigt sich im schlimmsten aller Fälle: dem Konkurs des Finanzpartners. Guider zeigt seinen Mitgliedern auf, wie es in unsicheren Zeiten um die Sicherung der Einlagen steht.

Die rasche Auszahlung aus der Ein­lagensicherung habe nur den Zweck, die Kunden mit Geld zu versorgen, denn andernfalls geraten Private und KMU in Bedrängnis, wenn ihre Konten gesperrt sind.

Seit die neue Bankenkonkursverordnung im November 2012 in Kraft trat, kann die Finma nicht mehr nur den Konkurs über eine Bank verhängen, sondern auch deren Sanierung verlangen. Das wird sie aber nur tun, wenn dadurch die Gläubiger bessergestellt werden als bei einer Pleite.

Mögliche Folge für die Bankkunden: Vermögenswerte in der dritten Konkursklasse können in Eigenkapital der Bank umgewandelt werden. «Der Gläubiger wird so zum Aktionär der Bank», sagt Ammann. Um den neuen Vorschriften zu genügen, gaben die Grossbanken Anleihen aus, die sie im Krisenfall nicht zurückzahlen müssen. Bei der Credit Suisse heissen sie Coco-Bonds und würden in Aktien umgewandelt. Die Loss-Absorbing-Bonds der UBS hingegen würden komplett abgeschrieben, ebenso die nachrangige Anleihe von Raiffeisen. «Allen gemein sind Spezialklauseln und ein höherer Zins», sagt Ammann. «Dafür trägt der Käufer ein höheres Verlustrisiko.»

Kapital auf mehrere Banken verteilen

Nur Kantonalbanken bieten weiterhin den Rundumschutz der Spargelder. Mit Ausnahmen: Die Kantone Bern, Waadt und Genf schafften ihn ab. «Die Staatsgarantie gibt einen sehr weit gehenden Schutz, denn ein Konkurs eines Kantons ist ein sehr unwahrscheinliches Szenario», beruhigt Manuel Ammann.

Keinen Schutz geniessen Anleger dagegen, wenn sie ihr Geld bei Firmensparkassen wie der Coop Depositenkasse oder bei einer der unzähligen Baugenossenschaften anlegen. Dort ist ihr Kapital nur so sicher wie die Firma selber. Forderungen der Anleger werden genau gleich behandelt wie Forderungen aller anderen Gläubiger. Eine Einlagensicherung gibt es bei ihnen nicht.

Tipp: Lassen Sie den Aspekt Sicherheit niemals ausser Acht. Verteilen Sie Ihr Kapital auf mehrere Institute, um das Risiko möglichst tief zu halten. Denn je besser man diversifiziert hat, desto ruhiger kann man schlafen.

Bank pleite: Welche Anlagen sind betroffen?

Geht eine Bank in Konkurs, sind Anlagen, die Kunden im Depot halten, nicht betroffen. Der Grund: Die Bank verwaltet die Anlagen nur, sie ist nicht Schuldnerin. Wertschriften werden dem Kunden ausgehändigt respek­tive auf eine andere Bank übertragen. Wichtig sind im Konkursfall folgende Punkte:

  • Betroffen sind Obligationen und Aktien im Depot nur, wenn sie von der konkursiten Bank selber stammen.
     
  • Wenn Sie Ihre Bank ermächtigt haben, Wertpapiere aus Ihrem Depot gegen Gebühr zu verleihen, besteht im Konkursfall die Gefahr eines Verlustes. Verzichten Sie auf dieses «Securities Lending», wenn Sie die Mechanismen und Risiken nicht verstehen.
     
  • Anlagefonds und Indexaktien (ETF) fallen unter Sondervermögen. Im Konkursfall der Bank werden sie ausgesondert und gelten deshalb als sehr sicher. Ausgenommen sind Anlagefonds und ETFs, die die Wertpapiere oder Edelmetalle gar nicht physisch halten, sondern Tauschgeschäfte (Swaps) tätigen. Sie haben ein Gegenparteirisiko. Ist die Pleitebank die Gegenpartei, kann der Fonds Geld verlieren. Fragen Sie Ihren Bankberater.
     
  • Strukturierte Produkte sind Schuldverschreibungen der Bank, darum tragen Sie das Emittentenrisiko: Geht die Ausgabebank oder die Garantin pleite (wie Lehman Brothers während der Finanzkrise), droht der Totalverlust. Es gibt aber Schuldverschreibungen, die das Ausfallrisiko massiv senken: wenn Sicherheiten hinterlegt sind. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Bankberater danach.
     
  • Edelmetalle (Gold) auf Metallkonten werden wie gewöhnliche Forderungen gegenüber der Bank behandelt. Sie zählen nicht zu den privilegierten Einlagen, einen Schutz gibt es nicht.

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