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Was beim Kassenwechsel zu beachten ist

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Viele bleiben bei ihrer Krankenkasse, weil sie Angst haben, beim Wechsel etwas falsch zu machen. Hier finden Sie Tipps zum Vorgehen, alle Termine sowie Musterbriefe für Kündigung und Neuanmeldung.

von Urs Zanoniaktualisiert am 2017 M09 28

Im Herbst herrscht bei den Krankenkassen administrativer Hochbetrieb. Einerseits werden die Policen mit den Prämien fürs nächste Jahr verschickt, anderseits treffen alle Änderungswünsche der Versicherten ein. Entsprechend lang ist die Bearbeitungszeit und entsprechend hoch auch die Fehlerquote bei den Kassen – wozu die Versicherten mit falschen, ungenauen oder missverständlichen Angaben ebenfalls beitragen. Doch selbst wenn etwas schiefgehen sollte: Bleiben Sie gelassen, denn versichert sind Sie in der Grundversicherung in jedem Fall.

Was Sie zum Kassenwechsel wissen sollten:

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Termine

Grundversicherung: Die Kündigungsfrist bei der alten Kasse beträgt einen Monat auf Ende Jahr, das heisst: Das Kündigungsschreiben muss spätestens am letzten Arbeitstag im November bei Ihrer Krankenkasse eintreffen.

Wenn Sie im traditionellen Modell und mit der gesetzlichen Mindestfranchise von 300 Franken versichert sind, ist auch eine Kündigung auf Ende des ersten Halbjahrs möglich. Die Kündigungsfrist beträgt dann allerdings drei Monate, Ihr Kündigungsschreiben muss also spätestens am letzten Arbeitstag im März eintreffen. Zudem müssen Sie bei der neuen Kasse die Mindestfranchise beibehalten. Bereits geleistete Kostenbeteiligungen (Jahresfranchise und Selbstbehalt) werden von der neuen Kasse angerechnet.

Zusatzversicherungen: Bei den meisten Krankenkassen beträgt die Vertragsdauer für Zusatzversicherungen ein Jahr, die Kündigungsfrist drei Monate. Das heisst: Eine Kündigung muss bis 30. September bei der Kasse eintreffen. Weniger kundenfreundlich sind Laufzeiten von drei oder fünf Jahren und Kündigungsfristen von sechs Monaten. Wenn Sie die Versicherung nicht fristgerecht kündigen, verlängert sich der Vertrag automatisch um die festgelegte Laufzeit. Gibt es eine Prämienerhöhung für das kommende Jahr, kann man gemäss den Vertragsbedingungen kündigen.

Vorgehen

  • Legen Sie der Anmeldung bei der neuen Krankenkasse eine Kopie Ihrer bisherigen Police der Grundversicherung bei. Damit vermeiden Sie, dass die neue Kasse rückfragen muss.
  • Sie benötigen keine Aufnahmebestätigung der neuen Krankenkasse, um versichert zu sein: Die Kasse darf Sie gar nicht ablehnen. Und selbst wenn Sie nicht aufgenommen werden, zum Beispiel weil Sie ausserhalb des Tätigkeitsgebiets der neuen Kasse wohnen, ist nichts zu befürchten. Dann bleiben Sie automatisch bei der bisherigen versichert.
  • Sie sind erst dann bei der neuen Krankenkasse grundversichert, wenn diese den Wechsel Ihrer alten Kasse mitgeteilt hat. Trifft diese Mitteilung nicht bis Ende Jahr ein, sind Sie auch zu Jahresbeginn bei der bisherigen Kasse versichert und zahlen weiterhin deren Prämien bis die Mitteilung erfolgt. Spätestens jetzt sollten Sie Druck machen bei der neuen Kasse. Sind die alten Prämien höher als die bei der neuen Kasse, kann man - wenn die alte Kasse die Verzögerung verschuldet hat -, Schadenersatz geltend machen.
  • Falls Sie eine solche Verzögerung als schlechtes Zeichen werten, haben Sie auch die Möglichkeit, bei Ihrer bisherigen Kasse zu bleiben. Sie brauchen einzig dort anzurufen – schliesslich sind Sie immer noch bei ihr versichert. Anschliessend teilen Sie der Kasse, die Sie «versetzt» hat, eingeschrieben mit, dass Sie auf den Wechsel verzichten. Die Kasse kann allerdings auf Ihrem Beitritt beharren; ob sie Ihren Verzicht akzeptiert, hängt von der Kulanz ab. Klar ist in jedem Fall: Sie werden nie bei zwei Kassen gleichzeitig versichert sein und nie doppelt Prämien zahlen müssen.
  • Wenn Sie die Grundversicherung kündigen, Ihre Zusatzversicherungen aber bei der alten Krankenkasse belassen wollen, müssen Sie dies mit aller Deutlichkeit mitteilen. Am besten bringen Sie im Kündigungsschreiben einen Vermerk an: «Diese Kündigung gilt nur für die Grundversicherung. Meine Zusatzversicherung bleibt bei Ihrer Krankenkasse.»
  • In den wenigsten Fällen ist es möglich, die Grundversicherung und die Zusatzversicherungen gleichzeitig zu wechseln. Wollen Sie ganz von Ihrer alten Kasse loskommen, holen Sie früh genug Offerten für die Zusatzversicherung ein, damit Sie im Herbst wissen, ob der Wechsel klappt. Der alte Versicherer darf bei einem Wechsel der Grundversicherung die Zusatzversicherungen nicht kündigen, kann aber einen Zuschlag für administrativen Mehraufwand verlangen oder einen allfälligen Rabatt kürzen. Fragen Sie bei der Kasse nach.
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Mehr zu Krankenversicherung bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Weigert sich die Krankenkasse, eine Kostengutsprache zu erteilen? Welche Zusatzversicherungen gibt es überhaupt? Guider-Mitglieder erfahren, welche Kosten die Krankenversicherung übernimmt und wo sich eine Zusatzversicherung lohnt. Eine weitere nützliche Hilfestellung: Ein Kündigungsschreiben als Mustervorlage.

