Schon im Juli wurde befürchtet, dass 2026 für Schweizer Kartoffeln ein rabenschwarzes Jahr werden könnte. Jetzt haben wir traurige Gewissheit: Unsere CH-Knollen müssen dieses Jahr mit inneren Werten überzeugen. Die seien nämlich noch in Ordnung, versichert Swisspatat, die Branchenorganisation der Schweizer Kartoffeln.

Aber um ihr Äusseres ist es heuer übel bestellt: Sie sind zu klein und zu schmal. Dabei können sie nicht mal etwas dafür. Ihre Schrumpfitis ist das Produkt ausbleibender Niederschläge und anhaltender Trockenheit.

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In ihre Rolle als Zeitzeugen des Klimawandels müssen sie erst noch hineinwachsen. Aktuell liegt das Selbstbewusstsein von Schweizer Kartoffeln am Boden. 

Kartoffeln haben den Bammel vor dem Röstifestival

Aus dem Raum Bern meldet sich die Familie Agria. Sie ist hässig. Seit Jahrzehnten zählen Kinder des Agria-Clans zu den Spitzenanwärterinnen für den begehrten Titel der besten Röstikartoffel. Sonst ein stolzes Schwergewicht, gleicht sie diesen Sommer eher einer Murmel.

Für gewöhnlich herrscht in der Familie Agria geballte Vorfreude, wenn es um den wichtigsten Event ihrer Karriere geht: das jährliche Röstifestival in Winznau. Doch im Jahr 2026 kann sich niemand für die Knollen-Olympiade im Solothurnischen begeistern. Ein Agria-Familienmitglied, das lieber anonym bleiben möchte, sagt: «Nicht nur wir, alle Kartoffelfamilien sehen dieses Jahr dünner aus. Wenn wir über das anstehende Röstifestival reden, sprechen wir nur noch von den ‹Hunger Games›.»

Schweizer Knollen sind pragmatische Überlebenskünstler

Auch die Chips-Anwärter haben Zukunftsängste. Das seit Äonen in der Branche ansässige Geschlecht Odysseus plagen Zweifel (und Pringles). Der endlose Dürresommer habe Erinnerungen an die ewige Reise des antiken Helden geweckt, auf den der Familienname zurückgehe. 

Aber besonders hart trifft es – für die Schweiz eher ungewöhnlich – die Oberschicht. Erstmals meldet sich auch Beyoncé, die Edel-Chipssorte, zu Wort. Sie ist empört darüber, dass die Industrie weiter zuerst aufs Äussere schaut. Sie sagt: «Excuse me? Wir haben 2026!» 

Doch manche Knollen nutzen ihre Schweizer DNA und besinnen sich auf die Werte, auf die das Land in Krisenzeiten immer zählen kann: pragmatischer Kantönligeist. Die im Frittensegment ansässige Innovator-Familie sagt: «Wir stehen in direktem Austausch mit den Kantonen und arbeiten an einer neuen, angepassten Kartoffelgrössenskala.» Der Beobachter will wissen, ob sich diese Skala auf die Preise auswirke. Innovator sagt: «Das ist Sache der Gemeinden.»

Keine Frage: Schweizer Knollen müssen dieses Jahr stark sein. Wenn Sie also demnächst eine mickrige Rösti serviert bekommen, meckern Sie nicht. Zeigen Sie Mitgefühl, und verzichten Sie aufs Aromat, Sie essen immerhin echte Überlebenskünstler. En Guete.

Und was denken Sie?

Mit welchen Gefühlen blicken SIe auf die diesjährige Kartoffelernte? Erzählen Sie es uns in den Kommentaren.