Pling – so klingt es normalerweise, wenn Gläser aneinanderstossen. Bei Reto Kistler war es ein Knall. Der Zürcher touchierte mit dem Glas in seiner Hand ein zweites nur leicht, woraufhin dieses in tausend Scherben zersprang. «Der Begriff Explosion ist keine Übertreibung», sagt der 43-Jährige.

Sekunden zuvor war sein kleiner Sohn direkt danebengestanden. Die Splitter hätten ihn im Gesicht treffen können. Stattdessen landeten sie im Abendessen, auf dem Boden, in der Spülmaschine.

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Ein bekanntes Phänomen

Nach dem Aufräumen googelte Kistler, der eigentlich anders heisst. Marke: Ikea, Modell: Pokal. Die unzähligen Treffer zeigen: Was Kistler passierte, ist kein Einzelfall. Seit Jahren berichten Medien im deutschsprachigen Raum über «Pokal»-Gläser, die in Schränken, Restaurants oder Spülmaschinen zerbersten.

Bei Ikea erklärt man das so: «Pokal» bestehe aus gehärtetem Glas. Das sei eigentlich besonders sicher, bleibe aber ein zerbrechliches Material. Kratzer oder Stösse könnten zu Spannungen führen, die sich sofort oder eben verzögert entladen.

Beratung mit Chatbot

Gegenüber dem Beobachter betont das Unternehmen, Produktsicherheit habe höchste Priorität. Das Glas erfülle alle Standards, Vorfälle seien seit der Einführung im Jahr 2013 selten. Damit die Küche nicht zum Minenfeld wird, empfiehlt Ikea:

  • Keine zerkratzten oder angeschlagenen Gläser nutzen
  • Schnelle Temperaturwechsel vermeiden
  • Keine Metallschwämme verwenden
  • Kein Kontakt zu Besteck oder anderen Gläsern in der Spülmaschine
  • Nicht stapeln

Die Behörden greifen nicht ein

Einzelfälle also – aber solche, die sich häufen. Laut «Tages-Anzeiger» trat die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) Ende 2025 mit Ikea in Kontakt. Ob ein Verbot oder ein Rückruf nötig ist, prüft sie anhand von Stellungnahmen, Unterlagen und Beschwerden auf Meldeplattformen.

Bisher scheint das nicht nötig. «Aktuell sind keine weiteren Massnahmen vorgesehen», heisst es auf Anfrage des Beobachters. «Wir beobachten die Situation mit den vereinzelt berstenden Ikea-Gläsern aber weiterhin.» Es sei wichtig, Zwischenfälle zu melden. Einerseits über das Formular des Seco, vor allem aber bei der Verkaufsstelle. Die Verantwortung, Gefahren abzuwenden, liege primär beim Hersteller.

Happy End mit Beigeschmack

Reto Kistler hat Kontakt mit dem Kundendienst aufgenommen und seine restlichen Gläser in die Filiale in Spreitenbach gebracht. Da wurde er positiv überrascht. «Obwohl wir keine Quittung hatten, erhielten wir eine Gutschrift für alle Gläser, Essengutscheine, einen Einkaufsgutschein für 20 Franken und ein Softeis für unseren Sohn.»

Damit sind die Kistlers zufrieden. Trotzdem kaufen sie künftig andere Gläser. Solche, die man nicht wie rohe Eier behandeln muss.

Quellen