Erschöpft, müde, kraftlos: Sind wir es, weil wir in besonders stressigen Zeiten leben? Fachleute verneinen. Sämtliche Generationen vor uns hatten mit den gleichen Symptomen zu kämpfen, sagt die Literatur- und Medizinprofessorin Anna Katharina Schaffner von der University of Kent. «Historisch betrachtet, waren die Menschen schon immer besorgt, dass sie wenig Energie haben.»

Nur waren die Auslöser damals nicht Smartphone, E-Mail, Netflix und Sport Mentale Erschöpfung Sich alles bis zur Grenze abverlangen , sondern Krankheiten, Krieg, Armut, Industrialisierung und Stadtleben – oder die Macht der Kirche, die Energie raubte. «Meist ist Erschöpfung das Resultat aus Psyche, Körper und Gesellschaft.»

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Heute gibt jede und jeder dritte Erwachsene in Umfragen an, manchmal oder häufiger an Erschöpfung zu leiden. Bei manchen dauert der Zustand ein paar Tage, bei anderen länger. Allen gemeinsam ist: Sie sind tagsüber ständig oder oft müde, weniger leistungsfähig und haben Mühe, sich zu konzentrieren. Auf Dauer leiden darunter auch die Arbeit und das Familienleben. Die Betroffenen haben zunehmend Probleme, den Alltag zu bewältigen, sind antriebslos und gereizt Gereiztes Arbeitsklima Was tun bei schlecht gelaunten Kollegen? .

Verschiedene Formen der Erschöpfung

«Für viele ist Erschöpfung ein relevantes Problem», sagt Christoph Merlo, seit 22 Jahren Hausarzt und neu Co-Leiter des Zentrums für Hausarztmedizin an der Uni Luzern. Täglich kommen Patientinnen und Patienten damit in seine Praxis. «Die eine redet von vermehrter Ermüdbarkeit bei körperlichen Anstrengungen, der andere von Erschöpfung oder Schlafbedürfnis den ganzen Tag über.» Diese Schilderungen liefern auch Hinweise auf mögliche Ursachen (siehe Tabelle unten).

«In den allermeisten Fällen steckt keine schwere Erkrankung dahinter», so Merlo; Schlafstörungen und zu wenig erholsamer Schlaf gehörten zu den häufigsten Gründen. Schmerzen, Sodbrennen (Reflux), unkontrollierbare Beinbewegungen (Restless Legs) oder häufiger Gang auf die Toilette können Gründe dafür sein. Seltener ist die Ursache eine Schlafapnoe, also ein zeitweiser Atemstillstand im Schlaf.

Weitere Auslöser können depressive Störungen sein, gedrückte Stimmung und düstere Gedanken, etwa wegen der dunklen Jahreszeit, zu viel Stress, Trauer, Konflikte bei der Arbeit oder in der Familie, finanzielle Probleme, Überarbeitung, Überlastung, Angst- oder Panikstörungen Panikanfälle Ein dunkles Leben mit der Angst im Nacken . Dabei stösst der Körper ständig Stresshormone aus – das führt zu Müdigkeit als psychosomatischer Störung.

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Zu viel Alkohol, zu viel Fernsehen

Hinzu kommt der Lebensstil: Regelmässiger Alkoholkonsum führt zu schlechtem Schlaf, ebenso zu viel Flüssigkeit oder Koffein abends Koffein 10 Fakten zu Kaffee . «Serienjunkies und Gamer wissen dagegen meist selbst, wieso sie zu wenig Schlaf haben, und kommen erst gar nicht in die Praxis», sagt Christoph Merlo.

Es gibt aber auch medizinische Gründe. Eine Untersuchung und eine Blutprobe könnten Hinweise geben auf Eisenmangel oder Unterfunktion der Schilddrüse, ob der Blutzucker erhöht ist oder der Blutdruck zu niedrig. Sehr selten ist das Chronische-Müdigkeits-Syndrom (CFS) nach Krebsbehandlungen oder schweren Infektionen. «Ein wirkliches CFS habe ich in 22 Jahren Hausarzttätigkeit nur ein-, zweimal gesehen», so Merlo.

Er hatte in letzter Zeit auch Long-Covid-Betroffene Sprachstörungen nach Corona-Erkrankung «Zieh dir endlich die Zahnbürste an» in der Praxis. «Wenige leiden auch sechs Monate nach der Infektion immer noch unter starker Müdigkeit.» Eine spezifische Therapie gibt es hier bislang nicht.

Ältere sind öfter betroffen

«Bei Jüngeren liegt meist kein ernsthafter Grund für die Müdigkeit vor, schon gar nicht, wenn sie das alleinige Symptom ist», sagt Merlo. Bei Älteren sollte man aber grundsätzlich genauer hinsehen. Denn sie schlafen oft schlechter und weniger durch einen veränderten Schlaf-wach-Rhythmus und durch Erkrankungen wie Diabetes oder Herzschwäche. Bei Frauen spielen hormonelle Veränderungen Prämenopause Wenn die Regel zur Ausnahme wird in der Menopause eine wesentliche Rolle.

Von Schlafmitteln wird abgeraten – auch weil sie abhängig machen können. Eine Änderung der Gewohnheiten wirkt nachhaltiger.

Merlo rät, immer dann ärztliche Abklärung zu suchen, wenn die Müdigkeit länger anhält und belastet. Ein Selbsttest über die Epworth-Skala hilft bei der Beurteilung. Spätestens aber wenn Begleitsymptome auftreten wie depressive Verstimmung, Blutungen, Nachtschweiss, starker Durst, geschwollene Lymphknoten, Schmerzen oder Gewichtsverlust, sollte man unbedingt in ärztliche Behandlung.

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Chantal Hebeisen, Redaktorin
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Acht Stunden soll man täglich schlafen. Ärztin Claudia Twerenbold erklärt, warum man diese Empfehlung befolgen sollte – obwohl wir so einen Drittel unseres Lebens verschlafen.
Quelle: Beobachter Bewegtbild

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