Grund- und Zusatzversicherung splitten?

Mehr als 80 Prozent der Krankenkassenmitglieder haben neben der Grundversicherung mindestens eine Zusatzversicherung – das geht ins Geld. Deshalb raten Fachleute Jahr für Jahr: Wechseln Sie die Grundversicherung zu einem günstigeren Anbieter und lassen Sie die Zusätze bei der alten Kasse. Doch dieser Rat will gut bedacht sein.

  • Die Trennung bringt administrativen Mehraufwand, der nicht zu unterschätzen ist. Vor allem dann, wenn Sie eine ambulante Zusatzversicherung haben, die Sie regelmässig beanspruchen. Denn ein Teil der Rechnung wird jeweils von der Grundversicherungs-, ein anderer von der Zusatzversicherungskasse bezahlt. Klären Sie unbedingt ab, welche Krankenkasse welche Art Abrechnung wünscht und wie sich die beiden bei Unklarheiten absprechen.
  • Verschiedene Kassen gewähren bei den Zusatzversicherungen Rabatte, etwa für Familien oder für Versicherte in Sparmodellen. Durch die Trennung können diese Rabatte verloren gehen. Andere Versicherer verlangen mehr Prämien, wenn die Grundversicherung zur Konkurrenz gewechselt wird, einige fordern auch einen Zuschlag für den administrativen Mehraufwand.
  • Immer mehr Krankenkassen verlangen, dass die Jahresprämien auf einmal oder pro Semester bezahlt werden, falls der Kunde nur eine ambulante Zusatzversicherung abgeschlossen hat.
  • Wenn Grund- und Zusatzversicherung bei der gleichen Kasse sind, lassen sich Streitereien um Leistungen einfacher und rascher beilegen: Der Versicherer wird die Kosten aufteilen. Ist man bei zwei Anbietern versichert, wird sich die Krankenkasse, bei der die Grundversicherung abgeschlossen ist, jeweils ans Minimum halten.
  • Es gibt andere Möglichkeiten, die Prämien zu reduzieren: höhere Franchise, höherer Selbstbehalt (bei der Zusatzversicherung), Sparmodelle mit eingeschränkter Arztwahl (in der Grundversicherung). Schöpfen Sie erst diese Möglichkeiten aus (siehe auch «Krankenkassen: So senken Sie Ihre Prämien».


Kein Problem ist das Trennen für junge Versicherte, die selten bis gar nie Leistungen beziehen. Machen sie gleichwohl schlechte Erfahrungen, können sie die Grundversicherung einfach wieder zum Zusatzversicherer wechseln. Ebenfalls kein administrativer Mehraufwand entsteht bei Spitalaufenthalten: Weil das Spital direkt mit den Krankenkassen abrechnet, ist es seine Sache, klar zwischen Grund- und Zusatzleistungen zu unterscheiden.

Musterbriefe

Prämienvergleich

Auf folgenden Websites können Sie die Prämien verschiedener Krankenkassen vergleichen:

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